Bremsschwellen sollten für mehr Ruhe und Sicherheit in den Wohngebieten in Petersberg bei Fulda sorgen. Doch die Anwohner machen die Hürden auf den Straßen für Schäden an ihren Autos verantwortlich.

Videobeitrag

Video

zum Video Bremsschwellen sorgen für Ärger

Ende des Videobeitrags

Autofahrer, die sich nicht an Tempo 30 in Wohngebieten halten - das war auch in Petersberg bei Fulda Alltag. Die Kommune ließ daher in den vergangenen Monaten 85 Bremsschwellen auf den Straßen montieren. Doch seitdem ist es mit der Ruhe in der Gemeinde mit rund 16.600 Einwohnern dahin.

Autofahrer beklagen mehr Lärm und Schäden

Etliche Bürger regen sich auf über die "Tempohügel", wie sie hier sagen. Uwe Gies hat sich an seinem Auto schon die Frontschürze kaputt gefahren - und zwar an einer der Hürden auf der Straße, sagt er. Er sei gewiss nicht zu schnell unterwegs gewesen, beteuert er: "Ich bin mit 30 km/h drüber gefahren, und da hat's unten krack gemacht. Die Lackierung ist angekratzt. Dann bin ich noch mal drüber, mit zehn km/h – und wieder hat's krack gemacht."

Die Fahrzeuge müssten stoppen und wieder anfahren - das erzeuge Lärm und noch mehr Abgase, beschwert sich auch Heidemarie Ackermann. Auch ihr Auto sei schon kaputt, alle Sensoren der empfindlichen KfZ-Elektronik hätten sich gelockert: "In meiner Kfz-Werkstatt haben sie mir gesagt, so was hätten sie noch nicht gesehen." Die Rechnung hat sie prompt an die Gemeinde geschickt.

Bürgermeister hält Schwellen für unproblematisch

Audiobeitrag
Petersberg Tempohügel

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ärger über Bremsschwellen in Petersberger Wohngebieten

Ende des Audiobeitrags

Doch die Gemeindeverwaltung beruft sich darauf, dass die Bodenschwellen normgerecht seien. Bürgermeister Karl-Josef Schwiddessen (CDU) verteidigt die Bauwerke damit, dass sie der Verkehrsberuhigung dienten. Die Autos sollen ja langsam fahren, wie er sagt: "Die Tempohügel sind maximal sieben Zentimeter hoch und vorne und hinten angeschrägt. Das ist also kein starres Hindernis, vor das ich fahre."

Dass die geschilderten Schäden an den Autos wirklich von der Bremsschwellen herrühren, bezweifelt Schwiddessen. Das müsse notfalls der Gutachter einer KfZ-Versicherung klären. Ob eine solche Prüfung irgendwo in Petersberg läuft, ist nicht bekannt.

Üppiger Landeszuschuss

Die flächendeckende Verkehrsberuhigung hat bislang 900.000 Euro gekostet. Bei der Finanzierung profitiert die osthessische Gemeinde von einem ansehnlichen Landeszuschuss. Hessen zahlt 85 Prozent, Petersburg nur 15 Prozent.

Laut Verkehrsministerium ist Petersberg bislang die einzige Kommune, die diese Förderung in Anspruch genommen hat. Ministeriumssprecher Wolfgang Harms hat dafür keine Erklärung: "Vermutlich haben die meisten Gemeinden schon selbst genügend Tempo-30-Zonen eingerichtet. Das Angebot steht jedenfalls!"

Zusätzliche Poller montiert

Manche Anwohner sehen trotz des üppigen Landeszuschusses in der Einrichtung der ungeliebten Schwellen eine Verschwendung von Steuermitteln und haben den Landesrechnungshof eingeschaltet. Findige Autofahrer umkurven die Hindernisse inzwischen geschickt, indem sie auf Radweg oder Fußweg ausweichen - zum Erschrecken der dortigen Verkehrsteilnehmer. Deshalb hat die Gemeinde zusätzlich rote Plastikpoller neben die Bremsschwellen gestellt.

Ihre Kommentare Blitzer, Bremsschwelle, Poller: Was halten Sie für sinnvoll?

51 Kommentare

  • Hier wird der Autofahrer als unmuendiger Bürger
    ,der gemassregelt werden muss, degradiert.
    Kein Autofahrer freut sich über so eine Behinderung, wir sind doch alle Autofahrer.
    Hoffentlich bezahlt das Land Hessen in den kommenden Jahren auch die Reparaturen der in die Zeit kommenden Schweller. Rechts vor Links hatte doch gereicht. Ich würde vorschlagen, den Teer abzufraesen, da braucht dann keiner mehr Auto zu fahren. Dann können die vielen Blinden von Petersberg (siehe Gewegsonderplatten, weiss genoppt) mitten auf den Straßen laufen.

  • Wer grundsätzlich "Tempo 30 " fährt muss beim Überfahren der Hügel weder vorher abbremsen noch danach beschleunigen.Natürlich fällt es schwer bei gut ausgebauten Straßen diszipliniert langsam zu fahren.Wenn Elektronikschäden aufgetreten sein sollten beschränken die sich nicht nur am Fahrzeug

  • Also wenn ich mit 30 km/h über diesen Hügel fahre, dann verliert mein Auto die Bodenhaftung. Und es ruckelt ganz schön, also bin ich deutlicher langsam, da ich mein Auto brauche. Jetzt bitte nicht sagen, dass etwas mit den Stoßdämpfern oder Federn nicht stimmt. Das Auto ist neu. Habe sie prüfen lassen.

Alle Kommentare laden