Die internationale Anwaltskanzlei Freshfields hat Ermittlungen wegen fragwürdiger Steuerpraktiken am Hals. Ihre Frankfurter Büroräume wurden jüngst durchsucht. Trotzdem findet dort nach wie vor eine Lehrveranstaltung für Studenten statt.

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Parktower (l.) und Opernturm in der Frankfurter Innenstadt

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An der Goethe-Universität in Frankfurt stehen für Studenten der Rechtswissenschaft Lehrveranstaltungen zur Besteuerung von Unternehmen auf dem Lehrplan. Angeboten werden diese unter anderem von zwei Anwälten der Großkanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Einer der Veranstaltungsorte: .

Steuer-Expertise haben die beiden Lehrdozenten nachweislich. Einer empfiehlt sich auf seiner Webseite als Berater für "steuerliche Optimierung". In Fachkreisen hat er bereits referiert über "ausgewählte" Standorte für Gesellschaften, etwa Luxemburg, Jersey und Malta - allesamt sogenannte Steueroasen.

"Callgirls der Hochfinanz"

Bei den Steuerbehörden genießt die Kanzlei offenbar keinen guten Ruf. Michael Volz, Landesvorsitzender der hessischen Steuergewerkschaft, berichtet: "Die Kollegen sagen, das sind die Callgirls der Hochfinanz." Volz und seine Kollegen beobachten selbsternannte Steueroptimierer wie Freshfields sehr skeptisch. "Sie handeln im Interesse ihrer Mandanten, legal, aber zum Teil auch am Rande der Legalität", sagt Volz.

Auch im Zusammenhang mit fragwürdigen Steuerpraktiken, sogenannten Cum-Ex-Geschäften, hat Freshfields beraten und ist damit nach eigenen Aussagen ins Visier der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt geraten. Ermittler haben Mitte Oktober die Frankfurter Büroräume der Kanzlei durchsucht. Die Ermittlungen zu den Cum-Ex-Steuerpraktiken dauern an, ein Ergebnis steht noch aus.

Asta: Lehrveranstaltungen sollten ausgesetzt werden 

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Cum-Ex-Geschäfte

Cum-Ex-Geschäfte sind Aktiendeals, die um den Tag der Dividendenzahlung der jeweiligen Unternehmen herum getätigt werden. Die Wertpapiere werden sehr schnell ge- und verkauft, um mehrfach Kapitalertragssteuern erstattet zu bekommen, obwohl sie nur einmal auf die Dividende bezahlt wurden. 2012 schloss der Staat die Gesetzeslücke, die solche Geschäfte zuvor ermöglichte, aber aus Sicht der Justiz keinesfalls legalisierte. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt erhob Medienberichten zufolge Anfang Oktober erstmals Anklage.

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Auf Anfrage zeigen sich die beiden Freshfields-Anwälte überzeugt: Ihr Seminar in den Räumen der Kanzlei sei dadurch nicht beeinträchtigt, die Freiheit der Wissenschaft und Lehre schon gar nicht. Der Grünen-Politiker Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion und Mitglied eines Untersuchungsausschusses zu Cum-Ex-Geschäften, findet jedoch, viele große Wirtschaftskanzleien hätten in den letzten Jahren eine sehr problematische Rolle eingenommen. "Es ist wichtig, dass an den Universitäten darüber diskutiert wird", betont er.

Der Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) Frankfurt, Valentin Fuchs, geht einen Schritt weiter. Er fordert die Goethe-Universität auf, den Fall zu überprüfen. Bis dieser aufgeklärt sei, sollten die Lehrveranstaltungen ausgesetzt werden.

Kanzlei trägt Seminar-Kosten

Fuchs sieht durch Kooperationen mit der Wirtschaft die Freiheit von Forschung und Lehre sehr wohl gefährdet. "Denn Kanzleien oder Unternehmen können so bestimmen, worüber geforscht wird, und sie können so leicht Studenten rekrutieren - das darf nicht das Konzept von Uni sein."

Die Universität hält dagegen: Solch praxisorientiertes Lernen sei eine sinnvolle Ergänzung. Auf Anfrage wollte die Uni den vorliegenden Fall nicht weiter kommentieren, heißt es in einer E-Mail, "da Zusammenhänge zwischen den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und dem Lehrangebot nicht erkennbar sind".

Für die Uni sind die Lehrveranstaltungen offenbar ein echtes Schnäppchen. Alle anfallenden Kosten trage die Kanzlei Freshfields, heißt es.