Fahrgäste am überfüllten Bahngleis
Bild © Rhein-Main-Verkehrsverbund, Jana Kay

Warten auf Busse und Bahnen nervt, die Pünktlichkeitsgarantie des Rhein-Main-Verkehrsverbundes scheint für Pendler aber ein willkommenes Trostpflaster zu sein. Mehrere hundertausend Fahrgäste haben sich seit ihrer Einführung den Fahrpreis erstatten lassen.

1,3 Millionen Euro - so viel hat die Einführung einer Pünktlichkeitsgarantie den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) bisher gekostet. Das Geld wurde an Fahrgäste ausgezahlt, die bei ihren Fahrten mit mehr als zehn Minuten Verspätung ans Ziel kamen - und dies reklamierten.

Bis Ende April seien rund 558.000 Fälle bearbeitet worden, sagte eine RMV-Sprecherin. Bis zum Jahrestag am 1. Juni gehe der Verbund davon aus, dass die Summe auf rund 1,4 Millionen Euro für rund 600.000 Fälle steigen werde. Die Zehn-Minuten-Garantie wurde zum Juni 2017 eingeführt.

"Ein Jahr nach der Einführung können wir von einem geglückten Start sprechen", sagte Sprecherin Vanessa Rehermann. Die Technik sei von Anfang an stabil gelaufen, kleinere Fehler hätten rasch behoben werden können. 80 Prozent der Reisenden hätten sich in einer Umfrage positiv geäußert.

Sechs Euro werden erstattet

Fahrgäste, die die Pünktlichkeitsgarantie in Anspruch nehmen, bekommen ihren Fahrpreis bis maximal sechs Euro erstattet - in besonderen Fällen werden die Kosten für eine Fahrt mit dem Taxi bezahlt. Dies gilt für alle Busse und Bahnen im gesamten RMV-Gebiet und damit täglich auf mehr als 1.000 Linien.

Die Anträge können online gestellt werden bis zu sieben Tage nach der verspäteten Fahrt. Das Geld können die Passagiere dann nach einer Bearbeitung des Falles innerhalb von drei Monaten abholen, dazu müssen sie die Fahrkarte vorzeigen. Bei Verspätungen aufgrund von Unwetter, Suiziden, Bombendrohungen oder Streik kann jeder Fahrgast nur zwei Garantiefälle pro Tag einreichen.

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So erhalten Sie eine Entschädigung

  • Wenn Sie im RMV-Gebiet mit öffentlichen Verkehrsmitteln Ihr Fahrziel mit einer Verspätung von zehn Minuten oder mehr erreichen, haben Sie Anspruch auf eine Entschädigung.
  • Die verspätete Fahrt muss innerhalb von sieben Tagen auf der Website rmv.de reklamiert werden.
  • Die Entschädigung wird innerhalb von drei Monaten an einer RMV-Mobilitätszentrale ausgezahlt. Neben der Original-Fahrkarte muss die Vorgangsnummer der Reklamation, ein Lichtbildausweis sowie bei Chipkarten oder Handytickets der Kaufbeleg mitgebracht werden.
  • Bei Einzelfahrkarten 2. Klasse gibt es den vollen Fahrpreis bis maximal sechs Euro, 1. Klasse bis maximal acht Euro. Für Zeitkarten wird anteilig mindestens 50 Cent gezahlt. Die maximale Entschädigung entspricht den Einzelfahrscheinen.
  • Bei Fahrten nach 21 Uhr können sich die Fahrgäste auch alternativ Taxikosten in Höhe bis zu 25 Euro erstatten lassen.
  • Bei Verspätungen durch höhere Gewalt wie Stürme, Unwette oder Streik werden maximal zwei Fahrten pro Tag erstattet.
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Ihre Kommentare Wie sind Ihre Erfahrungen mit der RMV-Erstattungsregelung?

31 Kommentare

  • Nun ja, leider bin ich auf den RMV angewiesen und musste leider negative Erfahrungen sammeln. S-Bahnen, Busse oder Straßenbahnen kommen zu spät oder teilweise gar nicht, nur patzige Antworten der Fahrzeugführer.
    Die Zeit, eine Erstattung beim RMV zu erzielen, habe ich nicht mehr, die sehr komplizierte und zeitaufwendige Abwicklung verhindern das. Das scheint wohl auch im Sinne des RMV zu sein, damit wendet man ettliche Erstattungen ab. Abgesehen davon muß ich mir eine neue Hin- und Rückfahrkarte kaufen, um meine Erstattung zu bekommen, die das ganze Entgelt legalisiert. Das ist einfach unerhört!
    Wie sollen die PKW Fahrer auf den ÖPNV umsteigen, wenn nichts funktioniert und die Fahrpreise ein Wucher sind?
    Schauen sie sich mal die Tarifstrukturen in Berlin oder Barcelona an. Da stimmt das Preis/Leistungsverhältnis. Da geht kein Fahrer während der Fahrzeit sich einen Kaffee oder Döner besorgen, was u.a. zu Verspätungen führt!

  • Ich bin mir sicher, das wenn die Auszahlungsmodalitäten einfacher wären die Kosten steigen werden. Der RMV schafft es bei meiner jahreskarte schön brav monatlich abzubuchen, aber für die Erstattung muss ich mich ewigkeiten anstellen. Das ist die Mühe fast nicht Wert. Ich habe bisher nur gemeldet aber nicht abgeholt. Hier besteht dringend Handlunsbedarf das Auszahlungsverfahren zu vereinfachen.

  • Dank der HLB, die auf der Königstnier Strecke verläßlich unzuverlässig ist, sind meine Monatskarten deutlich billiger geworden. Ja, das umständliche Formular nervt, und noch mehr nervt, daß es "Auszahlstellen" gibt, die einem nach ner Stunde Wartezeit erklären, sie könnten das Eticket nicht lesen. Äh ja, ihr verkauft die Dinger doch...
    Mittlerweile habe ich eine Auszahlstelle gefunden, wo es schnell geht und ich (außer der auf dem Handy zu Kontrollzwecken gespeicherten Fallnummernliste) nichts brauche.
    Statt solcher Entschädigungströpchen wäre ein konsequentes Hinarbeiten auf mehr Pünktlichkeit allerdings besser.

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