Trockener Edersee
Der Edersee hatte diesen Sommer besonders wenig Wasser - das belastet auch den Tourismus in der Region. Bild © picture-alliance/dpa

Es ist kaum noch Wasser im Edersee. Das ist ideal für alle, die sich die Ruinen untergegangener Dörfer anschauen möchten. Doch mit dem Pegelstand sinken die Einnahmen der Tourismusbranche. Nun soll eine Online-Petition helfen.

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Thomas Hennig will, dass sich endlich was tut. Er ist Initiator der Petition "Rettet den Edersee" und im Vorstand der Wassersportgemeinschaft Eder-Diemelsee. Den niedrigen Wasserstand will Hennig nicht länger hinnehmen: "Wir wollen in die Betriebsvorschrift aufgenommen werden!" Die regelt nämlich, was mit dem Wasser im Stausee passiert. Henning fordert, dass der Tourismus am Edersee bei Entscheidungen zum Wasserstand eine höhere Priorität bekommt.

Fast 9.000 Menschen haben die Petition schon unterschrieben. Viele Unterschriften fehlen ihm nicht mehr, damit Hennig sein Ziel erreicht: 10.000 Unterstützer bis Anfang September! Tatsächlich war der natürliche Wasserstand des Stausees zuletzt so niedrig wie nie in einem Juli - gerade mal 20 Prozent der Füllkapazität waren vorhanden.

Es gibt Regeln. Auch für Wasser.

Wer denkt, in so einem See sei einfach mal mehr, mal weniger Wasser drin, ein paar glückliche Fische, lachende Badegäste, fröhliche Segler, liegt falsch. Es gibt Regeln, auch für Wasser in einem Stausee. Diese Regeln stehen in der sogenannten Betriebsvorschrift und legen fest, was mit dem Wasser im See passiert.

Da der Edersee einer der größten Stauseen Deutschlands ist, wird dort auch Wasser gespeichert, um in Trockenzeiten die Oberweser zu versorgen. Fließt in der Weser nicht genug Wasser, kann das die Fracht- und Personenschifffahrt einschränken und es wird Wasser aus dem Ederstausee abgezweigt. In die Tat umgesetzt wird das von einer Behörde: der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, die zum Bundesministerium für Verkehr gehört.

Auch in diesem Jahr war der Edersee sehr früh ziemlich leer. Im Mai war in dem Stausee ein Viertel weniger Wasser als gewöhnlich. Das "Edersee-Atlantis", das normalerweise erst im Herbst auftaucht, ist längst zu sehen. Allerdings ist ein Stausee auch keine Badewanne, bei der man nach Belieben Wasser nachfüllen kann - der Wasserstand hängt ab vom Niederschlag, und der war in den Winter- und Frühjahrsmonaten extrem gering.

Edersee-Region zieht Wasserfans an

Gut zehn Prozent der Touristen am Edersee seien aktive Wassersportler, so Thomas Hennig. Doch auch die anderen Besucher wählten die Region wegen des Sees als Reiseziel aus - um am Wasser Fahrrad zu fahren, zu wandern, mit der Fähre zu fahren oder baden zu gehen. Andere Attraktionen seien sicherlich interessant für Touristen, aber eben nur in Verbindung mit einem gefüllten See, der die Besonderheit der Region ausmache. Und das bringe die zahlungskräftigen Übernachtungsgäste.

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"Edersee-Atlantis"

Der Edersee-Staudamm wurde vor mehr als 100 Jahren gebaut. Die Dörfer Asel, Alt-Bringhausen und Berich wurden geräumt und überflutet. Sinkt der Wasserspiegel stark, werden die Ruinen der Dörfer wieder sichtbar. Es gibt sogar Touren durch das "Edersee-Atlantis“.

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Die Ruinen der untergegangenen Dörfer, auch als "Edersee-Atlantis" bekannt, könnten das nicht leisten. Wegen ihnen kämen eher Tagesgäste - "das ist eher eine saisonverlängernde Maßnahme", so Hennig. "Und sind wir mal ehrlich - das sind ja wirklich nur noch Mauerreste."

Tourismusverband unterstützt Petition

Unterstützung bekommt die Petition auch von Hartmut Reiße. Der Geschäftsführer des Hessischen Tourismusverbandes sieht das Problem ebenfalls im Wassermanagement und hält es auch für sinnvoll, dass die Betriebsvorschrift geändert wird: "Ich glaube, das ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Tourismus als Wirtschaftsfaktor nicht erst genommen wird. Tourismus, das ist nämlich nicht nur ein bisschen Freizeit, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor - also Arbeitsplätze."

Man müsse sich zusammen setzen und miteinander reden. Andernfalls sieht Reiße schwarz: "Man kann eine Region wie die um den Edersee nicht wirtschaftlich ausbluten lassen." Laut Initiator Hennig haben die Tourismusbetriebe am Edersee dieses Jahr bereits Umsatzeinbußen von 30 Millionen Euro verursacht.

Wasserverwaltung weist Schuld von sich

Timo Freitag ist in der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Verkehrsministeriums für das Wassermanagement des Edersees zuständig. Das heißt, er und seine Behörde vollziehen, was in der Betriebsvorschrift steht. Er weist den Vorwurf, das Wassermanagement werde zu Lasten des Tourismus betrieben, von sich: "Wir bewirtschaften die Talsperre nach gesetzlichen Vorgaben. Die Zweckbestimmung ist unter anderem die Schifffahrt auf der Oberweser und danach richten wir uns."

Blick auf den Edersee
Der Edersee im Sommer 2016 Bild © Imago

Die Behörde betreibe keine Gewichtung einzelner Interessen. Freitag weist darauf hin, dass wenig Wasser im Edersee auch schlecht für die Oberweser sei. Außerdem finde in regelmäßigen Abständen ein Austausch mit der entsprechenden Landesbehörde, den Landkreisen und Institutionen statt. Laut Petitions-Initiator Hennig sei man in diesen Gesprächen zwar zu Wort gekommen, auf die Entscheidungen zu Regeländerungen habe das aber keinen Einfluss gehabt.

Fest steht: wenig Wasser belastet sowohl die Tourismusbranche als auch die Oberweser-Schifffahrt. 8.000 Unterschriften hat Hennig schon in einem dicken Ordner an einen Vertreter des Bundesverkehrsministeriums übergeben. Der Rest soll Anfang September folgen - dann hat er einen Termin mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Hennig ist zufrieden, dass die Wasserprobleme des Edersee endlich Aufmerksamkeit bekommen: "Man merkt: Es tut sich endlich was."


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