So wenig Wasser hatte der Edersee noch nie im Hochsommer. Die aufgetauchten Dorfruinen locken viele Ausflügler an. Für den Tourismus ist die Trockenheit trotzdem geschäftsschädigend.

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"Edersee-Atlantis" ist wieder da": Friedhöfe, Kirchen, Brücken, ganze Dörfer tauchen wieder auf. Nie zuvor war der natürliche Wasserstand des Edersees im Juli so niedrig. Nur noch zu 20 Prozent ist der Stausee gefüllt. Statt der für die Jahreszeit üblichen 156 Millionen Kubikmeter sind es noch 40 Millionen Kubikmeter Wasser.

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Eine Ausnahme

Nur einmal ist der Wasserstand im Edersee noch tiefer gesunken: Als die Briten 1943 im Zweiten Weltkrieg die Edertalsperre bombardierten und 160 Millionen Kubikmeter Wasser - fast vierfach so viel wie nun in dem See noch sind - ausflossen.

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Solche Ebbe gibt es eigentlich erst im Herbst, wenn die heißen Sommermonate bereits vorüber sind. Erste Schritte, den See nicht weiter austrocknen zu lassen, sind schon eingeleitet worden. Seit Donnerstag fließt nur noch ein Minimum an Wasser über die Talsperre in die Eder. Das soll die Tier- und Pflanzenwelt im Edersee und im unteren Ende der Eder schützen. Ihr Lebensraum wird immer kleiner. Allmählich wird die Trockenheit im Edersee aber auch anderweitig zum Problem. Und das nicht nur für die Region.

Einschränkungen im Schiffverkehr auf der Weser

Das Wasser aus dem Edersee sorgt eigentlich dafür, dass in der Weser ausreichend Wasser für die Schiffe ist. Dafür fließt seit Donnerstag aber zu wenig Wasser aus dem Stausee, nur an die sechs Kubikmeter pro Sekunde. Das Wasser- und Schifffahramt Hann. Münden rechnet damit, dass schon am kommenden Samstag keine Schiffe mehr auf Teilen der Oberweser fahren werden. Am Samstagmorgen schon könnte es kritisch für Schifffahrten ab Hann. Münden werden, gegen Nachmittag dann auch für Fahrten ab Bad Karlshafen. Und das in der Hochsaison für Urlaubsfahrten.

Trotz der Prognose bleibt Jörg Menzel, Geschäftsführer der Fahrgastschiff-Flotte "Flotte Weser", gelassen. Es komme eventuell zu Verzögerungen im Fahrplan, er rechnet aber damit, dass am Wochenende noch alle Fahrten gehalten werden können. Sein Touristenschiff fährt sechs Mal in der Woche von Bad Karlshafen die Weser entlang, auch am Wochenende sind Fahrten angesetzt. "Man muss abwarten, wie hoch der Pegelstand ist. Die Oberweser kriegt ja auch noch Zuflüsse aus der Werra und der Fulda", sagt Menzel.

Örtlicher Tourismus leidet

Sogar die Tourismusbranche direkt am Edersee rechnet mit Verlusten durch die Trockenheit. Einbußen - und das obwohl der niedrige Wasserstand die alten, sonst im Wasser versunkenen Ruinen zum Vorschein bringt und das "Edersee-Atlantis" täglich Touristen anlockt.

Doch die zusätzlichen Tagestouristen werden die Einbrüche bei den Übernachtungsgästen kaum ausgleichen, schätzt Claus Günther von der Edersee Touristic GmbH: "Viele Übernachtungsgäste kommen nicht, besonders im Campingbereich."

Denn viele Badeabschnitte nahe den Campingplätzen sind trocken gelegt, nur noch ein Bruchteil des sonstigen Wassersports kann auf dem See betrieben werden. Und so leiden Wassersportvereine, Campingplatzbetreiber und die Gastronomie. "Prinzipiell geben Übernachtungsgäste mehr Geld pro Tag aus als Tagesgäste", weiß Günther, "Atlantis-Gäste kommen nur tagsüber. Also geben sie meistens weniger Geld aus, da sie nicht hier übernachten."

Noch kein Problem für Fische und Pflanzen

Für die Tiere und Pflanzen im Edersee gibt der Naturschutzbund Hessen immerhin Entwarnung. Noch schade der Rekord-Tiefstand ihnen nicht, sagt Berthold Langenhorst: "Die Fische schwimmen mit dem Strom der Eder aus dem Stausee oder leben auf engerem Raum. Die Tiere im Schlick verkriechen sich im Schlamm und warten, bis das Wasser wiederkommt." Durch die ständig wechselnden Wasserstände hätten sich die Tiere ausreichend angepasst. Den Pflanzen komme die Trockenphase gerade zugute - der getrocknete Boden sei nährstoffreich, seltene Schlickpflanzen würden nun dort wachsen.

Schwierig werde es nur, wenn der See weiterhin in so rasantem Tempo austrockne. "Irgendwann ist das Wasser im Edersee zu flach für Fische. Flach heißt, das Wasser wird wärmer und sauerstoffarm. Das überlebt kein Fisch."


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