Eine stillgelegte Schiene.
Stillgelegte Schienen gibt es viele in Hessen - manche davon sollen nun neu benutzt werden. Bild © picture-alliance/dpa

Früher rollten hier die Züge, jetzt ist Stille - aber nicht mehr lange: Bis 2024 will die Landesregierung vier stillgelegte Bahnstrecken reaktivieren. Und es gibt weitere Pläne.

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Die Straßen entlasten, das Klima schützen, den ländlichen Raum erschließen - große Ziele, die sich Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) im Jahr der Landtagswahl steckt. Um sie zu erreichen, soll auch Infrastruktur herhalten, die es schon einmal gab: stillgelegte Bahnstrecken. Die will Al-Wazir reaktivieren, vorausgesetzt, es rechnet sich. Das teilte das Ministerium am Montag mit.

Konkret sollen demnach zunächst vier alte Bahnstrecken bis 2024 wieder Teil des aktuellen Schienennetzes werden:

  • Ein Teilstück der Horlofftalbahn von Wölfersheim (Wetterau) nach Hungen (Gießen). Auf diesem Teilstück ist seit 2003 kein Zug mehr gefahren.
  • Ein Teilstück der Lumdatalbahn im Kreis Gießen von Lollar über Staufenberg-Mainzlar nach Londorf. Der Abschnitt von Lollar bis Staufenberg-Mainzlar wurde bis 1981 befahren, der Teil Mainzlar-Londorf bis 1991. Ursprünglich führte die Lumdatalbahn sogar von Gießen bis Grünberg.
Die beiden Teilstücke der Lumdatal- und der Horlofftalbahn.
Die beiden Teilstücke der Lumdatal- und der Horlofftalbahn. Bild © Grafik: Wirtschaftsministerium Hessen, Bearbeitung: readitnow.info


  • Ein Teilstück der Aartalbahn von Wiesbaden nach Bad Schwalbach (Rheingau-Taunus). Bis zu ihrer Stilllegung 1983 fuhr die Bahn von Wiesbaden ins rheinland-pfälzische Diez.
  • Eine Güterstrecke vom Bahnhof Neu-Isenburg (Offenbach) in die Innenstadt, die seit 2006 nicht mehr befahren wird. Künftig soll die Strecke Teil der geplanten Regionaltangente West werden, die eines Tages von Bad Homburg (Hochtaunus) über den Frankfurter Flughafen nach Neu-Isenburg und Dreieich (Offenbach) führen soll.
Karte der geplanten reaktivierten Bahnstrecken.
Für die Strecke in Neu-Isenburg sowie das Teilstück der Aartalbahn wird es ernst. In Darmstadt laufen noch Machbarkeitsstudien. Bild © Grafik: Wirtschaftsministerium Hessen, Bearbeitung: readitnow.info

Verschiedene Geldquellen

Finanziert werden sollen die Projekte teilweise mit Bundesmitteln, aber auch mit Mitteln der Deutschen Bahn AG. Teilweise soll sich auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) an den Planungskosten beteiligen. Al-Wazir verwies zudem auf das Hessische Mobilitätsförderungsgesetz, das den Kommunen ab 2020 jedes Jahr 100 Millionen Euro für Verkehrsvorhaben zur Verfügung stellt, die Hälfte davon für Bus- und Bahn-Infrastruktur.

Insgesamt sind in den vergangenen Jahrzehnten dem Ministerium zufolge mehr als 80 Nebenstrecken stillgelegt worden. Die meisten davon eigneten sich aber nicht mehr für den Betrieb, weil sie überbaut wurden, in schlechtem Zustand sind oder schlicht von niemandem gebraucht werden.

Vier weitere Machbarkeitsstudien

Neben diesen konkreten Vorhaben laufen noch bei den folgenden vier weiteren Strecken Machbarkeitsstudien: von Kassel nach Naumburg, von Kassel-Wilhelmshöhe nach Kaufungen-Papierfabrik (Straßenbahn), von Kassel-Druseltal zum Herkules-Denkmal (Straßenbahn) und von Darmstadt-Ost nach Groß-Zimmern.

Als Positivbeispiel verwies Al-Wazir auf die Kurhessenbahn von Korbach nach Frankenberg. Bei der 2015 wieder in Betrieb genommenen Verbindung habe das Land rund zwei Drittel der Gesamtkosten getragen, nun habe der Tourismus in der Region einen Schub erhalten und Pendler profitierten.