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Die EZB im Frankfurter Ostend Bild © picture-alliance/dpa

Nach einem Großauftrag an einen US-amerikanischen IT-Dienstleister steht die Europäische Zentralbank in Frankfurt in der Kritik. Politiker und Gewerkschafter befürchten, dass mit den sensiblen Daten Missbrauch betrieben werden könnte.

Die europäische Zentralbank (EZB) hat die US-amerikanischen Firma Unisys unter anderem mit dem Betrieb des EZB-Rechenzentrums beauftragt. Den Auftrag erhielt die belgische Niederlassung des IT-Dienstleisters.

Der CSU-Politiker Markus Ferber, Vize-Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Währung im Europäischen Parlament, sagte hr-iNFO, die Daten der EZB hätten das Potenzial, Märkte zu bewegen und seien sensibel. Das schließe eine Vergabe solcher Aufträge an externe Unternehmen aus. "Gerade bei US-Dienstleistern sollte man doppelt skeptisch sein, denn die NSA-Affäre hat sehr deutlich gemacht, dass die USA im Zweifel keine Skrupel haben, ihre Partner auszuspionieren", sagte er.

Gewerkschaft warnt vor Datenmissbrauch

Ähnliche Bedenken äußerte auch die europäische Gewerkschaft IPSO, der viele EZB-Mitarbeiter angehören. Wer das Rechenzentrum einer Notenbank betreibe, habe Zugriff auf hochsensible Daten, sagte IPSO-Vorstandsmitglied Johannes Priesemann. Dadurch seien Datenmissbrauch und sogar Sabotage möglich. Man habe daher ein externes, unabhängiges Risiko-Gutachten gefordert. Dem sei die Leitung der EZB aber nicht nachgekommen.

Eine EZB-Sprecherin sagte dazu, es habe intern eine sorgfältige Risikoanalyse gegeben. "Es gibt keinen Grund, an der Expertise unserer Fachleute zu zweifeln", erklärte sie. Die Sicherheit der Daten sei aus mehreren Gründen gewährleistet. "Der Dienstleister wird die Richtlinien der EZB zur IT-Sicherheit einhalten und den Ethik-Rahmen der EZB beachten." Außerdem behalte die Zentralbank eigene Soft- und Hardware, alle Daten verblieben im eigenen Rechenzentrum.

Unisys: Halten uns an EU-Datenschutzvorgaben

Auch das Unternehmen Unisys erklärte auf Anfrage, man werde sich an die EU-Datenschutzvorgaben halten. Unisys werde auch dann keine Daten weitergeben, wenn andere Behörden, etwa in den USA, dies verlangten.

Nach Angaben der EZB übernimmt Unisys ab kommendem Monat unter anderem den Betrieb des Rechenzentrums für sechs Jahre. Bisher hat die Zentralbank das Rechenzentrum selbst betrieben. Zu den Kosten des Auftrags an Unisys wurden keine Angaben gemacht.

Sendung: hr-iNFO, 15. Dezember, 16.30 Uhr