Weinreben am Rauenthaler Nonnenberg im Rheingau
Weinreben am Rauenthaler Nonnenberg im Rheingau Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Während die Getreidebauern wegen der Trockenheit über Ernteeinbußen klagen, sehen die hessischen Winzer der Weinlese zuversichtlich entgegen: Es könnte die frühste Lese aller Zeiten werden und ein guter Jahrgang - wenn das Wetter weiter mitspielt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gespräch: Warum Landwirte in diesem Jahr früher ernten müssen

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Viel Regen im Frühjahr, seit Mai viel Sonne: Besser könnte das Wetter in diesem Jahr für Weintrauben kaum sein. Und so rechnen die hessischen Winzer mit einer Weinlese schon im August. "Im vergangenen Jahr hatten wir schon die früheste Riesling-Ernte aller Zeiten", sagt Peter Seyffardt, Präsident des Rheingauer Weinbauernverbandes.

Für dieses Jahr ist er noch vorsichtig: "Es sieht ganz so aus, als wären wir in diesem Jahr noch früher dran." Ähnlich sieht es sein Kollege Otto Guthier, Vorsitzender des Weinbauverbandes Hessische Bergstraße: "Die Trauben entwickeln sich bislang hervorragend, sie haben zwei bis drei Wochen Reife-Vorsprung."

Außergewöhnlich gutes Wein-Wetter

Über Beginn und Umfang der Weinlese will Guthier aber noch nicht spekulieren: "Es kommt jetzt auf die Niederschläge in den nächsten vier bis sechs Wochen an." Er rechnet mit einem Beginn der Weinlese nach dem 20. August.

Hauptlesezeit ist üblicherweise der Monat September bis in den Oktober hinein. In diesem Jahr ist das Wetter bislang außergewöhnlich gut, sagen Guthier und Seyffardt unisono: Es sei tagsüber nicht zu heiß, nachts kühle es ausreichend ab.

Trockenheit könnte zum Problem werden

Ein Problem im Rheingau wie an der Bergstraße könnte aber die anhaltende Trockenheit werden. "Junge Weinberge, die noch kein ausgeprägtes Wurzelsystem haben, müssen jetzt bewässert werden", erklärt Seyffardt. Die älteren Reben mit ihren meterlangen Wurzeln kämen noch gut an Wasser heran.

An der Bergstraße habe es Niederschläge gegeben, berichtet Guthier, "aber leider nicht überall." Sollten die kommenden Wochen trocken bleiben, könnten die Rebpflanzen die Feuchtigkeit wieder aus den Trauben herausziehen - was der Qualität schaden werde. Zu viel Regen darf es aber auch nicht sein, denn dann könnten die Trauben faulen und anfällig für Schädlinge werden.

Öfter frühe Weinlesen

Frühe Weinlese-Termine schon im August gebe es inzwischen öfter, berichtet Guthier. Grund sei der Klimawandel, weswegen die hessischen Winzer mit neuen Sorten experimentieren, die später reifen. "Reben, die es kühler mögen wie der Riesling, werden in höhere Lagen verlagert", sagt Guthier.

Das beobachtet auch der Verband Deutscher Prädikatsweingüter. Bis in die 1990er-Jahre hinein sei es vor allem um Fragen der Reife gegangen, sagt Verbands-Sprecherin Katja Apelt. "Die Möglichkeiten, heute guten Wein zu produzieren, sind deutlich gestiegen." Allerdings müssten sich Winzer auf häufigere Wetterkapriolen einstellen.

Weinbau und Klimaandel
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Vor Extremwetter könnten zum Beispiel Netze gegen Hagel helfen oder Paraffinkerzen und Feuer, die bei Spätfrösten die Reben vor der Kälte schützen sollen.

Auch Apelt ist mit einem Ausblick auf den 2018er-Jahrgang vorsichtig: "Zur Zeit sind unsere Winzer mit der Entwicklung durchaus zufrieden. Für eine Qualitätsprognose ist es aber noch zu früh", sagt sie

Auch Obst früher reif

Schon sicher ist, dass die Obstbauern früher mit der Ernte beginnen müssen, denn Kirschen und Co. sind wegen der vielen Sonnentage gute vier Wochen früher reif als üblich. Viele Getreidefelder sind schon abgeerntet - auch hier mussten die Bauern rund vier Wochen früher ran. Ansonsten wäre das Getreide auf den Feldern vertrocknet.