Streikende Ryanair-Piloten in T-Shirts mit Streikslogan mit Transparenten
Streik-T-Shirt statt Uniform: Die Piloten von Ryanair blieben am Freitag am Boden. Bild © picture-alliance/dpa

Mitten in der Urlaubszeit haben die Piloten von Ryanair die Arbeit niedergelegt. In Frankfurt hob am Freitag nur eine Maschine des Billigfliegers ab. Die Pilotengewerkschaft Cockpit sprach von einem Erfolg.

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250 Flüge von und nach Deutschland hatte Ryanair vorsorglich für Freitag abgesagt. Europaweit waren es 400. Davon waren 55.000 Passagiere betroffen. In Frankfurt fielen 21 von 22 geplanten Starts aus - mitten in der Urlaubszeit.

Um 3.01 Uhr begann wie angekündigt der historische Streik: Erstmals hatten sich Gewerkschaften und Piloten des irischen Billigfliegers Ryanair in mehreren europäischen Ländern zusammengetan, um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter durchzusetzen.

Verwaiste Schalter im Terminal 2

Im Flugplan des Billigfliegers sind freitags 22 Starts vorgesehen. Bis auf einen wurden alle abgesagt. Die Gewerkschaft hatte den in Deutschland 24 Stunden dauernden Pilotenausstand frühzeitig angekündigt, das Unternehmen seinen Flugplan vorsorglich zusammengestrichen und allen Kunden kostenloses Umbuchen oder Stornieren angeboten. Entsprechend ruhig ging es morgens im Terminal 2 des Flughafens zu, wo Ryanair-Passagiere normalerweise einchecken.

Leere Check-in Schalter der Fluggesellschaft Ryanair
Verwaiste Check-in Schalter der Fluggesellschaft Ryanair im Terminal 2 des Flughafen Frankfurt. Bild © picture-alliance/dpa

Flughafenbetreiber Fraport wies am Morgen auf seiner Internetseite nicht einmal auf den Streik hin. So einschneidend er für Piloten und Unternehmen ist - und ärgerlich für die Kunden: Im Betrieb des gesamten Flughafens fiel er anders als frühere Streiks bei der Lufthansa nicht allzu sehr ins Gewicht.

Rund 4.000 Ryanair-Passagiere dürften in Frankfurt betroffen gewesen sein. Den Mini-Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsrück traf es auch. Dort waren nur noch sieben Ryanair-Flüge vorgesehen.

Gewerkschaft: "Signal hoffentlich angekommen"

Die Pilotengewerkschaft Cockpit, bezeichnete ihren ersten großen Streik beim irischen Billigflieger Ryanair als Erfolg. Ein Sprecher sagte dem hr, er hoffe das Signal sei beim Unternehmen angekommen. Weitere Aktionen am Wochenende schloss er aus.

Ryanair selbst nannte den Arbeitskampf noch einmal bedauerlich und ungerechtfertigt. Man habe alles daran gesetzt die Störungen zu minimieren.

Tarifwunsch gegen Billigkonzept

Die Piloten streiken für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter. Sie verdienen etwa die Hälfte von dem, was ihre Kollegen bei der Lufthansa bekommen. Die VC will bei der irischen Gesellschaft erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht dafür andere Fluggesellschaften als Muster heran. Das Unternehmen will keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept in Frage stellen würden.

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Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit rund sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren. Weitere Streiks in der Urlaubszeit hat die VC nicht ausgeschlossen, will sie aber mit einer Frist von 24 Stunden vorher ankündigen. Am Samstag soll der Betrieb laut Ryanair wieder wie gewohnt laufen.

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Ryanair in Turbulenzen

Die abgestimmte Aktion ist der bislang größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas. Sie erkennt erst seit Ende 2017 Gewerkschaften überhaupt an - und bekommt mit verärgertem Personal zunehmend Probleme. Vor zwei Wochen erst hatten Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien zwei Tage lang zusammen rund 600 Flüge mit knapp 100.000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. Unter den europäischen Piloten hatten zuvor einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt.

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