Bitcoin-Automat in Offenbach
Ein sogenanntes Hardware Wallet (links): Es verwahrt quasi den Schlüssel, mit dem der Eigentümer Zugriff auf seine Bitcoins hat. Daneben der Bitcoin-Automat, der mit Bargeld gefüttert werden kann, um damit virtuelles Geld, die Bitcoins, zu kaufen. Momentan ist er außer Betrieb. Bild © Anikke Fischer

An einem Automaten Bargeld einzahlen und Bitcoins erhalten: Das ist in Deutschland, anderes als in mehreren Nachbarländern, noch nicht möglich. Dabei steht in Offenbach bereits ein solches Gerät, doch das ist bis auf Weiteres offline.

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Da steht er nun, der ganze Stolz der Coinfriends: Weißglänzend und durchdesignt wie ein iPhone lehnt der Bitcoin-Automat seit einigen Wochen an einer Wand der Vereinsräume in Offenbach. Er könnte womöglich der erste offiziell in Betrieb genommene Bitcoin-Geldautomat Deutschlands werden, wäre da nicht ein Problem: "Uns fehlt noch die Genehmigung der Finanzaufsicht BaFin, damit wir ihn nutzen dürfen", sagt Vereinsvorstandsmitglied Robert Roppenecker.

Doch die BaFin hat es nicht eilig. Und solange sie dem Verein die entsprechende Erlaubnis nicht erteilt, bleibt der eigentlich funktionstüchtige Automat außer Betrieb. "Sonst würden wir uns strafbar machen", betont der 30-jährige Offenbacher.

Coinfriends in Offenbach
Die Mitglieder des Vereins Coinfriends wollen über digitale Zahlungsmethoden aufklären. Bild © www.siegrist-fotografie.de

Vor rund zwei Monaten wurde der Bitcoin-Automat geliefert. Für die Kosten in Höhe von rund 10.000 Euro ist der Verein aufgekommen. Wäre der Automat in Betrieb, könnten Nutzer ganz einfach Bargeld in Form von Geldscheinen einzahlen und sich mit Hilfe einer App Bitcoins kaufen, die auf ihrem virtuellen Konto gutgeschrieben werden. Auch Auszahlungen wären theoretisch möglich.

Das Modell sei schon in mehreren Ländern erfolgreich im Einsatz, unter anderem in Österreich, der Schweiz, Holland, Frankreich und Tschechien, erzählt Roppenecker. Dort sei es wesentlich einfacher, an die notwendigen Genehmigungen zu kommen.

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Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind eine digitale Währung, die ursprünglich entwickelt wurde, um unkompliziert Zahlungsvorgänge abzuwickeln. Zuletzt nutzten aber vor allem Investoren die Kryptowährung als Geldanlage, wodurch sich der Bitcoin-Kurs vervielfacht hat. Aktuell liegt der Wert einer Bitcoin bei etwa 6.700 Euro, was sich aber schnell ändern kann. Gerüchten zufolge kostete die erste Pizza, die 2009 mit der digitalen Währung bezahlt wurde, noch 1.000 Bitcoins. Tatsächlich kann man derzeit in nur wenigen Unternehmen, Geschäften oder Online-Shops Bitcoins gegen Ware oder Dienstleistungen eintauschen.

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Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bemüht sich der österreichischen Bitcoin-Geldautomatenbetreiber Cointed schon seit rund 20 Monaten, in Deutschland eine Genehmigung der BaFin zu bekommen - bisher vergeblich. Auch die Volksbank Mittweida in Sachsen hat demnach ihre Pläne für Bitcoin-Automaten zu den Akten gelegt, weil die regulatorischen und IT-Anforderungen zu hoch gewesen sind.

BaFin mahnt Sorgfaltspflicht an

Über die Chancen der Coinfriends, ihren Bitcoin-Automaten aktivieren zu dürfen, möchte sich die BaFin auf Anfrage von readitnow.info nicht äußern. Grundsätzlich gelte aber, dass "man zum Beispiel genug Eigenmittel und eine Geschäftsleitung haben muss", sagt ein BaFin-Sprecher: "Die Verantwortlichen haben schließlich das Geld anderer in Händen - da bedarf es einer gewissen Aufsicht."

Und wenn die Bafin die Genehmigung niemals erteilt? "Dann müssen wir kämpfen", kündigt Coinfriend Roppenecker an. Zur Not mit Hilfe eines spezialisierten Anwalts. Wäre es nicht besser gewesen, erst die Genehmigung einzuholen und dann den Automaten zu kaufen? Vielleicht sei der Verein da ein bisschen zu euphorisch gewesen, gibt er zu.

Verein will über Kryptowährungen aufklären

Der im September 2017 gegründete Verein hat nach eigenen Angaben rund 100 Mitglieder in ganz Deutschland. Gegründet wurde er von neun Menschen, die sich alle nebenberuflich für digitale Währungen interessieren. "Unser Anliegen ist Aufklärungsarbeit beim Thema digitale Zahlungsmittel - gerade weil es bei der Kryptowährung so unfassbar viele schwarze Schafe gibt", sagt Roppenecker.

Er selbst wurde vor einiger Zeit Opfer eines Bitcoin-Betrugs und verlor dabei viel Geld. Hinter dem angeblichen Zinserlös steckte in Wirklichkeit eine Art Schneeballsystem.

Diese Erfahrung will der Verein anderen ersparen. Deswegen klärt er darüber auf, wie Bitcoins funktionieren und was die Blockchaintechnologie ist, mit der die Bezahlmethode funktioniert. Zum Beispiel . Auch bei der Webweek Rhein-Main werden die Coinfriends eine Veranstaltung anbieten - dann gibt es auch die Gelegenheit, den Bitcoin-Automaten aus der Nähe zu betrachten und sich die Funktionsweise erklären zu lassen.

Das Vertrauen in die reale Währung bröckelt

Für Roppenecker sind Bitcoins eine Währung, die nicht inflationsanfällig ist. Das werde schon dadurch verhindert, dass es niemals mehr als die von den Entwicklern auf 21 Millionen begenzte Menge an Bitcoins geben könne. "Mein Vertrauen in die reale Währung ist gebröckelt", sagt Roppenecker. Er ist beunruhigt von Themen wie Börsencrash, Inflation und Währungskrise in Griechenland. "Ich mag das Zitat von Henry Ford: 'Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.'"

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Webweek Rhein-Main 2018

Die diesjährige Webweek Rhein-Main steht unter dem Motto "Die Zukunft fängt jetzt an" und dauert vom 21. bis 27. Mai. readitnow.info ist Medienpartner. Moderne Bastler oder "Maker" können sich bis 21. März , dem Highlight der Webweek. Dort präsentieren sich Maker, egal ob sie an Drohnen, 3D-Druckern, Robotern oder etwas ganz anderem basteln.
Die gleiche Frist gilt für Web-Pioniere, IT-Experten und Jungunternehmer. Sie können ihre Veranstaltung . Mitmachen können alle, die eine Community haben, die sich sowohl online als auch offline trifft und die sich irgendwo zwischen Darmstadt, Marburg, Mainz und Aschaffenburg befindet. Informationen gibt es unter www.make-rhein-main.de.
Die Maker-Messe "Make" findet am Wochenende des 26. und 27. Mai bei der Tatcraft GmbH, Gwinnerstraße 42, 60388 Frankfurt, statt. Weitere Informationen in der Telegram-Gruppe .

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