Trockener Edersee
Der Edersee hatte diesen Sommer besonders wenig Wasser - das belastet auch den Tourismus in der Region. Bild © picture-alliance/dpa

Ob Hotels, Campingplätze, Bootsverleiher oder Tauchschulen: Der Dauerniedrigpegel am Edersee hat der Tourismusbranche die Saison vermiest. Die Betriebe schlagen Alarm - und haben einen Hauptschuldigen ausgemacht.

Der niedrige Wasserstand im Edersee hat den Tourismusanbietern dort die Sommersaison verdorben. Man rechne in der Region mit einem Umsatzrückgang von 20 bis 30 Millionen Euro bei einem jährlichen Gesamtumsatz von rund 180 Millionen Euro, sagte Thomas Hennig von der Wassersportgemeinschaft Eder-Diemelsee. Das wäre bis zu ein Sechstel weniger.

Er habe bei etlichen Betrieben nach dem Saisongeschäft gefragt und daraus das voraussichtliche Minus errechnet, sagte Hennig am Montag zu readitnow.info: "Manche berichteten mir von 90 Prozent Einbußen." Besonders betroffen vom extrem niedrigen Wasserstand des Edersees in diesem Sommer seien die Fähren, die Fahrgastschifffahrt, Ruderbootverleihe und Tauch- und Surfschulen gewesen. In der Gastronomie rechne man mit durchschnittlich 20 Prozent weniger Umsatz.

"Viermal in zehn Jahren nicht zu verkraften"

Die Wassersportgemeinschaft Eder-Diemelsee vertritt unter anderem 10.000 Wassersportler, vier Segel- und Surfschulen, acht Bootsverleihbetriebe, 15 Campingplätze und 60 Hotel- und Gaststättenbetriebe. Auch aufgrund des ungewöhnlich regenarmen Winters und Frühjahrs fielen die Pegel am großen nordhessischen Stausee auf extrem unterdurchschnittliche Stände. "Das kann man mal verkraften, aber nicht viermal in zehn Jahren", sagte Hennig.

Die Hoffnungen ruhen jetzt auf einer Edersee-Konferenz im Frühjahr. Dabei sollen mit Vertretern der Bundesregierung und des Landes Hessen Wege gefunden werden, den Wasserstand im Edersee zu erhöhen.

Auf Notruf-Petition folgt Edersee-Konferenz

Thomas Hennig schreibt sich die geplante Konferenz als Erfolg der von ihm angestoßenen Petition "Rettet den Edersee!" auf die Fahnen. Um die 22.500 Menschen hätten sie unterschrieben, davon allein rund 15.000 aus Hessen. "Damit haben wir politischen Druck aufgebaut und hatten Treffen mit Verkehrsminister Al-Wazir, Ministerpräsident Bouffier und sogar Bundesverkehrsminister Dobrindt", sagte Hennig.

Edersee Fahrgastschiff
Fahrgastschiff auf dem Edersee. Bild © readitnow.info

Denn der Edersee mag für viele zuvorderst ein Ausflugsziel sein. Unter Verkehrsaspekten dient er vor allem dazu, mit seinem Wasser die Schifffahrt auf der Oberweser zu sichern. Nach Angaben von Hennig werden dazu pro Sekunde mindestens sechs Kubikmeter Wasser aus dem Staubecken abgegeben. Diese Mindestabgabe müsse um zwei bis vier Kubikmeter reduziert werden, fordern die Edersee-Anrainer.

Große Güterschiffe sollen Oberweser meiden

Zudem dürfe es keine sogenannten Wellenabgaben mehr geben, sagte Hennig. Das bedeutet, dass aus dem Edersee dann besonders viel Wasser in die Oberweser abgelassen wird, wenn dort ein Güterschiff mit großem Tiefgang verkehren soll. Für solche Schiffe fehle es dem Fluss schlicht an Tiefe.

"Diese Wellenabgabe verkürzt bei unseren Tourismusbetrieben die Saison um vier Wochen. Unser Ziel ist eine nachhaltige Lösung. Wir wollen, dass ungeeignete Schiffe von der Oberweser verschwinden", betonte Hennig. Die Interessen der Edersee-Anlieger müssten stärker berücksichtigt werden.

Sendung: hr-iNFO, 23.10.2017, 8.00 Uhr