Ministerpräsident Bouffier (re.) im eindringlichen Gespräch mit PSA-Generalsekretär Gregoire Olivier.
Ministerpräsident Bouffier (re.) im eindringlichen Gespräch mit PSA-Generalsekretär Grégoire Olivier. Bild © picture-alliance/dpa

Wo soll es unter der Führung von PSA hingehen für Opel und seine Mitarbeiter? Das wüsste auch Volker Bouffier gern. Der Ministerpräsident richtet ungewöhnlich harte Worte an die Franzosen.

Im Konflikt um die Sanierung der deutschen Opel-Werke hat Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) einen konkreten Zukunftsplan vom französischen Mutterkonzern PSA gefordert. "Wir möchten gerne wissen, wohin geht die Reise", sagte Bouffier am Mittwoch nach einem Treffen mit PSA-Generalsekretär Grégoire Olivier in Wiesbaden. "Wir wollen eine klare Zukunftsperspektive."

Er habe dem Spitzenmanager klargemacht, dass es ein nachhaltiges Interesse an der Standortsicherung am Stammsitz Rüsselsheim und den anderen deutschen Werken sowie einem Erhalt der Arbeitsplätze gebe, sagte Bouffier.

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Auch der Landtag setzt sich für Opel ein

In seiner Sitzung am Donnerstag hat sich der auch Landtag für den Erhalt der Arbeitsplätze bei Opel stark gemacht. Die Videos zur Debatte finden Sie hier.

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Es sei aber auch klar, dass bei einem Unternehmen, das jahrelang rote Zahlen schreibt, etwas geändert werden müsse. Dazu müsse es aber gemeinsame Absprachen geben, es dürfe "nicht in einer Art von Erpressung" laufen. "Das Vertrauen ist nachhaltig erschüttert", sagte Bouffier, "weil niemand genau weiß, was wollen die eigentlich."

Bouffier glaubt an Standort Rüsselsheim

Die Sanierungsverhandlungen für die deutschen Opel-Werke laufen bislang ohne erkennbare Annäherung zwischen PSA und der IG Metall. PSA-Chef Carlos Tavares erwartet auch keinen schnellen Abschluss. Besonders der Thüringer Opel-Standort Eisenach steht bei den geplanten Einsparungen im Fokus. Bouffier zeigte sich überzeugt, dass der hessische Standort Rüsselsheim mit seinem Entwicklungszentrum erhalten bleibt. Die Frage sei nur, in welcher Form. Zusagen zu Standorten oder Arbeitsplätzen habe es von französischer Seite noch immer nicht gegeben.

Der PSA-Konzern, zu dem auch die Marken Peugeot, Citroën und DS gehören, hatte Opel im vergangenen Sommer übernommen. Die Sanierung will der zweitgrößte Autokonzern Europas ohne betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen schaffen. Er verlangt aber von Opel Einsparungen für Investitionen in die deutschen Werke.

Mitarbeiter wandern in Scharen ab

Derweil scheint Opel mehr Mitarbeiter zu verlieren, als zunächst angepeilt. "Opel laufen wirklich die Leute weg", erklärte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug in der vergangenen Woche. Ihm zufolge werden mehr als 4.000 Beschäftigte das Unternehmen verlassen. Alleine am Entwicklungszentrum in Rüsselsheim hätten schon 2.000 Mitarbeiter Programme zum Vorruhestand oder zum freiwilligen Ausscheiden angenommen. Dort sollten aber eigentlich nur 1.200 Jobs wegfallen.

Die IG Metall verlangt bislang vergeblich einen verbindlichen, mit Zahlen unterlegten Produktionsplan für die deutschen Werke Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern. Der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber sprach im Zusammenhang mit dem Vorgehen des PSA-Konzerns und dessen Forderungen von den Arbeitnehmern ebenfalls von "Erpressung".

Die FDP-Fraktion im Landtag forderte am Mittwoch, die Politik müsse die Entwicklung von Opel konstruktiv begleiten. Wegen wegfallender Stellen in Rüsselsheim drohe "eine massive Schwächung des Industriestandorts Hessen".

Sendung: hr-iNFO, 25.4.2018, 14 Uhr