Collage aus Marktszene und Screenshot der Marktschwärmer-Seite
Online aussuchen, persönlich auf dem Markt abholen - so funktioniert das Prinzip von "Marktschwärmer". Bild © Marktschwärmer (Collage readitnow.info)

Woher kommt mein Essen? Diese Frage beschäftigt immer mehr Menschen. Hessische Bauern haben den Trend zu Regionalität und Transparanz erkannt. Sie schaffen sich neue Vermarktungswege.

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Wenn Dagmar Ochsenschläger dienstags auf ihrem Hof steht und auf den kleinen Markt blickt, den sie initiiert hat, ist sie zufrieden. "Es macht richtig Spaß und es ist immer schön, wenn man Kontakte knüpft. Das ist wie ein kleines Netzwerk."

Vor zwei Jahren hatte die Landwirtin aus Biblis auf einer Tagung von den "" gehört und war sofort begeistert vom Konzept. Unter dem Motto "Gib deinem Bauern die Hand" kombiniert Marktschwärmer Online-Shop und Bauernmarkt. Initiatoren wie Dagmar Ochsenschläger stellen eine Fläche zur Verfügung und werben Landwirte oder Manufakturen aus der Region an.

Im Internet entsteht dann ein digitaler Marktplatz, auf dem sich die Anbieter vorstellen und die Kunden Waren bestellen können. Diese bekommen sie allerdings nicht nach Hause geliefert, sondern holen sie einmal pro Woche auf einem extra dafür konzipertem kleinen Markt ab.

Wissen, woher das Produkt kommt

Ochsenschläger ist überzeugt, dass dieses Konzept den Nerv der Zeit trifft. "Die Kunden sagen mir oft, dass sie einfach wissen möchten, wo das Produkt herkommt. Das kann ihnen der Erzeuger hier direkt sagen, anders als im Supermarkt." Zu ihrem kleinen Markt kommen zwölf Anbieter, darunter ein Imker, mehrere Metzger und ein Weinbauer. Insgesamt stehen über 190 regionale Produkte zur Wahl. Auch sie selbst bietet hier die Produkte ihres kleinen Familienbetriebs an, der sich vor allem auf Freilandhühner und den Anbau alter Getreide- und Kartoffelsorten spezialisiert hat.

Auf einem Markt unterhalten sich Verkäufer und Kunden
Mit den Erzeugern ins Gespräch kommen ist ein wichtiger Punkt bei den "Marktschwärmern". Bild © Marktschwärmer

Das Projekt, das 2011 in Frankreich gestartet ist, findet auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Über 40 "Schwärmereien" gibt es bundesweit laut Angaben der Plattform, 75 weitere sind in Planung. In Hessen hat Dagmar Ochsenschläger den ersten Markt dieser Art organisiert, bald soll es auch in Bensheim und Linden diese neue Einkaufsmöglichkeit geben.

Profitabel sei es, zumindest für den Gastgeber, nicht unbedingt, sagt Ochsenschläger. "Man darf das nicht unter der der Prämisse sehen, viel Geld zu verdienen. Es muss einfach Spaß machen." Für die Anbieter hat es neben der Kundenbindung noch einen weiteren Vorteil: Anders als auf dem normalen Wochenmarkt wissen sie, welche Produkte sie in welchen Mengen einpacken müssen, da der Kunde sie vorab bestellt und bezahlt hat.

Gemüsebeet beim Bauern

Die Nähe zum Kunden steht auch bei dem Projekt "" im Mittelpunkt. Dabei können Hobbygärtner professionell bepflanzte Gemüsegärten von Bauern mieten. Pflege und Ernte sind dem Kunden überlassen, der Bauer steht bei Bedarf mit Tipps zur Seite. Buchen kann man den Garten online, dort wird auch jeder der Bauern ausführlich und mit Foto vorgestellt.

Weitere Informationen

Landwirtschaft in Hessen

16.300 landwirtschaftliche Betriebe zählte das statistische Landesamt im letzten Jahr, 1.500 weniger als bei der letzten Zählung 2010. Trotzdem scheint der Beruf "Landwirt" beliebter zu werden: 2015/2016 gab es 600 Azubis, doppelt so viele wie 20 Jahre vorher.

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Sven Kötter aus Frankfurt bietet dieses Konzept schon seit 2010 an. Über 20 Gemüsesorten sät er seitdem für die Kunden aus, wahlweise auf 45 oder 90 Quadratmetern. Er selbst hat einen kleinen Familienbetrieb und baut auf seinen Äckern vor allem Getreide und Kartoffeln an. "Mich hat es gereizt, das auszuprobieren, weil es ein neuer Weg ist Einkommen zu erzeugen und man den Stadtmenschen etwas Wissen über Gemüse und Ackerbau beibringen kann." Zwar wolle nicht jeder Kunde auch beraten werden, aber das Konzept habe sich für ihn bewährt und rentiere sich auch finanziell, sagt Kötter.

Ein Onlineshop für regionale Lebensmittel

Nicht von irgendwo, sondern von "nebenan" zu kaufen wird für viele Kunden immer wichtiger. "Es gibt definitiv einen Trend hin zu regionaler Vermarktung", sagt Bernd Weber vom hessischen Bauernverband. Dieser Trend werde sich weiter fortsetzen, prophezeit er - "wenn die Kunden weiter bereit sind, ein bisschen mehr Geld für Lebensmittel in die Hand zu nehmen." Denn die Produkte direkt zu vertreiben, sei nun mal mehr Aufwand und damit meist teurer.

Zu erfahren, wo der Salat gewachsen ist oder die Kuh geweidet hat – damit wirbt auch die Plattform . Landwirte und Erzeuger können in einer Art Online-Shop ihre Produkte anbieten, so dass der Kunde genau weiß, von welchem Hof er seine Lebensmittel kauft. Bisher sind hier nur Landwirte aus Norddeutschland vertreten, aber ab Mai sollen Angebote aus ganz Deutschland zu finden sein, sagt Gründerin Julia Köhn. "Der ein oder andere Weinbauer aus Hessen hat sich schon bei uns gemeldet und Interesse bekundet." Anders als bei den Marktschwärmern werden die Produkte nach der Bestellung aber nicht direkt vom Erzeuger an den Kunden übergeben, sondern mit einem Lieferdienst ausgefahren.

"Alles gut, was Bauern hilft"

"Onlinevermarktung in fast allen Bereichen ein riesen Thema. Und so gibt es auch im landwirtschaftlichen Umfeld den ein oder anderen Ansatz," fasst Bernd Weber zusammen. "Für uns als Verband ist alles gut, was den Bauern hilft und wo sie Produkte gut vermarkten können." Wichtig sei, dass die Verbraucher diesen Weg auch mitgehen und dass auch finanziell etwas hängen bleibe.

Auch wenn das bei der Marktschwärmerei von Dagmar Ochsenschläger noch nicht der Fall ist, hält sie trotzdem an dem Konzept fest - zumindest als zusätzlicher Weg um ihre Produkte anzubieten.