Kombo Silges
In Silges wird Bienchen, Blümchen und Verliebten einiges geboten. Bild © readitnow.info

Im osthessischen Silges dürfen sich Insekten richtig austoben. Es schwirrt und summt an allen Ecken, selbst für die Schmetterlinge im Bauch ist gesorgt. Unser Innovations-Check.

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Innovative Orte in ganz Hessen machen den Alltag ihrer Bewohner mit ausgefallenen Ideen lebenswerter und könnten damit vielen als Vorbild dienen. readitnow.info und readitnow waren im ganzen Bundesland unterwegs und haben dabei unter anderem eine wasserstoffbetriebene Chipstüte und die kleinste Großstadt Hessens entdeckt. Immer mit dabei: Umwelttipps für Jedermann. Heute im Innovations-Check: Silges (Fulda).

Ortsbesuch: Silges

Ein kleiner Fußballplatz in der Dorfmitte, eine Kirmeshalle in unmittelbarer Nähe. Es gibt Rhönschafe, allerlei Landwirtschaft und viel Ruhe. Im Nüsttaler Ortsteil Silges (Fulda) geht es beschaulich zu. Die 390 Einwohner leben in nett anzusehenden Fachwerk- oder Einfamilienhäusern, rund um das Dorf blüht und gedeiht die waldreiche Landschaft der Vorderrhön. Naturliebhaber kommen im Herzen des Hünfelder Landes voll auf ihre Kosten, und ein paar Extras gibt es noch gratis oben drauf.

Blümchen für Bienchen

Denn der kleine osthessische Ort hat sich das Wohl der Allerkleinsten auf die Fahne geschrieben: Mit der Initiative "Silges summt" soll das Insektensterben gestoppt und eine artenreiche Heimat gesichert werden. Auf summa summarum fünf wild wuchernden Blumenwiesen dürfen Bienen, Käfer und Schmetterlinge nach Herzenslust bestäuben, flattern und kriechen. "Wir haben Blühflächen gesät und bieten den Insekten so einen Rückzugsort", erklärt Imker Markus Lauer, der das Projekt seit 2016 begleitet und im April dieses Jahres die ersten Samen-Mischungen verstreut hat.

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readitnow auf Sommertour

Die readitnow sendet am 4. August um 19.30 Uhr live aus Silges.

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Inzwischen tummeln sich die Insekten auf rund zwei Hektar, vom bundesweiten Bestandsrückgang von knapp 80 Prozent ist in Silges nichts zu spüren. "Wir sind ein insektenfreundliches Dorf", unterstreicht Ortsvorsteher Arnold Will, der sich als Rhön-Ranger seit Jahren für den Erhalt von Flora und Fauna einsetzt und mit den Blühwiesen nun einen innovativen Weg zur Insekten-Integration gefunden hat. "Er hat die Schafe hierher gebracht, Feuchtbiotope angelegt und einen Wildbeobachtungsturm gebaut. Das fehlte noch in der Sammlung", so Lauer.

In unmittelbarer Nähe der Kirche bietet Silges den kleinen Bewohnern zudem noch einen besonderen Service. Im sogenannten Insektenhotel können sich Hummeln, Bienen und Co. je nach Vorliebe niederlassen und nisten. Es muss ja auch Nachwuchs geben.

Bienen-Volk für junge Imker

Ein Satz, der für Bienen wie Imker gleichermaßen gilt. Denn während die Wildbienen in Silges seit rund drei Monaten fast paradiesische Zustände vorfinden, darf es auch den Honigbienen an nichts fehlen. Heißt: Die professionelle Betreuung der Nektarsammler soll auch für die Zukunft gesichert werden. Imker-Talente müssen her. "Wir haben uns deshalb überlegt, wie wir Jung-Imker begeistern können", so Will. Nach Feierabend an den Bienenstock statt auf die Couch. Wie kann das funktionieren?

Die mögliche Lösung: Silges bietet Interessierten einen Schnupperkurs inklusive Ausrüstung zum Nulltarif. "Wir haben die Materialien angeschafft und geben nun unser Wissen weiter", erklärt Profi-Imker Lauer, der seit Beginn der Initiative bereits vier Bewerber gewinnen und für die Imkerei begeistern konnte. Als besonderes Goodie gibt es das erste Bienenvolk, das anfangs aus mindestens 6.000 und im Laufe der Zeit aus bis zu 40.000 Bienen besteht, gratis dazu. "Nur die Arbeit, die müssen sie dann natürlich selbst verrichten und das Erlernte umsetzen", so Lauer. Der eigene Honig darf behalten werden.

Ein Imker der jüngeren Garde, der diesem Hobby schon etwas länger verfallen ist, ist Pascal Meister. Der 28-Jährige ist inzwischen Herr über gleich mehrere Bienenvölker und absolut begeistert von seinen Haustieren und dem doppelten Engagement seines Heimatdorfes. "Wir betreuen die Honigbienen. Und die Wildbienen, um die sich kein Imker kümmert, haben die Blühwiesen. So etwas gibt es wohl nur in Silges."

Freier Blick für Romantiker

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, das sich aus dem pfleglichen Umgang mit den Insekten ergibt, ist die Ernennung Silges' zum ersten Sternendorf Hessens. Was das ist und wie man das wird? Im Zuge des Projektes "Silges summt" wurden alle 32 im Dorf stehenden Straßenlaternen umgerüstet und mit LED-Lampen ausgestattet. Die Folge: Das Licht strahlt nicht mehr aus und zieht keine Mücken mehr an, die Lichtverschmutzung wurde deutlich reduziert. Im Dunkeln ist Silges von oben quasi unsichtbar. "Wir haben weniger Energiekosten, insektenfreundliches Licht und werden beim Blick in den Nachthimmel nicht mehr geblendet", erklärt Lauer.

Silges
Silges mit herkömmlichen (li) und modernen Laternen. Bild © Marco Hanke

Während die Sicht zum Horizont andernorts von jeder Menge Lichtquellen geblendet wird, können Sternenanbeter in Silges ungestört den großen Wagen oder die Milchstraße suchen. Für Heiratsanträge oder Nächte unter freiem Sternenhimmel wäre der Ort also auch bestens geeignet, so Lauer: "Wir haben am Waldrand sogar einige schöne Bänke, von denen aus man besonders gut sieht. Jeder ist herzlich eingeladen, das mal auszuprobieren." Zum Frühstück könnte dann frischer Honig gereicht werden.

Das finden wir gut

Den Insekten helfen, Energie sparen und nebenbei Amor unterstützen. In Silges geht das Hand in Hand. 390 Einwohner bieten vielen tausend Insekten ein Zuhause und setzen sich für Nachhaltigkeit ein. Es muss nicht immer spektakulär sein, Silges beweist das.

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