Reisegepäck von Fluggästen wird auf einem Flughafen auf die Gepäckbänder gelegt.
Die Mitarbeiter des Bodendienstleisters Acciona kritisieren ihren Gewerkschaftsvertreter. Bild © picture-alliance/dpa

Noch ist offen, ob Acciona die Bodendienste am Airport Frankfurt an den Konkurrenten Wisag abgeben muss. Trotzdem handelt Verdi bereits Bedingungen für eine Mitarbeiterübernahme aus. Der Acciona-Betriebsrat spricht von einem "Alleingang". Verdi weist das zurück.

Die Verdi-Betriebsräte beim Flughafen-Dienstleister Acciona fühlen sich von der eigenen Gewerkschaft verraten. "Wir können nicht mit jemandem arbeiten, der nicht verlässlich ist", sagte Behrad Ghofrani gegenüber readitnow.info. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende kritisiert Verdi-Verhandlungsführer Ronald Laubrock. Dieser habe mit dem Konkurrenzunternehmen Wisag bereits Bedingungen für eine Mitarbeiterübernahme verhandelt, obwohl die nach Ansicht der Acciona-Mitarbeiter noch gar nicht notwendig seien.

Lizenzübergabe noch nicht rechtssicher

Bei dem Streit geht es darum, welcher Dienstleister künftig ein Fünftel der Bodendienste am Frankfurter Flughafen erledigt. Seit 18 Jahren säubern, schleppen und beladen 1.300 Mitarbeiter des spanischen Mischkonzerns Acciona die großen Airlines abseits der Lufthansa.

Im Frühjahr 2017 vergab das hessische Verkehrs- und Wirtschaftsministerium diese Lizenz neu an den Konkurrenten Wisag. Dagegen jedoch hat Acciona beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel geklagt (Aktenzeichen 9C 1632/17/T). Damit ist die Vergabe mindestens bis zur richterlichen Entscheidung über einen Sofortvollzug der Lizenzübergabe (Aktenzeichen 9B 1789/17/T) aufgeschoben.

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Bodendienste am Frankfurter Flughafen

Das Europäische Recht schreibt vor, dass Flughafen-Bodendienste von mindestens zwei Unternehmen angeboten werden müssen. Das erste Unternehmen am Frankfurter Flughafen ist traditionell die Fraport AG. Die Lizenz für das zweite Unternehmen wird alle sieben Jahre vom hessischen Verkehrs- und Wirtschaftsministerium europaweit neu ausgeschrieben und vergeben.

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Trotz der aufgeschobenen Lizenzvergabe hat Verdi-Verhandlungsführer Laubrock bereits jetzt mit der Wisag einen Anerkennungstarifvertrag für die Acciona-Mitarbeiter verhandelt. Dieser soll es Acciona-Mitarbeitern ermöglichen, schnell und unkompliziert zu ihren aktuellen Tarifkonditionen zur Wisag zu wechseln.

Verdi-Mitglieder: "Wir verstehen die Eile nicht"

Vorfeld des Frankfurter Flughafens
Alle sieben Jahre neu: die Lizenz für Bodendienste am Frankfurter Flughafen Bild © picture-alliance/dpa

"Das war ein Alleingang des Herrn Laubrock und wir verstehen die Eile nicht", sagte Betriebsrat Ghofrani. Die Verdi-Mitglieder bei Acciona hätten Laubrock gebeten, die Gerichtsentscheidung abzuwarten. "Doch Laubrock wollte uns nicht sagen, warum es so schnell gehen muss. Er hat nur gesagt, dass die Wisag mit dem Anerkennungstarifvertrag bereits jetzt eigene Kunden für die Übernahme der Bodendienste gewinnen möchte."

Hat Verdi damit vollendete Tatsachen geschaffen? Verdi-Sprecherin Ute Fritzel weist die Vorwürfe zurück: "Die Gewerkschaft hat das Recht zu gestalten und die Gewerkschaft geht davon aus, dass die Wisag im November die Bodendienste von Acciona übernimmt", erklärte Fritzel gegenüber readitnow.info. In dieser sei entschieden worden, dass der Anerkennungstarifvertrag das Beste für die Accciona-Mitarbeiter ist. So wolle Laubrock verhindern, "dass die Wisag ein unsozialer Arbeitgeber wird".

Wisag lobt Zusammenarbeit mit Verdi und spricht mit Arbeitnehmern

In Berlin ist die Wisag bereits Bodendienstleister
In Berlin ist die Wisag bereits Bodendienstleister Bild © picture-alliance/dpa

Die Wisag lobt Laubrock für die gute Zusammenarbeit: "Die Acciona verliert die Lizenz und die Wisag braucht die Leute. Es ist ganz normal, dass die Belegschaft bei einer Lizenzübergabe mitwechselt", sagte eine Wisag-Sprecherin. Wisag möchte einen reibungslosen Wechsel der Mitarbeiter, um pünktlich anzufangen. "Mit dem Anerkennungstarifvertrag brauchen die Mitarbeiter keine Sorgen mehr haben. Sie können direkt wechseln. Wir sprechen auch schon mit den Arbeitnehmern, weil sie sehen, dass sie zur Wisag wechseln können.“

Verdi-Mitglieder kämpfen weiter

Das sehen die Verdi-Mitglieder bei Acciona ganz anders. "Der Anerkennungstarifvertrag ist gegen unseren Willen zustande gekommen", so Betriebsrat Ghofrani. "Wir haben das Vertrauen in unseren Gewerkschaftsvertreter verloren."

Jetzt ergreifen die verdi-Mitglieder bei Acciona wieder selbst die Initiative. Die Justiz sei ihre letzte Hoffnung, sagen sie. Deswegen demonstrierten einige von ihnen am Donnerstag vor dem VGH in Kassel für den Verbleib der Bodendienste bei Acciona.

Acciona-Mitarbeiter demonstrieren in Kassel
Acciona-Mitarbeiter demonstrieren in Kassel Bild © Acciona-Betriebsrat