Sujet: Opel
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Hat auch der Rüsselsheimer Autohersteller Opel bei den Abgaswerten von Dieselmodellen gepfuscht? Noch prüft das Kraftfahrtbundesamt den Verdacht. Ein Insignia-Käufer will aber nicht länger warten.

Eine Anwaltskanzlei aus Baden-Württemberg hat für einen Mandanten gegen den Opel-Konzern Klage vor dem Amtsgericht Offenburg eingereicht. Es gehe um den Verdacht der Abgasmanipulation, teilte die Kanzlei am Donnerstag mit.

Es handele sich um die bundesweit erste Schadensersatzklage gegen Opel wegen des Verdachts der Abgasmanipulation. Der von der Kanzlei vertretene Kunde habe im vergangenen Jahr einen Opel Insignia Diesel mit AdBlue-Tank gekauft. Später habe er davon erfahren, dass gegen Opel eine amtliche Anhörung laufe.

Nur auf dem Prüfstand okay?

Der Mann werfe dem Unternehmen vor, das Fahrzeug so manipuliert zu haben, dass die gesetzlichen Abgaswerte nur auf dem Prüfstand eingehalten werden können. Opel soll sich wegen einer vorsätzlichen sittenwidrigen Schädigung und eines Verstoßes gegen EU-Recht verantworten.

Auch gegen den Händler, der den Insignia verkaufte, reichte die Kanzlei nach eigenen Angaben Klage ein. Von ihm sieht sich der Käufer arglistig getäuscht. Der Händler soll daher den Wagen zurücknehmen und den Kaufpreis in Höhe von rund 20.000 Euro erstatten - abzüglich eines Betrags für die bisherige Nutzung des Fahrzeugs.

Opel: "Keine unerlaubte Funktionen"

Ein Unternehmenssprecher wies die Vorwürfe zurück. "Opel-Fahrzeuge verfügen über keine unzulässigen Funktionen und erfüllen alle gesetzlichen Vorgaben", sagte er am Donnerstag. Und noch laufe die Untersuchung beim Kraftfahrtbundesamtes ja.

Seit August 2016 sorge zudem eine neue Software in allen neuen Dieselmodellen für eine erheblich verbesserte Steuerung bei der Reduktion von Stickoxiden. Für Fahrzeuge verschiedener ältere Modelle des Zeitraums 2013 bis 2016 habe das Unternehmen eine freiwillige Update-Aktion gestartet. Beim Insignia 2.0, wie ihn auch der klagende Kunde fährt, sind laut Unternehmen inzwischen mehr als 80 Prozent mit der neuen Abgas-Steuerung ausgestattet.

Amtliche Untersuchung läuft

Das Bundesverkehrsministerium hatte Mitte Juli bestätigt, dass es gegen Opel eine amtliche Anhörung des Kraftfahrtbundesamts gebe. Es gehe um drei Euro-6-Dieselmodelle. Insignia, Zafira und Cascada sollen betroffen sein. Bevor das Ergebnis feststehe, könne aber nichts dazu gesagt werden, ob die Abschalteinrichtung unzulässig sei, hieß es.

Anders als andere Konkurrenten war Opel zuvor nicht in den Dieselskandal verwickelt. Es kam auch noch zu keinem Pflicht-Rückruf. Erste Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt waren vor mehr als einem Jahr eingestellt worden. VW dagegen hatte 2015 eingeräumt, bei Millionen von Dieselautos Abgastests manipuliert zu haben. Der Konzern stürzte daraufhin in eine schwere Krise. Die Kanzlei, die nun für den Opel-Käufer klagt, vertritt bereits zahlreiche Kunden in der Auseinandersetzung mit dem VW-Konzern.

Sendung: hr-iNFO, 08.08.2018, 18.00 Uhr