Blühende Sträucher am Frankfurter Flughafen.
Blühende Sträucher am Frankfurter Flughafen. Bild © picture-alliance/dpa

Trotz Lärms und Betonpisten: Am Frankfurter Flughafen haben sich viele Arten der Pflanzen- und Tierwelt angesiedelt. Manche Tiere sind willkommen, andere werden hartnäckig vergrault - oder vom Jumbo überrollt.

Der Ginster blüht, eine Feldlerche singt, ein Maikäfer fliegt vorbei - die Szene erinnert an einen Besuch in idyllischer Natur. Doch dann rast auf der Startbahn in nur rund hundert Metern Entfernung ein Airbus A380 heran und erhebt sich unter ohrenbetäubendem Lärm in die Luft.

Ortstermin auf dem Frankfurter Flughafen unter ungewöhnlicher Überschrift: Betreiber Fraport hat zur "Biodiversitäts-Rundfahrt" geladen. Biologe Jürgen Ebert führt im Bus über das 23 Quadratkilometer große Gelände. Mehr als 475.000 Starts und Landungen jährlich wickelt der Flughafenbetreiber darauf ab. Dennoch gebe es dort seltene Arten aus der Pflanzen- und Tierwelt, berichtet Ebert. Er gehört zum vierköpfigen "Wildlife Control Team" des Airports.

Feldlerche ignoriert Lärm offenbar

Die Feldlerche etwa sei ein Vogel, der sich meist nah am Boden aufhalte und deshalb den Flugzeugen nicht ins Gehege komme, sagt Ebert. Um die 300 Brutpaare gebe es auf dem Areal und damit eine der größten Populationen im europäischen Binnenland. Empfindlich auf Fluglärm scheinen die Vögel nicht zu reagieren. "Meine Interpretation ist, dass das Futter- und Brutangebot hier so interessant ist, dass der Lärm in den Hintergrund tritt", sagt Ebert.

Mit dem Steinschmätzer brüte am Flughafen auch eine in Deutschland vom Aussterben bedrohte Vogelart. Neben der Fauna hat seinen Angaben zufolge auch die Flora einige Exemplare zu bieten, die anderswo selten geworden sind: Vier Ginsterarten zählt Ebert auf, dazu die Heide-Nelke, Becherflechten sowie Filzkraut.

Krähen zählen zu den ungebetenen Gästen

Doch es gibt auch ungebetene Gäste auf dem Vorfeld, wie etwa Saatkrähen. Für sie werden eigens mobile Lautsprecheranlagen in Alukästen betrieben, die alle 15 Minuten einen artspezifischen Warnruf aussenden, um die Tiere zu verscheuchen. Auch mit Laserlicht und Schreckschusspistolen wird versucht, diese und andere Vögel zu vergrämen, damit sie nicht in die Nähe der Flugzeuge geraten.

Rund 300 Kollisionen zwischen Vögeln und Flugzeugen gibt es pro Jahr in Frankfurt. Schaden entstehe zwar nur in den allerwenigsten Fällen. Vogelschlag sei aber potenziell eine große Gefahr für den Luftverkehr, sagt Biologe Ebert. Notfalls packe er das Jagdgewehr aus.

Füchse sind willkommen

Fern gehalten werden müssten auch Greifvögel wie etwa Turmfalken sowie Gänse, Tauben und Stare. Aus diesem Grund sind beispielsweise Füchse sehr willkommen, für sie wurden sogar eigens fünf künstliche Höhlen eingerichtet. Denn Füchse essen Mäuse, die Greifvögel anlocken würden, wenn sie sich in großer Zahl breit machten. Reiche das nicht aus, werde Mäusegift ausgelegt.

"Wir versuchen, den Lebensraum so unattraktiv wie möglich zu gestalten", berichtet Ebert. Es gibt auch ungefiederte Tiere, die große Störungen verursachen können: Feldhasen beispielsweise. Hoppeln sie auf eine Bahn und werden überfahren, muss die Strecke gesperrt und das tote Tier entfernt werden. "Es könnte sonst von einem Triebwerk eingesaugt werden", sagt der Biologe. 15 Kollisionen zwischen Hase und Flugzeug wurden 2017 registriert.

Naturschützer sind skeptisch

"Biodiversität am Flughafen" - bei Umwelt- und Naturschützern ruft der Titel der Rundfahrt, die zwei Mal pro Jahr angeboten wird, zwiespältige Gefühle hervor. "Biodiversität an sich ist überall, die Frage ist nur, in welcher Qualität liegt sie vor", sagt Thomas Norgall vom BUND Hessen. Am Flughafen gebe es wichtige Pflanzen und Tiere, die an anderen Orten keinen Raum mehr fänden, und es sei gut, dass es sie gebe. Doch unter dem Strich könne der Flughafen damit nicht den Schaden ausgleichen, den sein Ausbau verursacht habe.

Denn dabei seien Wälder und Schutzgebiete zerstört worden, sagt Norgall. Der Flughafen sei mit seiner Entwicklung "ein ganz klarer Minusfaktor für den Naturhaushalt im Rhein-Main-Gebiet". Deshalb fordere der BUND gemeinsam mit anderen Verbänden, Vereinen und Initiativen seit langem einen Ausbaustopp.