Roland Koch
Roland Koch war von 2011 bis 2014 Vorstandsvorsitzender von Bilfinger Bild © picture-alliance/dpa

Der kriselnde Industriedienstleister Bilfinger will Schadenersatz von Ex-Vorständen fordern. Betroffen ist auch der frühere hessische Ministerpräsident Koch. Der reagierte "mit Befremden".

Es geht um Korruption und Geldverschwendung beim Industriedienstleister Bilfinger. Der Konzern will Schadenersatz von ehemaligen Vorstandsvorsitzenden fordern. Im Raum steht eine dreistellige Millionensumme.

Die Vorwürfe richten sich auch gegen den früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Bilfinger gab am Dienstag in Mannheim bekannt, dass der Aufsichtsrat beschlossen habe, Schadensersatz von allen Vorstandsmitgliedern zu verlangen, die zwischen 2006 und 2015 amtierten. Ihnen würden Pflichtverletzungen vorgeworfen, wie es in einer Pflichtmitteilung an die Börse heißt.

Der Aufsichtsrat habe seine Entscheidung "als Ergebnis seiner im März 2016 eingeleiteten Untersuchung" getroffen. Die fraglichen Vorgänge fallen neben Koch auch in die Amtszeiten des Vorstandsvorsitzenden Herbert Bodner (1999 bis 2011 sowie 2014/15).

"Sehenden Auges in die Probleme gegangen"

Bei Bilfinger waren in den vergangenen Jahren immer wieder Korruptionsaffären ans Licht gekommen. Zum Beispiel soll rund um die Fußball-WM in Brasilien Schmiergeld gezahlt worden sein. 2014 verkaufte Bilfinger sein traditionsreiches Baugeschäft an ein Schweizer Unternehmen.

Wie hoch die Schadenersatzansprüche sind und ob sie tatsächlich durchgesetzt werden können, ist laut Bilfinger noch unklar. Auch was den Managern im Einzelnen vorgeworfen wird, teilte das Unternehmen noch nicht mit. Sie hätten nicht genug unternommen, um Regelverstöße im Unternehmen zu verhindern. Zudem habe es Probleme bei Übernahmen und Fusionen gegen.

"Der Verdacht liegt nahe, dass die kein System hatten und sehenden Auges in die Probleme reingegangen sind", hieß es mit Blick auf die Ex-Vorstände. In dem genannten Zeitraum waren insgesamt zwölf Manager als Vorstände für Bilfinger tätig. Koch war von 2011 bis 2014 Chef bei Bilfinger.

Koch: Keinen einzigen Vorwurf erhoben

Der frühere hessische Ministerpräsident reagierte "mit Befremden" auf die Vorwürfe "gegen ganze Generationen von früheren Bilfinger-Vorständen". Der CDU-Politiker sei sich keinerlei Schuld bewusst, sagte sein Sprecher. Das Unternehmen habe über dreieinhalb Jahre hinweg keinen einzigen konkreten Vorwurf erhoben. Von Bodner gab es zunächst keine Stellungnahme.

Den verursachten Schaden bezifferte Bilfinger nach vorläufigen Berechnungen auf einen "niedrigen dreistelligen" Millionenbetrag. Koch hatte Bilfinger 2014 nach mehreren Gewinnwarnungen verlassen. Er begründete dies auch mit Differenzen mit dem Aufsichtsrat.

Bilfinger steht seit 2014 unter Aufsicht durch das US-Justizministerium. Die inzwischen verkaufte Bilfinger-Tochter Julius Berger war bei einem Pipeline-Projekt in Nigeria in einen Korruptionsfall verwickelt, der erst 2010 aufgedeckt wurde. Das Unternehmen musste 2013 eine Strafe von 32 Millionen US-Dollar zahlen und eine Überwachung seines Compliance-Systems hinnehmen, das solche Fälle verhindern soll.

Sendung: hr-iNFO, 20.02.2018, 17.00 Uhr