Das Chemie-Unternehmen Solvadis am Gernsheimer Hafen.
Der Chemikalien-Lieferant Solvadis am Gernsheimer Hafen. Bild © Bürger in Acht

Der Chemikalien-Lieferant Solvadis will sein Tanklager im Gernsheimer Hafen massiv erweitern. Dagegen wehren sich die Anwohner. Sie fürchten um ihre Sicherheit.

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Vor ein paar Wochen hat ein Getreidesilo am Gernsheimer Hafen gebrannt. Die Feuerwehr konnte das Feuer ohne Probleme löschen. Aber bei Julia Schüler von der Initiative "" hat es Erinnerungen geweckt – an einen länger zurückliegenden Vorfall im Chemikalien-Lager. Das liegt, von den Schülers aus gesehen, gleich auf der anderen Straßenseite.

"Ich habe selbst erlebt, wie 1994 der Blitz eingeschlagen hat in einen dieser Tanks. Und wie der Deckel weggeflogen ist und das ganze Ding in Brand stand", sagt Schüler. "Wir standen wirklich kurz vor einer Katastrophe." Diese Angst stecke ihr immer noch in den Knochen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Solvadis will am Rheinhafen neue Tanks aufstellen

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Bei der Vorstellung, dass der Chemikalien-Händler Solvadis in dem Rheinhafen neue Tanks aufstellt, wird ihr entsprechend mulmig: "Wenn ich daran denke, dass hier eine Erweiterung über 70 Prozent stattfinden soll, dann ist das auch eine Erweiterung von Gefahr."

Nachbarn leben knapp 30 Meter entfernt

Die Firma Solvadis will ihre Lagerkapazität im Gernsheimer Hafen, der gerade mit Millionenaufwand ausgebaut wird, massiv erhöhen. Fünf neue Behälter, jeder fasst 2.500 Kubikmeter. Das Tanklager ist ein so genannter Störfallbetrieb. Was dort gelagert wird, ist potenziell gefährlich.

Die Häuser sind keine 30 Meter von Solvadis entfernt.
Die Häuser der Anwohner sind keine 30 Meter von Solvadis entfernt. Bild © Bürger in Acht

Wenn man so einen Betrieb heutzutage neu errichtet, sorgen strenge Richtlinien dafür, dass niemand nebenan wohnt. Aber das Gernsheimer Tanklager gibt es schon lange. Und die ersten Nachbarn leben nicht mal 30 Meter entfernt.

Regierungspräsidium entscheidet

Ob das neue Tankfeld errichtet werden darf, entscheidet jetzt das Regierungspräsidium Darmstadt. Dieses kennt das Problem. Es sei durch "entsprechende Berechnungen und eventuell auch Gutachten der Nachweis zu führen, dass trotz geringerer Abstände die Sicherheit der Nachbarn im Störfall gewährleistet ist", teilt die Behörde mit.

Solvadis verspricht derweil, beim Ausbau in Sachen Sicherheit und Umweltverträglichkeit höchste Maßstäbe anzulegen. "Der Schutz des Menschen und der Umwelt steht bei Solvadis klar im Vordergrund", teil der Chemielieferant mit. Dies stelle man durch permanente Investitionen sicher.

Nachbarn wehren sich

Die Anwohner, die sich in der Initiative "Bürger in Acht" organisiert haben, bezweifeln das. Nach ihrer Auffassung sind viele Sicherheitsfragen ungeklärt. Sie befürchten, dass die Substanzen, die gelagert werden sollen, giftig, hochentzündlich und umweltgefährdend sind.

Das Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium Darmstadt kommt derweil nur mühsam voran. Ein Umweltverband hat im Antrag etliche Mängel gefunden. Solvadis muss seine Unterlagen überarbeiten. Auch bei der Behörde gab es offenbar ein Umdenken. Erst hielt sie eine Umweltverträglichkeitsprüfung für verzichtbar. Nun soll vielleicht doch geprüft werden.

SPD-Abgeordneter hält Lager-Ausbau für inakzeptabel

Die Prüfung sei den Anwohnern zu verdanken, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Gerald Kummer. "Möglicherweise gab es eine Fehleinschätzung im Vorfeld, was die Brisanz anbelangt. Da sind ja einige Unterlagen, die jetzt noch nachgereicht werden müssen." Kummer hält den Ausbau des Chemikalien-Lagers für inakzeptabel. Wann darüber entschieden wird, kann man im Regierungspräsidium derzeit nicht absehen.

Die Anwohner wollen weiter kämpfen. Man wolle noch viele Menschen überzeugen, sagt Anwohnerin Schüler. "Damit Gernsheim ein bewohnbarer, schöner Ort bleibt."