Kinderherzzentrum Gießen
Auch für Kinderherzen gibt Herzschrittmacher und Defibrillatoren. Bild © hr

Auch für Kinderherzen, selbst für die neu oder gar zu früh geborenen Babys, gibt es ein ganzes Sortiment an Hilfsmitteln, ähnlich wie bei Erwachsenen. Schon verengte Venen eines Babys können während einer Herzkatheteruntersuchung mit einem Ballon geweitet werden. Auch Stents setzen die Geißener Kinderkardiologen schon bei den Kleinsten.

In der Kinderherzchirurgie werden verschiedene Defekte operativ behoben oder wenigstens in ihren Auswirkungen gemildert. So können die Kinderherzchirurgen vorhandene Herzklappen in ihrer Position korrigieren und Löcher in der Herzscheidewand schließen. Damit wird dann eine bessere Trennung von sauerstoffarmem und sauerstoffreichem Blut ermöglicht. Manchmal sind auch die großen Gefäße im Körper eines kleinen Herzpatienten quasi vertauscht. Lungen und- Hauptschlagader können vertauscht sein und müssen dann operativ umgeleitet werden. Es gibt Herzschrittmacher und Defibrillatoren auch für Kinder.

Gute Überlebenschance bei Transplantationen

Die Liste der angeborenen Herzfehler ist lang und oftmals besteht die Diagnose aus mehreren miteinander kombinierten Fehlentwicklungen des Herzens. Dass Herzkinder mehrmals operiert werden müssen, kommt daher sehr häufig vor und stellt eine schwere Belastung für die ganze Familie und ihr Umfeld dar.

Manche angeborenen Herzfehler sind so gravierend, die Herzen so schwach oder "insuffizient", dass die Ärzte abklären, ob das Kind für eine Transplantation in Frage kommt. In Gießen werden pro Jahr bis zu 16 Kinderherzen transplantiert. Eine Technik, die 1967 das erste Mal angewandt wurde. Transplant-Kinder aus Gießen haben eine sehr gute Überlebenschance. Statistisch betrachtet, liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit der Patienten zehn Jahre nach der Transplantation bei 78 Prozent, nach 20 Jahren noch bei circa 74 Prozent. Damit ist sie höher als in vergleichbaren internationalen Zahlen.

Schwere Belastung für Kinder und Angehörige

Doch bis zur Transplantation vergehen oft quälend lange Wochen, Monate oder Jahre. Manche Kinder sterben, bevor ein Spenderherz für sie gefunden wurde. Nicht selten reagieren Familienangehörige mit Aggression oder Depression oder sie entwickeln eine posttraumatische Belastungsstörung, nachdem der schlimmste Stress überstanden scheint. Es ist normal, dass zwischendrin Wut in den Eltern aufsteigt über die schwere Erkrankung, die ausgerechnet ihr Kind getroffen hat.

Auch hinterlässt der lange Aufenthalt in der Klinik seine Spuren in der Psyche von Kindern. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder, die monatelang in der Klinik bleiben müssen, entwickeln sich langsamer und anders als sie es zuhause tun würden. Entscheiden sich die Eltern, dass ein Elternteil beim Kind in der Klinik bleibt, gerät auch das Leben zuhause aus dem Takt, weil dort eben genau die Mutter oder der Vater fehlt. Weil das Umfeld von Familien mit herzkranken Kindern oft nicht genügend Verständnis für die andauernde Ausnahmesituation der Betroffenen aufbringt, gibt es besondere Kur- und Therapieangebote und Selbsthilfegruppen.

Autorin: Birgit Sommer

Sendung: hr-fernsehen, "readitnow", 01. bis 05.01.2018, 19:30 Uhr