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Tony Martin übt harsche Kritik an Froomes-Tour-Teilnahme. Bild © Imago

Christopher Froome darf trotz Dopingverdachts bei der Tour de France an den Start gehen. Tony Martin hat dafür nur begrenzt Verständnis und findet vor der ersten Etappe deutliche Worte. Diplomatischer zeigte sich John Degenkolb.

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Mit gellenden Pfiffen und gesenkten Daumen ist Chris Froome am Donnerstag bei der Team-Präsentation zur 105. Tour de France in Roche-sur-Yon empfangen worden. Und die Fans der Frankreich-Rundfahrt sind nicht die einzigen, für die auch nach dem offiziellen Schlussstrich unter die Salbutamol-Affäre um Froome ein bitter Beigeschmack bleibt.

"Er hat unter Dopingverdacht stehend den Giro d'Italia gewonnen, eines der größten Radrennen der Welt. Wir machen uns ja im Radsport komplett lachhaft und unglaubwürdig", sagt der Eschborner Tony Martin vor dem Tourstart. Der Radsport habe durch den Fall Froome "definitiv" Schaden genommen: "Dadurch wird ein Schatten auf der ganzen Tour liegen, wahrscheinlich auch über jedem Rennen, bei dem Froome künftig starten wird." Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Freitag) wurde er sogar noch deutlicher. "Es ist eine Schande für den Sport allgemein. Absolut unverständlich, dass so etwas möglich ist.“

Diplomatischer Degenkolb

Diplomatischer äußerte sich John Degenkolb, nachdem der Weltverband UCI am Montag Grünes Licht für einen Tourstart Froomes erteilt hatte. Dessen erhöhte Werte des Asthmamittels Salbutamol waren nicht als Dopingvergehen gewertet worden. "Ich habe ein bisschen Bedenken, dass deswegen Nebenkriegsschauplätze entstehen. Das wäre schade. Wir haben hier genug Stress. Es wär total doof, wenn dadurch Gefahren von Außen entstehen", sagte der Oberurseler einen Tag vor dem Start der Tour auf der Atlantikinsel Noirmoutier.

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Die Affäre um den viermaligen Toursieger Froome und deren Ausgang nannte Degenkolb "nicht gerade förderlich für den Radsport". Degenkolb plädierte deshalb für ein Ende der Diskussionen. "Man sollte jetzt einen Schlussstrich ziehen – wir können sowieso nichts mehr ändern. Froome wurde nicht positiv getestet. Das muss man jetzt akzeptieren." Er hoffe, dass die Causa Froome "jetzt nicht weiter die Hauptrolle" spielt.

Fokus ändern

Der Oberurseler will sich in den kommenden Wochen schließlich auf seine ganz eigene Tour konzentrieren. Er ist – trotz einer nicht ganz optimalen Vorbereitung, in der ihn eine Schleimbeutelverletzung für einige Wochen ausbremste, optimistisch. "Ein Traum wäre, eine Etappe zu gewinnen und Bauke Mollema zu einem möglichst guten Platz in der Gesamtwertung zu verhelfen", betonte Degenkolb.