Tina Hermann
Tina Hermann Bild © picture-alliance/dpa

Tina Hermann aus Hirzenhain im Lahn-Dill-Kreis gilt als große Gold-Hoffnung im Skeleton. Doch vor ihrem Wettkampf am Freitag lauern einige Hürden im Olympischen Dorf: eisige Kälte und essen mit Stäbchen.

Videobeitrag

Video

zum Video Gold-Hoffnung Tina Hermann im Porträt

Ende des Videobeitrags

Als wir uns mit Tina Hermann zum Telefon-Interview verabredet haben, herrscht in ihrem Zimmer im Olympischen Dorf Hochbetrieb. Die Skeleton-Mannschaft hat sich versammelt, hockt auf den Betten und schaut die Rodel-Wettbewerbe im Fernsehen. Am Freitag geht Hermann dann in den Eiskanal, die hessische Skeletoni ist die zweitbeste des Winters und Mitfavoritin auf Gold in Pyeongchang.

readitnow.info: Frau Hermann, sind die Fußzehen noch dran?

Tina Hermann: Aber klar doch. Ich zieh mich einfach ordentlich an, wenn ich nach draußen gehe. Zwei Paar Socken sind hier normal.

readitnow.info: An einigen Tagen war es Minus 20 Grad kalt. Macht Ihnen das zu schaffen?

Hermann: Mittlerweile sind die Temperaturen angenehmer geworden. Aber trotzdem bleibt der Wind ziemlich kalt und es brennt im Gesicht. Zum Glück haben wir bei der Olympia-Einkleidung genügend Sachen bekommen, ich ziehe einfach immer mehrere Schichten an. Dann gilt das Zwiebelprinzip.

readitnow.info: Haben Sie auch während der Eröffnungsfeier gefroren?

Weitere Informationen

Multimedia-Reportage

Den Hoffnungen, Träumen und Glücksbringern der hessischen Olympia-Athleten widmen wir uns in einer .

Ende der weiteren Informationen

Hermann: Nein, vor dem Einlaufen waren wir lange Zeit in einem beheizten Zelt. Ich habe mich dann sogar mal kurz auf den Boden gesetzt, um nicht zu lange zu stehen. Alles kein Problem. Und außerdem war ich sowieso total abgelenkt. Man unterhält sich hier mit so vielen Sportlern, mit denen man normalerweise nicht ins Gespräch kommt. Ich habe zum Beispiel lange mit den Eishockeyspielern gequatscht. Das ist schon verrückt. Man sieht Stars wie Lindsay Vonn oder Shawn White – und alle drängeln sich und wollen mit ihnen ein Foto machen.

readitnow.info: Und dann sind Sie ins Stadion eingelaufen und haben einfach nur gestaunt? Es sind ja schließlich Ihre ersten Spiele.

Hermann: Ja, das war unglaublich schön. Eigentlich wollte ich von dem Moment ein paar Fotos und Videos machen, aber dann gab es so viel zu gucken, dass ich das zuerst total vergessen hatte. Ich war total geflasht. Ich wusste gar nicht, wo ich als nächstes hinsehen sollte. Mir schossen so viele Gedanken durch den Kopf. Um diesen Moment zu erleben, habe ich so viel getan, so viel gearbeitet. Ich habe einfach nur eine riesige Freude verspürt.

readitnow.info: Und was war mit den Fotos?

Hermann (lacht): Die habe ich am Ende dann doch noch gemacht. Aber nur kurz, weil ich dafür die Handschuhe ausziehen musste.

readitnow.info: Wie haben Sie das Leben im Olympischen Dorf bislang wahrgenommen?

Weitere Informationen

Olympia-Fahrplan

Die Startzeiten der hessischen Athleten finden Sie im Olympia-Fahrplan.

Ende der weiteren Informationen

Hermann: Man trifft jede Minute andere Sportler. Das ist mega interessant. Und langweilig kann es einem hier sowieso nicht werden, es gibt hier so ein Spielecenter mit Billiard und Tischfußball. Unsere Skeleton-Jungs, die zocken da häufiger Fifa. Mich hat die Spiellaune aber noch nicht so gepackt.

readitnow.info: Großes Thema unter den Sportlern ist immer das Essen in der Kantine. Schmeckt's denn?

Hermann: Man bekommt hier alles: Burger, Pizza, Nudeln – man kann sich aber auch sehr gut gesund ernähren. Der Lachs zum Beispiel ist hier echt gut.

readitnow.info: Und das essen Sie alles mit Stäbchen?

Hermann (lacht): Nein. Das konnte ich noch nie so gut. Aber ich muss zum Glück nicht verhungern: Es gibt auch Besteck.

readitnow.info: Sie sind auf einem Zimmer mit Ihrer Teamkollegin Anna Fernstädt, die ebenfalls aus Hessen kommt. Wer von euch beiden schnarcht?

Hermann (lacht): Zum Glück keine. Das haben wir schon besprochen, sonst hätten wir auch nicht zusammengepasst.

readitnow.info: Sie haben jetzt schon ein paar Mal auf der Bahn trainiert. Zufrieden?

Hermann: Absolut. Dadurch, dass es hier so kalt ist, ist die Bahn gut in Schuss. Wir sind sogar schon Bahnrekord gefahren. Sie ist schnell, man ist fix unterwegs.

readitnow.info: Am Freitag sind Ihre ersten beiden Läufe, am Samstag dann der dritte und der entscheidende vierte. Der große Moment rückt näher. Pumpt das Herz schon?

Hermann: Im Moment ist noch alles ziemlich normal. Wir haben ganz normal Training, versuchen, in den Rhythmus zu kommen, weil wir ja spät abends starten. Das sind wir aus der Weltcup-Saison nicht gewöhnt. Aber ich bin mir ganz sicher: Das mit der Nervosität wird schon noch früh genug kommen.

Das Gespräch führte Sebastian Rieth (hr-sport).