Helmut Schön
Helmut Schön Bild © Imago

Er war der Mann mit der Mütze, der Lange, der bis heute erfolgreichste deutsche Nationaltrainer: Helmut Schön. Der Wiesbadener förderte die Eintracht-Legenden Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein, erlebte viele Höhepunkte und eine Niederlage, die vor 40 Jahren Geschichte machte.

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Helmut-Schön-Dokumentation im hr-fernsehen

Die 45-minütige Dokumentation "Helmut Schön – Ein Leben für den Fußball" ist am Donnerstag, 14. Juni, um 22 Uhr im hr-fernsehen zu sehen.

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Cordoba, 21. Juni 1978, Deutschland spielt als noch amtierender Weltmeister bei der WM in Argentinien gegen den damaligen Fußballzwerg Österreich. Und verliert. Den 3:2-Siegtreffer für die Österreicher erzielte Hans Krankl und ließ damit eine ganze Nation "narrisch" werden. Für Nationaltrainer Helmut Schön war die "Schande von Cordoba" vor 40 Jahren das unrühmliche Ende einer großartigen Karriere.

Unmittelbar nach der Niederlage wurde ein Spieler zum „Königsmörder“, der Schön seine Karriere in der Nationalmannschaft zu verdanken hatte: Bernd Hölzenbein. „Wir hatten zu viele verletzte Spieler, wir hatten zu viele schlechte Spieler und die guten Spieler saßen auf der Tribüne und die wurden von Helmut Schön nicht aufgestellt“, sagte die Eintracht-Legende.

Die harsche Kritik war der Anfang vom Ende der Ära Schön. "Das hat dazu geführt, dass der Helmut Schön nicht mehr mit mir gesprochen hat und dass auch die Kameraden und Mitspieler im Flugzeug nicht mehr mit mir gesprochen haben", erinnert sich Hölzenbein. "Die waren alle beleidigt. Die, die verloren haben, waren beleidigt, weil ich, das glaube ich heute noch, den Punkt getroffen habe."

Helmut Schön und Bernd Hölzenbein
Bernd Hölzenbein und Helmut Schön hatten eine bewegte gemeinsame Geschichte. Bild © picture-alliance/dpa

Erfolge wie am Fließband

Dabei hatte Helmut Schön, der als Nationaltrainer die schwierige Aufgabe übernommen hatte, Nachfolger der Legende Sepp Herberger zu werden, so viele herausragende Erfolge gefeiert. Schon bei seiner ersten WM, 1966 in England, gelang ihm mit seiner Mannschaft der Finaleinzug, in Wembley nur geschlagen durch das berühmteste Nicht-Tor der Fußballgeschichte.

1970 in Mexiko wurde Schön Dritter, 1972 mit der legendären Mannschaft um Netzer, Hoeneß und Beckenbauer Europameister, 1974 Weltmeister im eigenen Land, 1976 EM-Zweiter, geschlagen nur im Elfmeterschießen. Es ist eine lange unangefochtene Bilanz, die Jogi Löw aber bei der WM in Russland mit einem zweiten WM-Titel in Folge toppen könnte.

Versöhnung mit Hölzenbein

Es wäre eine zumindest zeitlich durchaus passende Ablösung, 40 Jahren nachdem die Ära Schön mit der WM-Schmach von Argentinien 1978 ihren Abschluss fand. Nach Cordoba bekam der Mann mit der Mütze noch ein Abschiedsspiel in Frankfurt, das aber buchstäblich im Nebel versank und abgebrochen werden musste. Zwei Jahre später gab es in Gravenbruch bei Neu-Isenburg ein klärendes Gespräch zwischen Hölzenbein und Schön. Hölzenbein entschuldigte sich und war danach froh: "Seitdem waren wir wieder so wie vorher."

1996 starb Schön in Wiesbaden, wo der gebürtige Dresdner die meiste Zeit seines Lebens verbracht hatte. Was bleibt, vom Mann mit der Mütze, ist weniger die Büste, die die Stadt Wiesbaden vor dem "Helmut-Schön-Sportpark" versteckt hat, als die vielen Erinnerungen, die er und seine Spieler den Fußballfans geschenkt haben.

Sendung: hr-fernsehen, 14.06.2018, 22 Uhr