Jürgen Klopp und Niko Kovac
Niko Kovac und Jürgen Klopp Bild © Imago, readitnow.info

56 Profivereine gibt es im deutschen Fußball. Jeder davon hat einen Cheftrainer – doch nur einer davon ist aus Hessen. Alles nur Zufall?

Niko Kovac ist ein Ausnahmetrainer – und das nicht nur aufgrund seiner sportlichen Erfolge. Kovac ist neben Jupp Heynckes und Heiko Herrlich der einzige Cheftrainer im Profifußball, der auch als Spieler deutscher Meister war. Ansonsten gilt im deutschen Fußball derzeit eher die Devise: Große Trainer haben kleine Namen. In einer anderen Statistik entspricht Kovac aber der Norm. Er ist nämlich kein Hesse. Und Hessen findet man kaum an den Außenlinien des Profifußballs.

Ausgerechnet Mainz?

Bei einem Blick auf die 56 Proficlubs in Deutschland fällt auf, dass es nur einen Cheftrainer gibt, der in Hessen geboren wurde: Jens Rasiejewski. Der Bochumer Übungsleiter wurde jüngst vom Interims- zum Cheftrainer des Zweitligisten befördert und sorgt dafür, dass die hessische Trainer-Fahne überhaupt noch weht.

Dem Mainzer Chefcoach Sandro Schwarz kann man zumindest noch einen Hessenbezug nachsagen. Immerhin erlernte er das Kicken in Bischofsheim und begann seine Trainerkarriere in Wehen und Eschborn. Doch wenn schon ein Ur-Mainzer wie Sandro Schwarz herhalten muss, um Hessen an der Seitenlinie zu finden, stellt sich die Frage: Wo sind die hessischen Klopps?

Ein Hesse in England

Immerhin der sogenannte "Mini-Klopp" ist ein Hesse. David Wagner mischt mit Huddersfield Town gerade die Premier League auf. Dabei steht Wagner nicht nur für die gleiche Spielweise wie Klopp, sondern hat in Dortmund auch eng mit ihm zusammengearbeitet. Außerdem ist er Klopps Trauzeuge – und waschechter Frankfurter. Aber dann?

Beim Bund deutscher Fußball-Lehrer sind aktuell etwa 4.300 Profitrainer registriert, fast jeder zehnte davon beim hessischen Regionalverband. Im Vergleich dazu ist aber nur jeder 13. Bundesbürger ein Hesse. Auf dem Trainermarkt sind die hessischen Übungsleiter also sogar überrepräsentiert. An die Spitzenplätze schaffen es aber anscheinend nur wenige.

Alles nur Zufall?

Dirk Reimöller, Sportlicher Leiter des hessischen Fußballverbands, sorgt das nicht sonderlich. Er geht von einem Zufall aus. Immerhin könnte etwa der Darmstädter Bruno Labbadia schon morgen wieder auf einer Profi-Trainerbank sitzen. Doch Reimöller weiß auch, dass aktuell sehr viele süddeutsche Trainer auf den Markt strömen. Bundestrainer Joachim Löw kommt aus Baden-Württemberg, Christian Streich (SC Freiburg) und Jürgen Klopp ebenso. Diese Trainertypen bestimmen aktuell den Markt.

"Die haben auch ein gutes Netzwerk und ziehen eventuell Trainer mit sich und nach“, mutmaßt Reimöller. Außerdem wurde in Freiburg, Stuttgart oder Mainz schon sehr früh die Jugendarbeit forciert. Das hat Trainertalente quasi als Nebenprodukt mit nach oben gespült. So fanden die Herren Nagelsmann, Tedesco und Tuchel ihren Weg in die Bundesliga.

Die Zukunft wird es richten

In Hessen hingegen gab es lange Jahre nur einen Proficlub, der eine solche Entwicklung zugelassen hätte. Erst in den vergangenen Jahren haben auch Darmstadt und Wehen Wiesbaden ihre Jugendarbeit weiterentwickelt. Das zeigt sich zum Beispiel am guten Abschneiden der U19 von Wehen Wiesbaden in der Junioren-Bundesliga. Deren Trainer heißt Nils Döring und ist übrigens in Wiesbaden geboren.

Es könnte als nur eine Frage der Zeit sein, bis auch ein hessischer Wundertrainer im deutschen Profifußball auftaucht. Und solange genießen sie in Frankfurt eben weiter Niko Kovac.