Niko Kovac
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Gute Saison? Schlechte Saison? Nach dem Verpassen des Europapokals über die Liga gerät Eintracht Frankfurts Noch-Trainer Niko Kovac erneut in die Kritik der Fans. Die Verantwortlichen verweisen auf die letzte Ausfahrt: Olympiastadion Berlin.

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Niko Kovac ging in den Spagat. Rund 40 Minuten nach dem 0:1 beim FC Schalke 04 nahm der Trainer von Eintracht Frankfurt im Pressekonferenz-Raum der Arena des Vizemeisters Platz, um drei für ihn wichtige Botschaften loszuwerden. Erstens: Die im Ergebnis knappe Niederlage war vermeidbar ("Das Spiel ist so gelaufen, wie wir uns das nicht vorgestellt haben"). Zweitens: Der Blick muss jetzt ganz schnell auf das Finale im DFB-Pokal gerichtet werden ("ein schönes, wichtiges Spiel"). Und drittens: Trotz der in der Bundesliga verspielten Europa-Chance darf diese Saison mit einem Schleifchen verpackt werden ("Was wir in diesem Jahr gemacht haben, ist trotzdem einzigartig").

Vor allem mit seiner dritten These bringt Kovac zahlreiche Eintracht-Fans innerhalb von nur vier Wochen zum zweiten Mal gegen sich auf. War es vor genau einem Monat die Art und Weise seines bevorstehenden Wechsels zum FC Bayern, so echauffieren sich nun viele Adler-Anhänger über den Absturz auf den achten Tabellenplatz. Wer sich durch soziale Netzwerke wie Twitter klickt, der findet Kommentare wie , der findet Screenshots der Bundesligatabelle nach Spieltag 27, als die Hessen auf Champions-League-Rang vier standen – und der findet reichlich Unverständnis, Enttäuschung und Wut.

Ob ich jemals wirklich "danken" kann, bleibt abzuwarten. Die Chance auf Europa war so groß und sein Alleingang hat vieles kaputt gemacht. Wenn ich auf die Tabelle schaue, könnte ich heulen.

Dank Niko Kovac durften wir in dieser Saison von Europa träumen. Dank ihm und dem wurden diese Träume innerhalb weniger Spieltage wieder geschreddert. Übrig bleibt ein wertloser 8. Platz. Sollte in München scheitern, gönne ich ihm das von Herzen.

Ich will Kovac einfach nicht auf der Bank sehen nächste Woche. Ich überlege echt meine Karte wegzugeben!

Kovac selbst reagierte auf den Frust der Fans mit einem gewissen Maß an Verständnis. Über das Verpassen des siebten Tabellenplatzes sei auch er enttäuscht, immerhin sei er Sportler. "Aber ich sage es immer wieder: Wo kommen wir her? Was hat man uns am Anfang der Saison prognostiziert? Das waren Szenarien, die wir Gott sei Dank nicht sehen mussten", erinnerte der 46-Jährige an die Ausgangslage, mit der die Hessen in die Runde 2017/18 gestartet waren. "Deswegen kann man trotzdem stolz sein." Sein Vorschlag: Das Schalke-Spiel "abhaken und vergessen", die Möglichkeiten der neuen Woche nutzen – "und vielleicht haben wir in der nächsten Woche etwas mehr Glück."

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Einen Beitrag über das Eintracht-Spiel bei S04 sehen Sie am Sonntag ab 21.45 Uhr im heimspiel! des hr-fernsehens. Am Montag (23.30 Uhr) ist Sportvorstand Fredi Bobic zu Gast im Studio.

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Die Sichtweise des Kroaten ist offensichtlich nicht die Sichtweise aller Fans, wie auch die - natürlich nicht repräsentative - Umfrage von readitnow.info (siehe unten) verdeutlicht. Das Fanlager ist gespalten, ganze alleine steht Kovac mit seiner Meinung aber nicht da. Auch Sportvorstand Fredi Bobic zog einen positiven Schlussstrich unter diese Bundesliga-Spielzeit, auch er lenkte den Blick flugs Richtung Olympiastadion Berlin. "Wenn wir die gesamte Saison reflektieren, muss man sagen: Der achte Platz ist in Ordnung", resümierte der ehemalige Nationalspieler. "Vor der Saison haben nicht wenige gesagt: Ihr spielt gegen den Abstieg. Jetzt haben wir Europa knapp verpasst, aber im Pokalfinale haben wir noch einen Ball in der Hand."

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Die Aussicht auf dieses Endspiel am 19. Mai gegen Rekordmeister und Pokalsieger Bayern München – sie soll der in der Liga verpufften Euphorie noch einmal neuen Auftrieb verschaffen. Die Hoffnung auf ein riesengroßes Fußballwunder – auf diesen einen Tag, an dem beim FCB ausnahmsweise mal gar nichts, bei einem selbst dafür alles und ein bisschen mehr zusammenläuft – wird mindestens bis zum Anpfiff am Samstagabend keimen. Die große Frage aber ist: Wie bringt sich die Eintracht bis dahin in Endspielform?

In durchgehend geheimen Trainingseinheiten will und muss Kovac die Akkus seiner Profis zumindest halbwegs aufladen. Mit Ausnahme des Halbfinales (1:0 auf Schalke) und des 3:0 in der Liga gegen den mittlerweile abgestiegenen Hamburger SV haben die Frankfurter einen Leistungsabfall hinter sich, der für viele mit Bekanntwerden von Kovacs Wechsel zu den Bayern einsetzte, in jedem Fall aber auf schwindende Kräfte und physischen Verschleiß zurückzuführen ist. Die Suche nach einem brauchbaren Matchplan für die Partie gegen den FCB dürfte den Trainer und sein Team bis zum Abflug am Donnerstag so ganz nebenbei auch noch beschäftigen.

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Wobei: In dieser Hinsicht herrscht seit dem späten Samstagnachmittag deutschlandweit zumindest leichte Entspannung. Durch seinen 4:1-Auswärtssieg in der Münchner Arena hat der VfB Stuttgart bewiesen, dass die Bayern ebenfalls deutlich zu schlagen sind, sobald sie einen schwachen Tag erwischen. Eine Tatsache, auf die auch Eintracht-Keeper Lukas Hradecky unmittelbar nach dem Schalke-Spiel hinwies. Für den Finnen wird das Pokalfinale das letzte Match in Diensten der Frankfurter sein – genauso wie für Niko Kovac, den künftigen FCB-Coach. Der größte Spagat steht ihm also noch bevor.