Marco Pezzaiuoli von Eintracht Frankfurt
Marco Pezzaiuoli gibt den Eintracht-Talenten die Richtung vor. Bild © Imago

Neue Spieler gibt es bei der Eintracht wohl eher nicht, stattdessen aber einen neuen Technischen Direktor. Im Trainingslager in Spanien scheint es aber so, als würde Marco Pezzaiuoli schon länger für die Frankfurter arbeiten.

Videobeitrag

Video

zum Video Pezzaiuoli über die Nachwuchsarbeit bei der Eintracht

Ende des Videobeitrags

Man kann nur hoffen, dass Marco Pezzaiuoli bei seinem neuen Arbeitgeber ein gutes Kilometergeld ausgehandelt hat. Denn die Wege, die der neue "Technische Direktor Nachwuchsleistungszentrum und Profis" von Eintracht Frankfurt künftig zwischen den U-Mannschaften am Riederwald und dem Trainingsgelände der Profis im Stadtwald zurücklegt, werden sich wohl schnell im Spritverbrauch des 49-Jährigen bemerkbar machen. "Ich werde zwischen beiden Sportstätten pendeln müssen, um die jungen Spieler zu sehen", sagt er.

Seinen Auftrag, die seitens der Eintracht seit Jahren gewünschte Verzahnung zwischen Nachwuchs und Bundesliga-Team voranzutreiben, interpretiert Pezzaiuoli so: "Meine Aufgabe ist es, Talente optimal auf den großen Sprung in den Profibereich vorzubereiten. Ich bin da, um zu helfen, wenn Spieler in einem Tal sind und sich fragen: Was passiert, wenn ich mal nicht spiele? Mal trainieren sie mit den Profis, zwei Wochen später aber wieder mit der U19. Da ist es wichtig zu wissen: Wie können sie das vom Kopf her verkraften?"

Umfangreiche Vita

Talente, gute Talente sogar, habe er bereits bei einem Spiel der A-Jugend sowie bei einem Hallenturnier der U14 erspäht. Und das Trio Sahverdi Cetin, Noel Knothe, Deji Beyreuther habe in den ersten Einheiten im Trainingslager in Spanien einen guten Eindruck hinterlassen. 

Weitere Informationen

"Etwas einfallen lassen"

Pezzaiuoli bezeichnet sich prinzipiell als Befürworter von U23-Mannschaften. Er betont aber auch, dass es in dieser Hinsicht immer auf die Strukturen des Vereins ankomme. Die Eintracht hatte ihre U23 im Jahr 2014 abgemeldet. "Für die Zukunft müssen wir uns etwas einfallen lassen", sagt Pezzaiuoli. "Wenn Spieler aus der U19 kommen und bei den Profis nicht sofort Stammspieler sind, müssen sie eine Möglichkeit haben, regelmäßig Spielzeit zu bekommen."

Ende der weiteren Informationen

Der Lebenslauf, den Pezzaiuoli für seinen neuen Job mitbringt, ist höchst umfangreich. Bereits mit Mitte 20 war er im Trainergeschäft angekommen, die Arbeit im Jugendbereich ist seit jeher sein Schwerpunkt. Nach Stationen unter anderem in Mannheim, Karlsruhe und Südkorea ging es zum Deutschen Fußball-Bund, wo er zwischen 2007 und 2010 als Trainer diverser U-Auswahlteams mit heutigen Stars wie Marc-André ter-Stegen, Emre Can oder Shkodran Mustafi zusammenarbeitete. Es folgten Engagements bei der TSG Hoffenheim – unter anderem als Cheftrainer der ersten Mannschaft – sowie in Japan und China. 

Talente mental stark machen

Nun also Frankfurt. Die Eintracht sei ein "interessanter Verein mit einer tollen Historie und einer tollen Fangemeinde", wie Pezzaiuoli sagt. Überzeugt hätten ihn letztlich die Gespräche mit Sportvorstand Fredi Bobic, der ihm eine klare Zielsetzung mitgegeben habe: Noch mehr Spieler aus dem eigenen Nachwuchs nach oben bringen und Cheftrainer Niko Kovac jedes Jahr genügend Talente zur Verfügung stellen. Neben der Arbeit im sportlichen Bereich will Pezzaiuoli die Stars von morgen vor allem im mentalen Bereich stärken: "Die Psyche spielt eine große Rolle. Es ist ein Unterschied ob ich vor 500 Zuschauern spiele – oder in einem Stadion vor 50.000."

Bei der Eintracht, so der Eindruck nach nur wenigen Tagen im Trainingslager an der spanischen Costa Blanca, scheint der neue Technische Direktor bereits voll integriert zu sein. Pezzaiuoli packt an, schleppt Trainingsgeräte quer über den Platz. Unterhält er sich mit Cheftrainer Kovac, dann wirkt es so, als würde er schon länger zu diesem großen Team hinter dem Team gehören, das sich mittlerweile um die Profis herum gebildet hat. Für Pezzaiuoli dürfte das die vielen Fahrten zwischen Stadtwald und Riederwald um einiges erträglicher machen.