Meier mit Pokal in Berlin
Ein Bild für die Ewigkeit: Alex Meier mit dem DFB-Pokal in Berlin Bild © Rhode/Storch

Fußballgott, Lebensversicherung, Kapitän: Alex Meier hat in Frankfurt in 14 Jahren Legendenstatus erreicht. Jetzt muss er gehen. Es ist das Ende einer Ära.

Wer zum ersten Mal bei einem Heimspiel der Eintracht ist, muss meist innerhalb der ersten Minuten unwillkürlich lächeln. Dann nämlich, wenn bei der Mannschaftsaufstellung zehntausende Fans im Chor brüllen "Alex Meier: Fußballgott". Es ist ein faszinierendes Ritual, das zur Eintracht gehört wie der Polizeichor Frankfurt oder Frau Rauscher.

14 Jahre lang schnürte der schweigsame Angreifer aus dem norddeutschen Buchholz seine Fußballschuhe für die Eintracht. 379 Spiele hat er für die Hessen gemacht, mehr als 30.000 Minuten stand er im Adler-Trikot auf dem Feld. Abstiege und Aufstiege, Triumphe und Niederlagen hat er erlebt. Und am Ende, vergangene Woche, einen DFB-Pokalsieg. Das alles ist eine Seltenheit im modernen Fußballgeschäft, das bewies nicht zuletzt wenige Stunden zuvor ein anderer Eintracht-Profi: Marius Wolf. Im vergangenen Jahr aus Hannover ausgeliehen, im Februar fest verpflichtet, jetzt der Wechsel nach Dortmund. So kann das auch gehen.

"Wir möchten auf jüngere Spieler setzen"

Bei Meier war das immer anders. Die Eintracht ohne ihn? Schwer vorstellbar, ab sofort aber Realität: "Alexander Meier wird künftig nicht mehr für die Adlerträger spielen. Sein Vertrag läuft planungsgemäß am 30. Juni 2018 aus", schrieben die Frankfurter am Montagabend in einer Pressemitteilung. Die Begründung? "Natürlich wissen wir, dass viele Alex auch in den kommenden Jahren im Eintracht-Trikot sehen möchte", wird Sportvorstand Fredi Bobic zitiert. "Aber wir müssen sagen, dass wir hier aus sportlichen Gründen eine Veränderung anstreben und auf jüngere Spieler setzen möchten."

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Damit endet in Frankfurt eine Ära, denn Meier hatte den Club und die Stadt im vergangenen Jahrzehnt geprägt wie kein anderer Spieler. Ein Fan-Liebling war er dabei in den Anfangsjahren nicht. Das änderte sich erst, als Meier nach dem Abstieg im Jahr 2011 in Frankfurt blieb und das Projekt Wiederaufstieg maßgeblich mitgestaltete. Es folgten seine besten Jahre. Vom Spielgestalter zum Stürmer umgewandelt, wurde er zur Eintracht-Lebensversicherung. Zwischen 2012 und 2015 erzielte Meier in vier Spielzeiten in Serie wettbewerbsübergreifend mehr als 15 Tore. Meier war Kult. Seine Tore mit der berühmten Innenseite, sein verschmitztes Lächeln, seine Frisur. "Er trifft mit dem Fuß, er trifft mit dem Kopf, er trifft wie er will, sogar mit dem Zopf", sangen die Fans.

Fans halten trotz Verletzung an Meier fest

Diese Zuneigung hat auch in der vergangenen Saison kaum gelitten, in der Meier wegen mehrerer Knöchel-Operationen lange nicht einsatzbereit war. Vor dem Pokalfinale fehlte sein Tor in der Schlussminute in kaum einer Fan-Prognose, bei der Siegesfeier auf dem Römer skandierten die Fans lange nur seinen Namen - obwohl er in Berlin nicht einmal im Kader stand.

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Aber am deutlichsten wurde die Liebe für Meier vielleicht bei seinem - nun im Rückblick - letzten Pflichtspieleinsatz für die Eintracht. Gegen den Hamburger SV stand der Angreifer am 33. Spieltag erstmals wieder im Kader und die Anhänger forderten minutenlang seinen Einsatz. Meier wurde eingewechselt und traf zum 3:0-Endstand. Mit der Innenseite, wie auch sonst. Es war wie in einem Hollywood-Film. "Für einen Stürmer kann es keinen besseren Abschied geben, als vor dem eigenen Publikum, in ausverkauftem Haus einen derartigen Treffer zu erzielen“, kommentierte das auch Sportvorstand Bobic in der Pressemitteilung der Eintracht.

Meier will nicht aufhören

Allein, für Meier ist das Bild nicht stimmig. Denn der Stürmer will nicht aufhören. Er fühlt sich fit, hat hart für sein Comeback gearbeitet und ist noch nicht bereit für die Karriere nach der Karriere. "Jeder weiß, dass ich gerne weiter für die SGE gespielt hätte. Aber ich respektiere natürlich die Entscheidung des Vereins", sagte Meier. "Ich möchte weiter Fußball spielen. Das ist für mich das Wichtigste." Und deshalb verlässt der ewige Alex seinen Herzensverein und wird noch einmal woanders gegen den Ball treten. Ein neues Wappen statt eines neuen Jobs als Trainer, Repräsentant oder Funktionär bei der Eintracht.

Dort hat Meier einen Anschlussvertrag, der nach dem Ende seiner Karriere gültig ist, wie der Verein betonte. Ob und in welcher Funktion der Kapitän zurückkehrt, ist noch offen. Klar ist aber: Meier wird im Rahmen des Supercups gegen Bayern München offiziell verabschiedet. Zudem soll es ein Abschiedsspiel für ihn geben. Dort wird man dann zum letzten Mal Zehntausende hören, die schreien: "Alex Meier: Fußballgott". Die Ära ist da bereits zu Ende, aber mancher wird es erst dann begreifen.