Die Eintracht (hier mi Marco Russ) holte sich im Trainingslager Selbstvertrauen beim 3:1 im Test gegen Aue.
Die Eintracht (hier mi Marco Russ) holte sich im Trainingslager Selbstvertrauen beim 3:1 im Test gegen Aue. Bild © Imago

Bei angenehmen 20 Grad ließ Eintracht-Trainer Niko Kovac sein Team im Trainingslager in Spanien ordentlich schwitzen. Und sonst so? Unser Reporter schildert seine Eindrücke.

Videobeitrag

Video

zum Video Eintracht-Trainingslager: Das Fazit

Ende des Videobeitrags

Kovac braucht gute Halsbonbons 

Frankfurts Coach Niko Kovac ist dafür bekannt, Trainingseinheiten für kurze Momente zu unterbrechen, um etwa Fehler anzusprechen und mit seinen Spielern zu analysieren. An der Costa Blanca schien sein Handlungs- und Redebedarf noch um einiges größer zu sein. Immer wieder stoppte er den Spielfluss, wiederholte zentrale taktische Vorgaben oder nahm einzelne Spieler für ein Kurzgespräch bei Seite.

In manchen Trainingseinheiten fühlte man sich da fast an eine Vorlesung an der Uni erinnert. Eher wie ein Feldherr wirkte Kovac einmal, als er an der Seitenlinie auf ein kleines Baugerüst stieg, auf dem sonst eine Kamera für die Videoanalyse postiert war. Von oben dirigierte er Spielzüge und leitete seine Profis an – lautstark. Und am Ende manches Tages wirkte es so, als ob Kovacs Stimmbänder ordentlich in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Viel Konzentration und viel zu lachen

Eine derart leidenschaftliche Arbeitsweise überträgt sich, das war in Spanien zu spüren, auf die Profis auf dem Rasen. Auch wenn nicht jede Seitenverlagerung auf Anhieb klappte, auch wenn nicht bei jeder Passübung sofort klar zu sein schien, welche Reihenfolge Kovac von seinen Profis verlangte: In den Einheiten, in denen der Schwerpunkt auf dem Taktischen lag, wurde hochkonzentriert gearbeitet.

Diese Anspannung legte sich ab der zweiten Wochenhälfte, als vermehrt Torschüsse und Spielformen Einzug in den Studenplan hielten. Ab dann hallten nicht nur Kovacs Ansprachen als Echo von der Felswand an einer Seite des Trainingsplatzes zurück, sondern auch die zahlreichen Lacher aus dem Spielertross.

Fabián will viel, darf aber noch nicht 

Apropos gute Laune und apropos lachen: Marco Fabián ist wieder da – und auch das war an vielen Ecken und Enden zu spüren. Der Mexikaner, der in dieser Saison wegen einer Rücken-OP noch kein Pflichtspiel absolvieren konnte, nahm mit viel Einsatz und Lust am Fußball an den Einheiten teil. Ganz zur Freude seiner Mitspieler: Hatte Fabián mal eine gute Torchance, wurde er von den Kollegen regelrecht angefeuert und bejubelt.

Auch Trainer Kovac freute sich über die Fortschritte seines Kreativspielers. Mindestens ein Mal schien er ihm aber zu sagen, er solle wegen seines Rückens noch etwas vorsichtig sein. Und auch im Testspiel gegen Zweitligist Aue (3:1) durfte Fabián "nur" in rund 20 von insgesamt 135 Minuten mitwirken. Omar Mascarell (Achillessehnen-OP) ist am Bundesliga-Comeback bereits einen Schritt näher dran.

Es gibt keine klaren Gewinner und Verlierer

Wie auch? Ein derart kurzes Winterpäuschen zieht zwangsweise ein kurzes Trainingslager nach sich, und in etwas mehr als einer Hand voll Einheiten lässt sich ein Gewinner von außen nur schwer bestimmen. Klar: Fabián und Mascarell gehören dazu, aber auch ein Dauerfleißiger Aymen Barkok, und Testspiel-Torschütze Branimir Hrgota ebenso wie das mitgereiste Nachwuchs-Trio Noel Knothe, Deji Beyreuther und Sahverdi Cetin.

Verlierer lassen sich noch schwerer ausmachen. An der spanischen Costa Blanca gab es keine, stattdessen durften drei Spieler die Reise gar nicht erst antreten: Yanni Regäsel und Slobodan Medojevic (könnten den Club bei einem entsprechenden Angebot verlassen) sowie Jungprofi Renat Dadashov (war nach der Weihnachtpause für seinen Fitnesszustand kritisiert worden).

Videobeitrag

Video

zum Video Zum Abschluss des Eintracht-Trainingslagers - die Gewinner und Verlierer

Ende des Videobeitrags

 Ein Trainingslager lohnt sich auch in kurzen Pausen

Die Bundesliga ist in dieser XXS-Winterpause gespalten: Nur rund die Hälfte aller Clubs hat die Koffer gepackt und ein Trainingslager bezogen, in Deutschland bleiben und trainieren liegt voll im Trend. Hoffenheim und Leipzig haben es unter anderem vorgemacht. Die Eintracht hat sich am Ende für einen Trip entschieden – und kam damit in den Genuss all jener Vorteile, die so ein Trainingslager im Winter bietet.

Die Anreise war mit rund zwei Stunden Flugzeit verhältnismäßig kurz, und mit Sonne statt Regenwolken über dem Kopf lässt es sich eben doch besser arbeiten. Wer hin und wieder die eigenen vier Eckfahnen verlässt, der entkommt eingefahrenen Mustern und Routinen. Und genau das kann sehr hilfreich sein, um sich den taktischen Feinschliff für die Rückrunde zu holen.