Fußball-Experte Olaf Thon
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Olaf Thon hat die Eintracht wegen der Ausstiegsklausel im Vertrag von Niko Kovac indirekt kritisiert. Er und ein weiterer Experte glauben zudem nicht an die Blitzeinigung zwischen dem Frankfurter Trainer und den Bayern.

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Wenn Olaf Thon die Zeit zurückdreht, kann er reichlich Geschichten aus seinem langen Fußballer-Leben erzählen. Beispielweise, wie er damals in München beim Kartenspielen mit Manager Uli Hoeneß seinen Vertrag verlängert hat. "Uli Hoeneß und ich haben Schafkopf gespielt. Nach fünf Minuten war der Fall gegessen", erzählte Thon im hr-heimspiel! am Montagabend die Anekdote.

"So eine Klausel bringt nur Probleme"

Ob der Deal zwischen Eintracht-Coach Niko Kovac und Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic ebenso schnell über die Bühne ging, ist nicht überliefert. Die Beteiligten schweigen sich über die Umstände des Blitz-Transfers beharrlich aus. Stand jetzt. Die Version Kovacs, er sei am Donnerstag erstmals von den Bayern iert worden und man sei sofort übereingekommen, zweifelte der Weltmeister von 1990 an. "Es sind Manager, die das alles hintenrum organisieren. Ich glaube, die waren seit Januar im Gespräch."

Auch Lothar Sippel geht davon aus, dass sich die Verhandlungen schon länger hinzogen. "Normalerweise drei Wochen mindestens. Das sind mehrere Anwälte dran, die das prüfen", erklärte der frühere Eintracht-Stürmer. Dass sich die Hessen nun nach einem neuen Trainer umschauen müssen, kreidet Thon der Vereinsführung an. "So eine Ausstiegsklausel im Vertrag zu haben, bringt nur Probleme. Das lehrt alle Manager, so eine Klausel niemals zum Zuge kommen zu lassen", kritisierte Thon indirekt Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. Die Klausel sei der Knackpunkt gewesen. Kovac habe vor eineinhalb Jahren schon daran gedacht, dass die Bayern kommen könnten.

Taktisch klug, aber schlechte Außendarstellung

Sippel attestierte dem Kroaten, der im Dezember 2016 seinen Kontrakt ursprünglich bis Sommer 2019 verlängert hatte, ebenfalls erfolgsorientiere Weitsicht. "Das war taktisch klug, dass er sich das hat reinschreiben lassen." Weniger klug war nach Ansicht des 52-Jährigen die Außendarstellung Kovacs, der auch am Wochenende nach der 1:4-Pleite in Leverkusen so tat, als sei nichts geschehen. "Wenn einer zu Bayern geht, ist das kein Problem. Diese Entscheidung akzeptiert man. Die Art und Weise, wie das rübergekommen ist, ist entscheidend. Da hat er eine unglückliche Figur abgegeben."

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In die gleiche Kerbe schlug Thon: "Ich hätte mir im Nachhinein gewünscht, dass Niko Kovac als Erster zu Fredi Bobic gegangen wäre." Unterm Strich gebe es bei diesem Transfer "keine Gewinner", resümierte er. Sportlich trifft Kovacs Abschied die Eintracht laut Sippel hart. "Er hat in den zwei Jahren hervorragende Arbeit geleistet." Jetzt seien die Spieler erst recht in der Pflicht, Leistung zu bringen, forderte der Ex-Frankfurter mit Blick auf das Pokal-Halbfinale am Mittwoch auf Schalke und den Kampf um Europa.