Jovic trifft gegen Dortmund
Luka Jovic trifft zum zwischenzeitlichen 1:1 - am Ende verlor die Eintracht in Dortmund mit 2:3. Bild © Imago

Eine klare Leistungssteigerung und treffsichere Joker haben der Eintracht nicht zum Punktgewinn beim BVB gereicht: Mit dem Sieg vor Augen gingen die adrenalingeschwängerten Hessen nach dem Geschmack ihres Trainers zu viel Risiko.

Videobeitrag

Video

zum Video Gell, da guckste - die Eintracht Analyse

Ende des Videobeitrags

Eintracht Frankfurt zeigt beim Auswärtsspiel in Dortmund zwei Gesichter. Nach schwacher erster Hälfte drehen die Hessen auf und kommen in der Nachspielzeit verdient zum 2:2-Ausgleich. Am Ende jubeln am Sonntag aber die Gastgeber, Michy Batshuayi setzt in der 94. Minute den Schlusspunkt (3:2) hinter eine unterhaltsame Partie.

Adrenalin-Schock

"Am Ende mache ich den Einwurf schnell, weil ich das Spiel gewinnen will." Und wer kann es Kevin-Prince Boateng auch verdenken? Soeben hatte seine Eintracht in Dortmund den Ausgleich erkämpft – in der Nachspielzeit, nach zweifachem Rückstand. Als Vollblut-Sportler hatte Boateng nur den möglichen Sieg vor Augen, als er kurz vor dem Ablauf der Nachspielzeit zum Einwurf eilte, statt die Uhr ablaufen zu lassen. Sein Trainer sah es nach dem folgenden K.o. durch BVB-Joker Batshuayi (90.+4) freilich anders: "Ich bin der Meinung, dass man da mehr Ruhe walten lassen muss", mahnte Niko Kovac.

Trainer Niko Kovac liest Kevin-Prince Boateng die Leviten
Niko Kovac und Kevin-Prince Boateng waren nach dem Spiel nicht in allen Punkten einer Meinung. Bild © Imago

Man muss Boateng aber in Schutz nehmen. Zwischen seinem Einwurf und Batshuayis Schlusspunkt wurden nämlich noch einige im Nachhinein unglückliche Frankfurter Entscheidungen getroffen. Ganz am Ende einer Kette von "fünf, sechs kleinen Fehlern" (Boateng) stand Danny da Costa, der beim letzten Dortmunder Angriff zunächst halbherzig in einen Zweikampf mit Andre Schürrle ging, um kurz darauf tief im eigenen Strafraum zu parken und somit alle Zweifel an einer Abseitsstellung Batshuayis zu beseitigen. "Wenn wir in Dortmund zweimal zurückkommen, muss man das eigentlich über die Bühne kriegen", sagte Kovac. "Aber die Jungs waren nach dem Tor noch voller Adrenalin."

Externer Inhalt
Ende des externen Inhalts

Wie ausgewechselt

Dass die Frankfurter am Ende überhaupt noch Chancen auf einen Punkt respektive Sieg hatten, war einer extremen Leistungssteigerung zu verdanken. Im ersten Durchgang wirkte die Eintracht überfordert, praktisch chancenlos im Spiel nach vorne und gegen die schnellen Dortmunder Flügelspieler ohne Zugriff. Zur Pause stellte Kovac um, nahm den schwachen Rebic raus und brachte mit Jonathan de Guzman einen zusätzlichen Mittelfeldspieler – der es in der Folge fast ausnahmslos brandgefährliche Standards in den Dortmunder Strafraum regnen lassen sollte.

Auch in Sachen Ausrichtung und Auftreten veränderte sich das Frankfurter Spiel komplett. Die Hessen gingen im Spiel gegen den Ball mehr Risiko und erzwangen frühe Ballverluste des Gegners. Mit den Einwechslungen von Luka Jovic und Danny Blum gewann die Eintracht noch einmal deutlich an Geschwindigkeit. 9:5 lautete das Torschussverhältnis in der zweiten Hälfte zugunsten der Hessen, die im ersten Abschnitt nur einmal in Richtung BVB-Tor geschossen hatten. "Wir haben eigentlich einen Punkt verdient, wir waren besser in der zweiten Hälfte", stellte Marco Russ treffend fest.

Kovac und Stöger spielen Joker-Quartett

Sein glückliches Händchen hatte Niko Kovac in der Vergangenheit schon öfter bewiesen. In Dortmund stachen gar alle drei Joker mit Vorlagen oder Toren: So traf Jovic in der 75. Minute - acht Minuten nach seiner Hereinnahme - nach einem Freistoß von de Guzman. In der 91. Minute war es dann Blum, der den Ball zum zwischenzeitlichen 2:2 über die Linie drückte. Jener Blum, der seit Oktober 2017 kein Spiel mehr für die Eintracht bestritten hatte.

Blöd nur, dass auch Kovacs Gegenüber ein Ass im Ärmel hatte. BVB-Trainer Peter Stöger brachte nach einer guten Stunde Batshuayi ins Spiel, der zuletzt in einem schwachen Dortmunder Kollektiv mehrfach glücklos agiert hatte. Welche Qualität in dem Belgier steckt, zeigte er dann jeweils direkt im Anschluss an zwei Frankfurter Treffer: zunächst mit einem trockenen Abschluss ins linke Toreck zum 2:1 (77.), dann mit artistischer Annahme und Abschluss zum 3:2-Endstand. Insgesamt sahen die rund 81.000 Zuschauer vier Joker-Tore. Das gibt es auch nicht alle Tage.

Russ auf Rekordjagd

Weitere Informationen

Russ kommt ins heimspiel!

Einen Tag nach dem Spiel in Dortmund spricht Marco Russ am Montagabend im hr-heimspiel! über den Auftritt seiner Mannschaft. Was bedeutet die Niederlage im Kampf um die europäischen Startplätze? Russ verrät’s ab 23 Uhr im hr-fernsehen.

Ende der weiteren Informationen

Einzig Russ traf von den Spielern, die bereits mit Anpfiff auf dem Rasen gestanden hatten. Auf seinen Eintrag in den Spielberichtsbogen hätte er aber gern verzichtet. In der 11. Minute grätschte der Eintracht-Verteidiger den Ball nach einem Querpass von Dortmunds Christian Pulisic ins eigene Tor. "Das tut mir leid", sagte Russ hinterher pflichtbewusst. Schuldzuweisungen wären allerdings absurd, schließlich versuchte der 32-Jährige nur noch zu retten, was nicht mehr zu retten war. Hinter ihm hätte Marco Reus locker einschieben können.

Für Russ war es bereits das fünfte Eigentor seiner Bundesliga-Karriere. Damit ist er Manfred Kaltz und Nikolce Noveski ganz dicht auf den Fersen – beide teilen sich die "Spitzenposition" mit je sechs Eigentoren.

Marco Russ nach seinem Eigentor in Dortmund
Bild © Imago

Ein Rückschlag, kein Beinbruch

Die dritte Auswärtsniederlage in Folge hat die Eintracht vorerst aus den Champions-League-Rängen gespült. Mit weiterhin 42 Punkten sind die Hessen Fünfter, sowohl der Zweite aus Schalke als auch Hoffenheim als aktuell erster Nicht-Europacup-Teilnehmer sind aber nur vier Punkte entfernt. Im oberen Tabellendrittel wird es bis zum Saisonende spannend bleiben. Um das zu ahnen, muss man keine Glaskugel bemühen.

Das, was die Eintracht nach dem Seitenwechsel in Dortmund anbot, macht Hoffnung, dass am Ende tatsächlich ein Platz unter den ersten Sechs herausspringen könnte. Rückkehrer Blum jedenfalls wollte sich vom Ergebnis nicht entmutigen lassen: "Es reicht trotzdem für Europa, weil wir eine gute Mannschaft sind. Das zeigen wir jedes Wochenende. Ich glaube, dass wir es uns verdient haben in diesem Jahr."