Martin und Simon Flörkemeier beim Pokal-Endspiel 2017
2017 feierten Martin und Simon Flörkemeier noch gemeinsam in Berlin. Dann kam der verhängnisvolle Mitgliedsantrag. Bild © privat

Während die Fans der Frankfurter Eintracht derzeit ihre Tickets fürs Pokalfinale abholen, gucken Martin Flörkemeier und sein Sohn Simon in die Röhre. Nach 15 Jahren Dauerkarte fehlt den beiden ein einziger Tag zum Glück.

Die Blumen für den Hochzeitstag 24 Stunden zu spät bestellt: passiert. Am Airport erfahren, dass der gebuchte Ferien-Flieger schon gestern ging: blöd gelaufen. Den Stichtag für ein Ticket zum Pokalfinale um einen Tag verpasst: eine Katastrophe.

Als Martin Flörkemeier am 12. Februar für seinen Sohn Simon und sich einen Mitgliedsantrag bei Eintracht Frankfurt ausfüllte, ahnte er noch nichts von seinem verhängnisvollen Timing. Gerade erst hatte der Verein auf seiner Jahreshauptversammlung stolz Mitglied Nummer 50.000 verkündet und Präsident Peter Fischer einen flammenden Appell gegen die AfD gerichtet. "Wir wollten einfach dabei sein", erklärt Flörkemeier seine Motivation.

Kurze Freude, böses Erwachen

Die fatale Zeitplanung seines spontanen Entschlusses wurde dem 50-Jährigen erst gut zwei Monate später bewusst, genauer gesagt am 19. April. Einen Tag nach dem überraschenden abermaligen Erreichen des DFB-Pokalfinales legte die Eintracht nämlich ihre Verteilungs-Richtlinien für die Endspiel-Tickets fest. Dauerkarten-Besitzern, die zugleich Clubmitglied sind, wurde demnach eine Karte für die Partie am 19. Mai in Berlin gegen den FC Bayern München fest zugesichert.

Der Eintracht-Mitgliedskarte von Martin Flörkemeier
Einer von uns - aber einen Tag zu spät: Der Eintracht-Mitgliedskarte von Martin Flörkemeier. Bild © privat

"Als ich die Meldung gelesen habe, dachte ich: Bingo!", erinnert sich Flörkemeier. Schließlich trafen die erforderlichen Kriterien auf seinen Sohn und ihn zu. Doch die Freude währte nur etwa bis zur , dort hieß es zu den Fristen der Mitgliedschaft: Stichtag des Eintrittsdatums bei Eintracht Frankfurt e.V. ist der 11. Februar 2018. "Ich habe sofort nachgeguckt. Dann bin ich wirklich durchgedreht", sagt Flörkemeier. Auf den beiden Mitgliedskärtchen stand es schwarz auf weiß: Eintritt 12.02.2018. Ein Tag zu spät.

Datum zufällig ausgewählt

Eine besondere Bewandtnis hat das Datum Mitte Februar übrigens nicht. "Wir wollten die bevorzugen, die schon länger Mitglied sind und mussten irgendeinen Stichtag wählen", erklärt Eintracht-Marketingchef Moritz Theimann. Auch das auf knapp 20.000 Tickets begrenzte Final-Kontingent der Frankfurter sei dabei nicht ausschlaggebend gewesen. "Die Frist war nur zeitnah zum vorangegangenen Viertelfinale am 7. Februar gegen Mainz 05 gewählt", so Vereinsvertreter Theimann.

Weitere Informationen

53.500 Mitglieder

Die Frankfurter Eintracht legt bei der Zahl ihrer Mitglieder weiterhin eifrig zu: Nachdem Ende Januar Nummer 50.000 verkündet worden war, liegt die Zahl aktuell schon bei 53.500.

Ende der weiteren Informationen

Für die Flörkemeiers also ein purer und umso ärgerlicherer Zufall. Seit 2004 sind die beiden nun schon Dauerkarten-Inhaber. Im Alter von sechs Jahren durfte Sohn Simon erstmals mit seinem Vater ins Stadion. "Es war lange Zeit ein großes Ding, gemeinsam in den Wald zu gehen", sagt Flörkemeier Senior. Mittlerweile ist Simon 20, Student, und geht mit seinen Kumpels in den Stehbereich. Vater Martin sitzt im 43er-Block schräg darüber. Zu den Pokal-Endspielen 2006 und 2017 waren beide aber zusammen in Berlin. Das sollte auch jetzt so sein.

Hoffnung auf Europacup

"Im letzten Jahr haben wir Tickets über unseren Fanclub bekommen, auch das sieht diesmal schlecht aus", meint Flörkemeier, der Mitglied im kleinen "EFC Vollspann Süd" ist. Schwarzmarkt-Karten zu horrenden Preisen seien allerdings keine Option. "Weil ich nicht will, dass irgendjemand damit abkassiert", so der Familienvater, den es 1996 wegen der Arbeit von Kiel nach Frankfurt verschlug.

Martin und Simon Flörkemeier im Jahr 2006
Schon 2006 waren Vater und Sohn beim Pokal-Endspiel mit der Eintracht in Berlin. Bild © privat

Während in diesen Tagen also die Fans am Stadion ihre Finaltickets entgegen nehmen dürfen, gehen Martin Flörkemeier und Sohn Simon trotz Dauerkarte und Mitgliedschaft leer aus. "Jetzt sind wir die ersten Verlierer", ärgert sich der PR-Fachmann über den verflixten 12. Februar.

"Es ist natürlich schade, wenn man einen Tag zu spät ist", fühlt auch Eintracht-Mann Moritz Theimann mit – und machte den beiden Pechvögeln zumindest für die Zukunft Mut: "Wenn wir den Europapokal erreichen sollten, wird der Vergabeprozess ähnlich gelagert sein." Der Stichtag dürfte dann aber ein anderer sein.