Ein Plakat von Eintracht-Trainer Adi Hütter
Adi Hütter - Trainergott. Zumindest in Bern sind die Fans schon begeistert. Bild © Imago

Mit Adi Hütter hat Eintracht Frankfurt für eine Trainer-Überraschung gesorgt. Der hr-sport hat mit Weggefährten des Österreichers gesprochen und einen bodenständigen Fußball-Lehrer mit klarem Spielkonzept kennengelernt - und einen Dialektausdruck, der ihn genau beschreibt.

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Wer den neuen Eintracht-Trainer Adi Hütter verstehen will, der muss sich mit seiner Heimat beschäftigen. Der 48-Jährige stammt aus Vorarlberg, dem westlichsten Bundesland Österreichs. Dort hat sich, eingequetscht zwischen Deutschland, der Schweiz sowie Liechtenstein und durch den Arlberg vom Rest der Republik getrennt, ein eigener Typ Mensch geformt. Der Vorarlberger ist bodenständig, wertkonservativ und unaufgeregt. Lob wird bedächtig verteilt, die größte Auszeichnung ist, wenn man als "ghörig" bezeichnet wird.

Ghörig ist ein Universalwort. Ghörig sind gute Käsknöpfle (die Vorarlberger Leibspeise), ghörig sagt der Vater, wenn ihm der neue Freund der Tochter zusagt – und ghörig ist eben auch Adi Hütter. Zumindest sagen das alle Weggefährten, mit denen der hr-sport über den Überraschungstrainer der Eintracht gesprochen hat. "Er ist ein bodenständiger und kameradschaftlicher Typ. Ein Trainer und Freund, wie man es sich wünschen kann", urteilt etwa Mario Mayer, Teammanager bei Hütters Jugendverein SCR Altach.

Gutes Verhältnis trotz unguter Trennung

Dort, im Stadion Schnabelholz, begann Hütters Fußballerkarriere. Im Mittelfeld absolvierte er insgesamt 234 Spiele in der österreichischen Bundesliga, wurde mit Austria Salzburg in den 90er Jahren drei Mal Meister. Nach ersten Stationen als Trainer der Jugend von Red Bull Salzburg ging es wieder zurück nach Altach, wo Hütter beim Zweitligisten seine Karriere als Profitrainer startete. Drei Jahre lang kämpfte er mit dem kleinen Club um den Aufstieg, am Ende scheiterte er immer knapp – und wurde wenige Tage vor Saisonende gefeuert.

Weitere Informationen

Adi Hütter im Kurzporträt

  • Persönliches: Geboren am 11. Februar 1970 in Hohenems (Österreich) Verheiratet, eine Tochter
  • Wichtige Stationen als Spieler: SCR Altach, Grazer AK, Austria Salzburg
  • Erfolge als Spieler: 3x Meister mit Salzburg, 14 x Nationalspieler
  • Wichtige Stationen als Trainer: SCR Altach, Grödig, RB Salzburg, Young Boys Bern
  • Erfolge als Trainer: Österreichischer Zweitliga-Meister, Österreichischer Meister und Cup-Sieger, Schweizer Meister
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Keine einfache Situation für alle Beteiligten, wie sich Teammanager Mayer erinnert. Aber Hütter habe das extrem professionell gemeistert. "Er hat das ohne Groll zur Kenntnis genommen." Die gute Beziehung zu seinem Heimatclub wurde dadurch nicht beschädigt. Noch am Mittwoch, also dem Tag, an dem Hütters Wechsel zur Eintracht bekannt wurde, nahm er sich Zeit, um ein paar Fragen für ein Sonderheft des SCR zu beantworten.

Aufstieg, Meistertitel, Wechsel

Es sind Geschichten, wie diese, die sich häufen, wenn Menschen von Adi Hütter erzählen. Geerdet, ruhig, das sind die Worte, die auch Elred Faisst verwendet. Ghörig eben. Der Sportjournalist aus Vorarlberg hat Hütters Karriere viele Jahre lang verfolgt. "Geld etwa ist für ihn keine entscheidende Motivation", erzählt er. "Er hat mal zu mir gesagt: 'Ob ich 5.000 Franken oder mehr verdiene, die Arbeit ist die Gleiche. Ich muss sie machen.'" Die Familie – Hütter ist verheiratet und hat eine Tochter – sei ihm wichtig. Und eben der Fußball.

Dieser führte ihn nach dem Aus in Altach zum Zweitligisten Grödig. Mit dem innerösterreichischen Dorfclub gelang der Aufstieg und ein Jahr darauf direkt der Sprung in die Europa League. Danach machte er Red Bull Salzburg zum Doublesieger, bevor er im Unfrieden schied. Zu viele Spieler verließen den Meister, ein Ausbildungstrainer wolle er nicht sein, so Hütter. Die nächste Station? Die Young Boys Bern.

Das Ende eines Mythos

Eintracht-Trainer Adi Hütter
Adi Hütter hat in Bern den ersten Meistertitel seit 32 Jahren geholt. Bild © picture-alliance/dpa

In die Schweiz nahm Hütter das von allen RB-Clubs praktizierte Pressing mit und schaffte es in nur drei Jahren, die Young Boys zum Meister zu machen. Es war das erste Mal seit 32 Jahren, dass die Berner ganz oben standen. Der Mythos von "veryoungboysen" – in der Schweiz eine gängige Formulierung für das Vergeben großer Gelegenheiten, etwa vergleichbar mit dem deutschen "Vizekusen" für Bayer Leverkusen – war gebrochen. Dauermeister und Liga-Krösus FC Basel hatte das Nachsehen.

Entsprechend groß ist das Lob von Fabian Ruch, der als Sportjournalist bei der Berner Zeitung arbeitet. "Ich habe noch nie so einen guten Trainer erlebt. Er hat von A bis Z fast alles richtig gemacht." Das gelte sowohl menschlich ("nie arrogant", "in kein Fettnäpfchen getreten") als auch sportlich. Mit einem super-offensiven 4-4-2 schnürte er die Gegner in der eigenen Hälfte ein. 82 Tore in 35 Spielen sind die Kennzahlen dieser Hütter'schen Spielphilosophie.

Nur auf dem Spielfeld offensiv

Ein Konzept, das natürlich eher für einen Titelaspiranten wie Bern als für einen Mittelständler wie die Eintracht geeignet ist. "Das ist für mich das einzige Fragezeichen. Ob er bereit ist, seine Ideen zu opfern und ein bisschen ergebnisorientiert spielen lässt", sagt der Berner Journalist Ruch. "Er ist ein Typ, der lieber 4:3 gewinnt als 1:0."

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Die Eintracht im Fernsehen

Die Rückkehr der Adler - Pokalsendung live vom Breitscheidplatz, Samstag, 14 Uhr
Die Rückkehr der Adler - Pokalsendung live vom Olympiastadion, Samstag 17.15 Uhr

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Die Frankfurter Anhänger, die zuletzt ja nicht gerade mit offensivem Fußball verwöhnt wurden, dürften sich über mehr Tore auf jeden Fall freuen. Und dass es Hütter geschafft hat, seinen alten Verein nach einer erfolgreichen Saison im Frieden mit den Fans in Richtung eines größeren Clubs zu verlassen, dürfte ihm in Frankfurt auch Sympathien einbringen. Ruhig und sachlich erklärte er im Berner Vereins-TV, warum die Eintracht der logische, nächste Schritt für ihn sei. Sowieso, ein Mann für Kontroversen und Eskapaden ist der neue Frankfurter Coach nicht. "Geschichten? Nein, Geschichten über ihn gibt es nicht", sagt etwa Journalist Faisst. "So ein Typ ist Adi Hütter nicht." Eben einfach ghörig.