Ein Blick in den Fanshop
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Schals in Eigenproduktion und ein Treff für Anhänger aller Vereine: Im Frankfurter Eintracht-Shop kauften Fans schon ein, als Fußball noch nicht schick und Fanartikel noch kein Riesengeschäft waren. Nun ist Schluss.

Zwei Mitarbeiter stehen mit düsteren Mienen vor dem Laden und rauchen. Einer der Männer hängt die Plakate an der Glastür ab. "Nicht fragen, sonst laufen die Tränen", sagen sie. Viele Fans kommen noch ein letztes Mal und decken sich mit Fanartikeln und Tickets ein. Mit dem über Jahrzehnte privat geführten Eintracht-Shop in der Frankfurter Innenstadt verabschiedet sich für viele Hessen ein Stück Fußball- und Fangeschichte. 1975 eröffnete der Ex-Eintracht-Profi Bernd Nickel das Lädchen in der Bethmannstraße - und damit nach Angaben der Eintracht den ersten Shop für Fußball-Fanartikel in Deutschland.

Lange bevor Fußball trendy und Fanartikel ein Riesengeschäft waren, entwickelte sich der Laden zum Treffpunkt für Fans aus aller Welt. Denn neben Eintracht-Artikeln hatten die wechselnden Inhaber auch Trikots nationaler und internationaler Vereine im Sortiment. "Nur Kickers Offenbach, das haben wir hier nie verkauft", sagt ein Verkäufer mit Blick auf den Frankfurter Erzrivalen.

Nur Kickers-Kleidung wurde nie verkauft

Er sei der letzte von der "alten Besatzung", habe schon hier gearbeitet, bevor Eintracht Frankfurt den Shop vor einigen Jahren aufkaufte, sagte er, seinen Namen will er nicht nennen. Als kleiner Junge sei er in den Siebzigern schon in den Laden gekommen, die Atmosphäre sei besonders gewesen. "Auswärtige Fans kamen immer hier her, man hat sich getroffen, das war schön."

Mit der Übernahme sei damit dann Schluss gewesen, nur noch offizielle Eintracht-Artikel durften ins Sortiment. "Da haben die Fans sich schon gewundert." Dass der Laden jetzt ganz schließen soll, will er nicht kommentieren und presst die Lippen zusammen. Am Abend wird in dem etwas dunklen Lädchen noch ein offizieller Abschied gefeiert. Bereits vor einem halben Jahr hatte die Eintracht einen modernen, weitläufigen Shop im schicken Einkaufszentrum "MyZeil" eröffnet.

Trauriger Abschied der letzten Besucher

Auch der Verein selbst gab sich zum Abschied nostalgisch: "Manchmal kamen ganze Mannschaften in den Laden, so zum Beispiel 1984, als Dundee United auf dem Rückflug vom Europapokalspiel in Wien in Frankfurt Zwischenstation machte." Die Truppe sei kurzerhand vom Flughafen zum Laden gefahren und habe sich mit Fanartikeln eingedeckt. Mit dem Shop Ende ein Stück Frankfurter Fußballgeschichte, heißt es in einer Erklärung.

Was 1975 noch niemand ahnen konnte: "Merchandising" ist im Fußball mittlerweile ein Riesengeschäft. Mehr als 200 Millionen Euro nehmen die 18 Bundesliga-Clubs mittlerweile pro Saison durch den Verkauf von Fanartikeln ein. Kein Wunder, dass die Vereine das Geschäft mit den Fanartikeln längst an sich gerissen haben. Das Eintracht-Lädchen ist damals nach Angaben des Verkäufers noch mit seiner eigenen Linie auf den Markt gegangen.

"Das hier war mein Fixpunkt", sagt der Schlosser Markus, der seinen Nachnamen nicht nennen will. Er wohne "ums Eck", komme seit 40 Jahren in den Laden. "Da wird ein Stück Tradition geschlossen, die man nicht mehr woanders findet." Zum Abschied nimmt er sich noch einen Schal, einen Pulli und ein Schnapsglas mit. "Ich bin schon als kleiner Junge immer mit meinem Vater hier her gekommen", sagt der 26-jährige Frankfurter Victor Göldner. Die Tickets hier seien aus Tradition eines der letzten Dinge, die er nicht online bestelle. Er ist selbst Eintracht-Mitglied und bedauert das Aus sehr. Wo er künftig seine Karten kauft? "Na dann wohl doch im Internet", sagt er schulterzuckend.