Terrence Boyd trägt Baris Atik vom Platz
Terrence Boyd (re.) übernimmt den Job des medizinischen Fachpersonals. Bild © Imago

Da sein verletzter Mitspieler Baris Atik im Spiel gegen Braunschweig nicht mehr auftreten konnte, sprang Terrence Boyd kurzerhand als menschliche Trage ein. Der Ersthelfer ist sich sicher: Das ist ganz normal bei Darmstadt 98.

Potenzielle Ersthelfer, aufgepasst: Falls sich jemand nicht sicher sein sollte, wie er sich bei einem medizinischen Notfall verhalten muss, sollte er sich Anschauungsunterricht bei Terrence Boyd nehmen. Der Lilien-Stürmer brillierte beim 1:1-Remis zwischen dem SV Darmstadt 98 und Eintracht Braunschweig am Sonntag in ungewohnter Rolle: Er kümmerte sich vorbildlich um seinen schwer verletzten Mitspieler Baris Atik. "Er hatte große Schmerzen und konnte kaum noch auftreten", lautete Boyds Blitz-Diagnose.

Im Stile eines Bräutigams

In Ermangelung einer Trage oder kräftig gebauter Betreuer schnappte sich der US-Amerikaner seinen deutlich kleineren Teamkollegen und trug ihn kurzerhand vom Platz. Im Stile eines Bräutigams, der seine frisch Angetraute über die Türschwelle in Richtung Ehebett befördert, übergab Boyd den 70 Kilogramm schweren Atik an der Seitenlinie in professionelle Hände. Von dort aus wurde Atik umgehend ins Krankenhaus gebracht – dieses Mal in einem Krankenwagen. Erster Verdacht: ein angebrochenes Wadenbein.

Eine bittere Botschaft für Atik, der sich die Verletzung nur neun Minuten nach seiner Einwechslung beim Stand von 0:1 zugezogen hatte (68.) und den Lilien damit bei ihrer Aufholjagd nicht mehr helfen konnte. "Ich habe ihn auch vom Platz getragen, damit wir schnell weiterspielen konnten", so Boyd, dessen Einsatz nur fünf Minuten später mit dem Ausgleichstor durch Tobias Kempe (73.) belohnt wurde. Ein Punktgewinn, der im Abstiegskampf zwar erst einmal wenig hilft, zumindest aber Atik im Krankenbett ein wenig Freude bereitet haben dürfte.

"Das hätte jeder andere auch gemacht"

"Gute Besserung, Baris. Du wirst stärker zurückkommen", versuchte Boyd am Montag via Twitter mit Genesungswünschen zur weiteren Heilung beizutragen. Nach einer abschließenden Untersuchung steht inzwischen fest, dass sich der 23-Jährige einen Einriss des Syndesmosebands zugezogen hat und damit länger ausfällt. "Es ist bitter für uns, dass wir jetzt wieder eine Alternative weniger in der Offensive haben", sagte Trainer Dirk Schuster, der sich im Kampf um den Klassenerhalt wenigstens um den Teamgeist keine Sorgen machen muss.

"Das hätte auch jeder andere Spieler für Baris gemacht, das zeichnet uns als Mannschaft auch aus", unterstrich Aushilfs-Rettungssanitäter Boyd. "Der Zusammenhalt in der Truppe, im Verein und mit den Fans ist überragend. Das hat man heute wieder gesehen."

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! am Montag, 16.04.18, 23.15 Uhr