Lilien-Spieler im Trainingslager im Schwarzwald
Ganz so idyllisch wie auf den ersten Blick geht es im Trainingslager der Lilien nicht zu. Bild © Imago

In einem verschlafenen Dorf im Schwarzwald bereitet sich der SV Darmstadt 98 auf die neue Zweitliga-Saison vor. Ganz schön langweilig? Stimmt.

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Ein bisschen wirkt dieser große blaue Bus wie ein Raumschiff. Zumindest hier, in Lautenbach im Schwarzwald, wo normalerweise Traktoren durch die engen Gassen knarzen. Wenn überhaupt. Es ist ein verschlafenes Nest, eine beschauliche Idylle, in der sich der SV Darmstadt 98 niedergelassen hat, um sich auf die neue Saison vorzubereiten.

Den Mannschaftsbus haben sie mitten ins Dorf gestellt, er fällt auf neben kleinen Bächen und alten Fachwerkhäusern. Und doch bewegt er sich kaum, eigentlich fast gar nicht. Für die Spieler heißt das nichts Gutes.

Zurück zu alten Mustern

Denn die meisten Kilometer legen sie in diesen Tagen zu Fuß zurück. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass Trainer Dirk Schuster seine Angestellten morgens um halb sieben aus den Betten schmeißt, um sie anschließend in aller Herrgottsfrühe durch den Wald zu scheuchen. Vorbereitungen sind eben selten lustig. "Wir sind hierhergekommen, um hart zu arbeiten - und das machen wir momentan auch", sagt Schuster dem hr-sport verschmitzt. Er hat gut reden.

Andere leiden. Marcel Franke etwa, die Leihgabe aus England, stöhnt über eine der härtesten Vorbereitungen, die er je mitgemacht habe und will gar nicht wirklich verneinen, dass Schuster ein echter Schleifer sei: "Joa, würd' ich schon sagen. Aber auch deshalb waren die Lilien unter ihm so erfolgreich."

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Es ist deutlich zu spüren, dass die Lilien vor dieser Zweitligasaison zu alten Mustern zurückgekehrt sind. Das System Schuster greift. Es wird hart und viel trainiert, es gibt aber auch die kleinen Momente der Überraschung. Am Freitagmorgen etwa stand Triathlon statt Fußball auf dem Plan. Auch mal ganz nett.

Vorne schwach auf der Brust

Ansonsten ist bei den Lilien fast schon eine Sehnsucht nach Langeweile zu spüren. Das ist nur allzu verständlich. Sechs Spielzeiten in Folge ging es für die 98er im Schlussspurt der Saison um alles, um Auf- oder Abstieg, um Träume oder die Existenz. Das schlaucht auf Dauer, es laugt aus. "Wir wollen eine sorgenfreie Saison spielen", sagt deshalb auch Schuster. Eine, ohne großen Rucksack auf dem Rücken, wie er es nennt. Der überraschende Abstiegskampf der vergangenen Runde hat Spuren hinterlassen: "Das wollen wir nicht noch einmal erleben."

Das Grundgerüst des Kaders habe man beisammen, aber vorne "sind wir noch ein bisschen schwach auf der Brust", sagt Schuster. Drei, vielleicht auch vier neue Spieler sollen noch kommen, ein Rechtsverteidiger, schnelle Jungs für die Außenbahnen und sicher auch noch ein echter Stürmer. Einen Marcel Heller hätte Schuster gern, die Verhandlungen mit Augsburg über die  Ablösesumme laufen.

Geduld auf dem Transfermarkt

Auch die Spieler selbst merken, dass das noch lange nicht das Team sein kann, das den Club in der neuen Runde in ruhiges Zweitligafahrwasser bringen soll. Dafür fehlt noch individuelle Qualität. Auf dem Transfermarkt sei nun aber Geduld gefragt, beschwichtigt Schuster.

Noch bis Montag läuft das Trainingslager im Schwarzwald, dann werden sich die Lilien wieder in ihren blauen Bus setzen und sich die restlichen zwei Wochen zu Hause in Darmstadt auf den Saisonstart vorbereiten. Lautenbach gehört dann wieder den Traktoren.