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Lilien-Präsident Rüdiger Fritsch Bild © Imago

Nach einem rauschenden Saisonstart hat der SV Darmstadt 98 zuletzt ungewöhnlich viele Gegentore kassiert. Präsident Rüdiger Fritsch bleibt dennoch gelassen und attestiert seinem Team in der Länderspielpause Kampfgeist.

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Als Lilien-Präsident hat Rüdiger Fritsch in den vergangenen Jahren beinahe alles erlebt – Aufstiegsmärchen, Last-Minute-Siege, Abstiegsdramen. Vielleicht bringt ihn gerade deshalb so schnell nichts aus der Ruhe. Auch nicht die strauchelnde Defensive der Darmstädter oder die deutliche Niederlage in Ingolstadt. "Der Saisonstart war gut und das ist jetzt eben ein Tal", sagte er am Montagabend im heimspiel! des hr-fernsehens. "Es gibt keinen Grund, etwas schlechtzureden. Es ist alles in Ordnung und dass auch mal ein Spiel wie in Ingolstadt  dabei ist, ist auch normal."

Dabei ist dem Präsidenten durchaus bewusst, wie schwach der Auftritt seines Teams beim 0:3 in Ingolstadt war – und damit ist er nicht der Einzige. "Wir wissen das alle und die Spieler wissen auch selbst, dass es vom Gesamtauftritt das schlechteste Spiel war." Deshalb haben Trainer Torsten Frings und seine Mannschaft die Länderspielpause genutzt, um an den Schwachstellen zu arbeiten. "Da ist schwer Leben drin", attestierte der Präsident dem Team. "Es wird geackert, gekämpft und gebissen. Das ist ein gutes Zeichen."

Fritsch verbittet sich "respektlose Erwartungshaltungen"

Von Lethargie keine Spur – nicht einmal angesichts der acht Gegentreffer in den vergangenen drei Spielen. "Das waren zu viele Gegentore. Aber die Mannschaft hat die Zeit genutzt und auch gebraucht, um sich neu zu justieren", so Fritsch. Am kommenden Montag soll das auch auf dem Platz zu sehen sein. Dann empfangen die Lilien den 1. FC Nürnberg zum Flutlichtspiel. "Die Wahrheit liegt ja schließlich auf dem Platz", bemühte der Präsident sogar die alte Fußballer-Weisheit.

Es ist eben jene Gelassenheit, mit der Fritsch nicht nur die sportlich turbulenten vergangenen Wochen beurteilt, sondern auch die Erwartungshaltung an die Lilien in dieser Zweitliga-Saison. "Wir dürfen und werden uns auch nicht von respektlosen Erwartungshaltungen treiben lassen", sagte er. "Wir sind gut beraten, das weiterhin mit Demut anzugehen." Bisweilen habe es Vergleiche mit einstigen Absteigern wie dem VfB Stuttgart und Hannover 96 gegeben, denen nach nur einer Saison im Unterhaus der direkte Wiederaufstieg gelungen war. "Das ist verfehlt."

Umbruch braucht Zeit

Schließlich hätten die Lilien mit den Abgängen von Marcel Heller, Jerome Gondorf und Mario Vrancic einen Umbruch erlebt. "Wir haben Schlüsselspieler verloren", so Fritsch. "Dass es nun Zeit braucht, sich zu finden, ist völlig in Ordnung." Mit seinem Team ist der Präsident geduldig – aber nicht nur mit seinem Team, auch beim Umbau des Stadions brauchte er in den vergangenen Jahren starke Nerven.

Bereits seit 2013 hatten Stadt und Verein um eine Lösung für das marode Böllenfalltor gerungen – nun steht fest: Das altehrwürdige Stadion wird umgebaut. "Was wir vorhaben ist sehr Darmstadt-like", betonte Fritsch. Jede Veränderung der derzeitigen Situation sei für die Lilien eine "positive Entwicklung." Geplant sind eine neue Haupttribüne, eine neue Gegentribüne und der Bau eines  Funktionsgebäudes für das Team.

Stadion-Umbau im Lilien-Stil

"Sodass wir da ordentlich aufgestellt sind", betonte Fritsch, der die Pläne bereits in der vergangenen Woche skizziert hatte, nun aber auch den finanziellen Rahmen eingrenzte. "Das Projekt liegt mit den drei Bauteilen bei ungefähr 30 Millionen." Mehr Details wollte der Präsident dann aber nicht verraten, schließlich haben noch nicht alle Ausarbeitungen die entsprechenden Gremien passiert. Dann sollen sie am 24. Oktober zunächst den Mitgliedern präsentiert werden – auch wieder Darmstadt-like.