Grundschule - Sujet
Unterricht an einer Grundschule Bild © Imago

Kultusminister Lorz spricht von "vollen Schulen" im kommenden Schuljahr und freut sich über einen Lehrerstellenrekord. Bei der Besetzung gibt es jedoch große Probleme - es gibt schlicht zu wenig qualifiziertes Personal.

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An Hessens Schulen muss im kommenden Schuljahr enger zusammengerückt werden. "Es wird wieder voller an vielen Schulen", sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden. Dafür sorgen stabile Schülerzahlen und eine Rekordzahl an Lehrerstellen. Doch besonders an Grundschulen fehlen zum Schulstart Lehrkräfte.

Zahl der Erstklässler steigt

Rund 771.000 Schüler werden im Schuljahr 2017/18 hessische Schulen besuchen. Das entspricht in etwa der Zahl vom vergangenen Schuljahr. Die Zahl der Erstklässler ist dagegen laut Kultusministerium weiter um 1.000 auf 54.000 angestiegen.

Dafür stellt das Land im neuen Schuljahr rund 53.000 Lehrerstellen zur Verfügung, so viele "wie nie zuvor", betonte Lorz. Ein Rekord - jedoch nur auf dem Papier. Geld und Stellen sind zu genüge vorhanden, doch es mangelt an qualifiziertem Personal, um auch alle Stellen zu besetzen.

Vakante Stellen können nicht besetzt werden

Besonders deutlich wird der Lehrermangel im Grund- und Förderschulbereich. Rund 100 Grundschulstellen werden laut Ministerium zu Beginn des Schuljahrs am kommenden Montag nicht besetzt sein. Das entspricht etwa einem Prozent der insgesamt 11.500 Lehrerstellen in diesem Bereich. Die Grundversorgung beim Unterricht sei jedoch nicht gefährdet, so Lorz.

Bis zu den Herbstferien sollen jedoch möglichst alle vakanten Stellen besetzt sein, so das selbst gesetzte Ziel des Ministers. Um das Ziel zu erreichen, sei "Kreativität in der Personalentwicklung" gefragt, sagte Lorz. Das Kultusministerium hat bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen. So wird beispielsweise jedem Absolventen im Grund-und Förderschulbereich sofortige Einstellung versprochen. Besonders große Hoffnungen ruhen auf Weiterqualifizierungsangeboten für Absolventen aus den Bereichen Gymnasial-, Haupt- oder Realschullehramt, die noch keine Anstellung haben. Sie sollen auf diesem Weg in die Grund- und Förderschulen gelockt werden.

SPD sieht Qualität "gefährdet", Linke fordert mehr Geld

Dass es überhaupt zu solch einem Engpass gekommen ist, ist einer der Hauptkritikpunkte der Opposition an der Bildungspolitik. Die schwarz-grüne Regierung habe die Aus- und Fortbildung von Lehrern in den letzten Jahren "sträflich vernachlässigt", schreibt die SPD-Landtagsfraktion in einer Pressemitteilung. Dadurch sei die Unterrichtsqualität "massiv gefährdet". Ein angemessenes Gegensteuern sei nicht zu erkennen. "Kultusminister Lorz schleicht mit angezogener Handbremse durchs Land", sagte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christoph Degen.

Auch die Linke hat die Situation vor dem Schulstart kritisiert. Lorz würde vor allem vor einer Überbelastung der Lehrkräfte "die Augen verschließen", sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linke-Fraktion, Gabi Faulhaber. Zudem fordert sie eine Anhebung der Bezahlung von Grundschullehrkräften von A12 auf A13, um diesen Bereich attraktiver zu gestalten.

Zusätzliche Studienplätze geschaffen

Lorz erklärt den Lehrkräfte-Engpass vor allem durch die Aufnahme von rund 38.000 Schülern in den letzten zwei Jahren, die als Flüchtlinge oder Zuwanderer ins Land gekommen sind. Das habe alle Prognosen gesprengt.

Für die Zukunft kalkuliert das Ministerium mit weiter steigendem Lehrkräftebedarf. Um den nächsten Engpass zu vermeiden, wurde die Zahl der Studienplätze für Grund- und Förderschule um 50 Prozent erhöht. Das entspricht 315 neuen Plätzen.


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