Themencheck Wohnen
Frankfurt braucht Wohnungen und muss bauen - aber in welche Richtung, und für wen? Bild © Simulation: Architekturbüro Ole Scheeren, Stadt Frankfurt, picture-alliance/dpa (Collage: hr)

Bauen, bauen, bauen könnte eine Lösung für die Wohnungsnot in Frankfurt sein. Aber für wen wird gebaut und wo sollen die Häuser stehen? Was planen die OB-Kandidaten? Der readitnow.info-Check Wohnen zur OB-Wahl.

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Frankfurt platzt aus allen Nähten. Wenn es um Wohnraum geht, sind sich die Oberbürgermeister-Kandidaten für Frankfurt einig: Es gibt zu wenig bezahlbare Wohnungen, die Stadt muss bauen - und damit auch größer werden. Wie ist die Lage aktuell - und was versprechen die Kandidaten zur Linderung der Wohnungsnot?

Wohnungsnot in der zweitteuersten Stadt Deutschlands

Beim Werben um Wählerstimmen ist stets die Rede von "bezahlbarem" Wohnraum, denn der ist rar gesät in Frankfurt - im Gegensatz zu Luxusappartments, von denen immer mehr gebaut werden.

  • Aktuell fehlen über 30.000 Wohnungen.
  • Die Zahl der Sozialwohnungen ist rückläufig, bei steigender Nachfrage. Im Jahr 2016 bewarben sich rund 9.500 Haushalte für eine geförderte Wohnung - rund 2.100 wurden vermittelt, der Rest landete auf Wartelisten.
  • Bis zum Jahr 2030 wird es Schätzungen zufolge rund 100.000 Einwohner mehr in der Stadt geben, die dann auch 90.000 Wohnungen bräuchten.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat in seiner Amtszeit seit 2012 eine Mietpreisbremse für die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft ABG durchgesetzt, hier dürfen die Mieten in den kommenden 5 Jahren nur noch um höchstens 5 Prozent steigen.

Für andere Wohnungsunternehmen, an denen Stadt und Land beteiligt sind, konnte Feldmann das aber nicht durchsetzen. Die Zahl der Sozialwohnungen ist im Laufe seiner Amtszeit gesunken und nicht gestiegen. Versuche, Investoren auf den Bau von gefördertem Wohnraum zu verpflichten, sind wenig erfolgreich.

Frankfurt ist für Mieter und Käufer ein teures Pflaster:

  • Frankfurt liegt nach München auf Platz 2 der teuersten Städte für Mieter in Deutschland.
  • Wer hier einen Mietvertrag unterschreibt, zahlt im Schnitt 12,76 Euro pro Quadratmeter, teilte das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) mit. Tatsächlich könnte der Quadratmeter Wohnraum aber noch mehr kosten, die Onlineseite Immowelt einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 15,59 Euro.
  • Wer kaufen will, zahlt für Wohnungen in Innenstadtbezirken bis zu 8.000 Euro pro Quadratmeter, in exklusiven Wohnlagen auch über 10.000 Euro.
  • Für viele ist das zu teuer: Im Jahr 2015 hatten Frankfurter . Damit liegt Frankfurt hessenweit nur im Mittelfeld, noch hinter Darmstadt oder Wiesbaden. Dieses "verfügbare Einkommen" ist laut Statistischem Landesamt das Geld, was jedem Einwohner für Konsum oder Sparen zur Verfügung steht.

Das planen die Kandidaten für den Wohnungsmarkt

Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD) will die Mietpreisbremse für die rund 52.000 Wohnungen der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG über das Jahr 2020 fortführen. Die Mittel für den Bau von günstigem Wohnraum sollen verdoppelt werden auf insgesamt 90 Millionen Euro. Eine Quote von 30 Prozent günstigem Wohnraum bei Privatinvestoren will er beibehalten, bei öffentlichen Bauträgern will er 50 Prozent geförderten Wohnraum durchsetzen - das soll auch Menschen zugute kommen, die keinen Anspruch auf eine Sozialwohnung haben. Außerdem setzt Feldmann auf Bauen im Umland, Umwandlung von Gewerbeflächen und teilweiser Nachverdichtung in Wohnvierteln. Für absolut notwendig hält Feldmann den Bau eines neuen Stadtteils im Nordwesten der Stadt, er soll den Wohnungsmarkt entlasten und für bezahlbare Mieten sorgen.

Feldmanns Kontrahentin Bernadette Weyland (CDU) verspricht, dass auch Normalverdiener sich Frankfurt noch leisten könnten. Stärker als Feldmann spricht sie sich für Nachverdichtung aus, außerdem setzt sie auf eine Verzahnung "bereits existierender Wohnungsbauförder-Angebote des Bundes, des Landes, der Region und der Stadt". Anders als Feldmann ist Weyland gegen den Bau eines neuen Stadtviertels im Nordwesten über die A5 hinaus. Sie hält das Projekt für politisch nicht mehr durchsetzbar: Die Einhausung der A5 sei unbezahlbar, Frischluftschneisen würden verbaut - außerdem habe Feldmann das Viertel den angrenzenden Gemeinden Steinbach und Oberursel einfach "diktiert".

Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) kritisiert wie Weyland den Umgang Feldmanns mit den Nachbarkommunen bei der Planung des neuen Stadtteils. Sie aber hält das Viertel zu beiden Seiten der A5 für nötig, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Sie will sich für Klimaverträglichkeit bei dem Bauvorhaben einsetzen. Auch sie möchte die Nachverdichtung in der Stadt vorantreiben, wie es etwa bei der Platensiedlung in Ginnheim angedacht ist.

Volker Stein (unabhängiger Kandidat, Mitglied der FDP) will in Kooperation mit dem Umland neue Baugebiete ausweisen. Er sagt, das Wohnungsproblem könne Frankfurt nicht alleine lösen. Gleichzeitig lehnt er aber das neue Stadtviertel im Nordwesten ab. In seinem Wahlprogramm heißt es, er wolle den Milieuschutz abschaffen und freie Flächen bebauen. Die Mietpreisbremse lehnt Stein ab.

Janine Wissler (Linke) kritisert die Kandidaten von SPD, CDU und Grünen - weil sie in der Stadtregierung sitzen und laut Wissler deswegen auch für viele Missstände verantwortlich sind. Sie will mehr sozialen Wohnungsbau, leerstehende Büros zu Wohnraum machen und den Markt nicht alleine Investoren überlassen - die städtische ABG sei auch ein Instrument, um das Mietniveau zu senken. Wissler ist für das neue Stadtviertel im Nordwesten - aber nur mit einer umfassenden Einhausung der A5.

Um dieses Gebiet im Nordwesten von Frankfurt geht es. Benutzen Sie den Vorher-Nacher-Schieber, um das geplante Viertel zu sehen:

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Auch die anderen Kandidaten sehen das Thema bezahlbaren Wohnraum als zentral für Frankfurt. Wir haben die OB-Kandidaten zu Interviews getroffen und sie gefragt, was ihre Pläne für Frankfurt sind - hier geht es zu unseren Videos.

Zusätzlicher Druck durch den Brexit

Großbritannien steigt aus der EU aus und in Frankfurt ist man sich uneins, ob das Fluch oder Segen ist. So wird allein die Deutsche Bank zahlreiche Mitarbeiter nach Frankfurt holen müssen. Eine in verschiedenen Medien genannte Zahl von 4.000 Mitarbeitern bezeichnete Vorstandschef John Cryan Anfang des Jahres aber als "viel zu hoch". Auch einige andere Banken haben bereits angekündigt, Mitarbeiter von London nach Frankfurt zu schicken. Während Lobbyisten und Investoren für Luxus-Wohneinheiten auf die zahlungskräftigen Banker aus London hoffen, befürchten viele Frankfurter, dass die Preise für Wohnraum dadurch noch weiter steigen werden.

Für Londoner klingen allerdings selbst die Quadratmeterpreise in Frankfurter Luxuswohntürmen immer noch wie Schnäppchen. Noch ist der Brexit nicht vollzogen. Der Druck auf den Wohnungsmarkt könnte in der Amtszeit des künftigen Oberbürgermeisters noch deutlich steigen.