Plenarsaal des Hessischen Landtags
Der Plenarsaal im hessischen Landtag. Bild © picture-alliance/dpa

Ausgerechnet die CDU als stärkste Partei im Hessentrend räumt ein, dass sie die Zahlen nicht zufriedenstellen. Alle anderen Parteien zeigen sich erfreut und beschwingt. Dabei ist mit der Umfrage eine Hoffnung zerstoben.

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Wenn eine Partei nach einer Wahlumfrage dem Reflex widersteht, sich nur zu loben, sind die Zahlen kaum berauschend: "Nicht zufrieden" sei die Landes-CDU mit den 31 Prozent beim aktuellen Hessentrend, sagte CDU-Generalsekretär Manfred Pentz am Freitag schon im dritten Satz seiner Analyse. Das Ergebnis sei nicht zum Frohlocken, sagte er später dem hr. 31 Prozent, das sind minus ein Prozentpunkt im Vergleich zum Hessentrend vor einem Jahr und rund sieben Prozentpunkte weniger als bei der Landtagswahl 2013.

Schwarz-Grün hat damit in der Umfrage rund neun Monate vor der Landtagswahl keine Mehrheit mehr. "Nur eine Momentaufnahme", relativierte Pentz, räumte aber ein, die CDU müsse das Ergebnis nun erst einmal analysieren. Denn was nicht nur für die CDU schwer zu erklären ist: Die Bürger schätzen die wirtschaftliche und ihre eigene Lage als weitgehend top ein, auch einen Regierungswechsel favorisieren sie im Hessentrend nicht. Doch die CDU kann dies nicht in Prozentpunkte für sich ummünzen.

SPD äußert sich zuversichtlich

Zuversichtlicher interpretierte die SPD die Lage. Zwar legt die SPD nur im Vergleich zur vergangenen Umfrage zu, im Vergleich zur Wahl 2013 schrumpft sie um gut fünf Prozentpunkte. Eine einfache Perspektive für eine Koalition unter SPD-Führung bieten die Zahlen auch nicht. Doch die SPD stimmt zuversichtlich, dass ihr Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel bis auf fünf Prozentpunkte in den Sympathiewerten an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) heranrückt.

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"Wir wollen stärkste Fraktion werden und eine Regierung der Erneuerung bilden", verkündete Schäfer-Gümbel. "Es geht uns um bezahlbare Wohnungen, Mobilität in Stadt und Land sowie Bildungsgerechtigkeit."

Kleine Parteien sehen sich gestärkt

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Erfreut zeigten sich die kleineren Parteien von der Umfrage: Die Grünen liegen mit 13 Prozent zwei Prozentpunkte über dem Wahlergebnis von 2013. Auch dass ihr Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir den zweitbesten Politiker-Wert nach Bouffier hat, strichen die Parteivorsitzenden Kai Klose und Angela Dorn hervor. Da die Große Koalition nach den Zahlen noch eines der einfacheren Bündnisse wäre, locken die Grünen Gegner der Großen Koalition: Wer diese nicht wolle, müsse die Grünen möglichst stark machen.

Die FDP deutet den Hessentrend als eine gute Basis für ein gutes Ergebnis bei der Landtagswahl und verweist darauf, es sei nicht mehr so einfach, ausreichende Mehrheiten in einem Sechs-Parteien-Parlament zu finden. "Wir werden vermutlich eine Rolle spielen bei einer Regierungsbildung", schloss daraus der FDP-Fraktionsvorsitzende René Rock.

Die Linkspartei nannte ihren Wert von acht Prozent erfreulich. Ihr Landesvorsitzender Jan Schalauske kündigte an, die Linke werde im Landtagswahlkampf "auch klare Kante gegen Rechts zeigen". Ein Umfragewert für die AfD von zwölf Prozent stehe für ein "erschreckend gutes Abschneiden einer fremdenfeindlichen, im Kern rassistischen Gruppierung".

AfD: Haben viele weitere Themen

Die Hoffnung von AfD-Gegnern, dass die neue Partei wieder rasch einbricht, hat der Hessentrend zunichte gemacht: Das Thema Flüchtlinge ist in seiner Bedeutung in den Augen der Wähler von 45 auf 30 Prozent gesunken, auch die meisten AfD-Wähler beurteilen ihre eigene Lebenslage in der Umfrage eher positiv. Trotzdem hat die AfD nur zwei Prozentpunkte seit dem Hessentrend vor einem Jahr eingebüßt und bleibt stabil zweistellig.

AfD-Landessprecher Robert Lambrou sagte: "Die Flüchtlingsproblematik ist, glaube ich, noch nicht vorbei. Und selbst wenn sie es wäre, wir haben viele weitere Themen, wo die Bürger andere Standpunkte vermissen."

Auch CDU-Generalsekretär Pentz sieht immer noch Protestpotenzial und Ängste bei den Bürgern. Trotzdem zeigte er sich zuversichtlich. "Die AfD kann nichts bis auf meckern", sagte er. Bei der Wahl gehe es aber darum, wer die Probleme des Landes lösen könne. Es werde seiner Partei gelingen, den Menschen bis dahin Perspektiven aufzuzeigen. "Das wird sich bei der CDU niederschlagen", gab sich Pentz überzeugt.