Mitglieder der Osmanen Germania bei einer Polizeikontrolle
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Bundesinnenminister Seehofer hat die rockerähnliche Gruppierung Osmanen Germania BC verboten. Gleichzeitig gab es Durchsuchungen bei Mitgliedern - unter anderem in Hessen, wo die Gruppe ihren Ursprung hat.

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Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die in Hessen gegründete rockerähnliche Gruppe Osmanen Germania BC einschließlich ihrer Teilorganisationen verboten und ihnen jede Tätigkeit untersagt. "Von dem Verein geht eine schwerwiegende Gefährdung für individuelle Rechtsgüter und die Allgemeinheit aus", erklärte das Ministerium am Dienstag in Berlin.

Heute hat Min die rockerähnliche Gruppierung „Osmanen Germania BC“ einschließlich ihrer Teilorganisationen verboten & ihnen jede Tätigkeit untersagt. Durchsuchungsmaßnahmen in 4 Bundesländern. : Wer Rechtsstaat ablehnt, kann von uns keine Nachsicht erwarten.

Seinen Anfang nahm der angebliche Boxclub zum Jahresbeginn 2015 in Dreieich bei Offenbach. Schnell expandierte er über die hessischen Landesgrenzen. Bis zum Verbot hatte er 16 Ableger, sogenannte Chapter, im ganzen Bundesgebiet, mit insgesamt etwa 300 Mitgliedern. In Hessen lag die Zahl der Mitglieder nach Angaben des Innenministeriums im "unteren zweistelligen Bereich". Das World Chapter lag in Dietzenbach, Kreisstadt im Kreis Offenbach.

Im heißt es, die Gruppe ähnele in ihrer Struktur und im Erscheinungsbild kriminellen Rockergruppierungen, setze sich aber begrifflich von ihnen ab - etwa durch die Bezeichnung als Boxclub (BC) statt als Motorradclub.

Durchsuchungen am Dienstagmorgen

Die Erkenntnisse einer bundesweiten Razzia im vergangenen März, bei der auch in sieben hessischen Orten Durchsuchungen stattfanden, hatten ebenfalls Einfluss auf das Verbot, wie das Ministerium mitteilte. Laut Innenminister Peter Beuth (CDU) habe es in Hessen rund 80 Ermittlungsverfahren seit November 2015 gegeben. Dadurch habe man die Osmanen merklich geschwächt.

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Ein Mann mit "Osmanen-Germania"-Kapuzenpulli neben zwei Polizisten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Osmanen Germania tragen Konflikte aus der Türkei nach Deutschland

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Auch am Dienstag gab es Durchsuchungen in vier Bundesländern, eine davon in Hirzenhain (Wetterau)Dabei waren 24 Beamte im Einsatz. Ziel war es, Kennzeichen des Vereins und das Vermögen sicherzustellen. Darüber hinaus wurden mehreren mutmaßlichen Bandenmitgliedern Verbotsverfügungen zugestellt. Bundesweit soll die Rockergruppe rund 155 Mitglieder haben.

Zweck: "Gewalttätige Gebiets- und Machtentfaltung"

Das Bundesinnenministerium teilte mit, Zweck der Osmanen Germania sei die gewalttätige Gebiets- und Machtentfaltung gegen andere rockerähnliche Gruppierungen: "In der Vergangenheit kam es wiederholt zu schweren Körperverletzungs- und versuchten Tötungsdelikten."

Die Rockergruppe steht nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP und zum Umfeld des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Gruppierung vertrete türkisch-nationalistische und rechtsextremistische Positionen.

Beuth: "Polizei hat Rockern frühzeitig auf den Füßen gestanden"

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) begrüßte das Verbot. Er sagte laut einer Mitteilung vom Dienstagvormittag: "Die hessische Polizei hat den Osmanen-Rockern frühzeitig auf den Füßen gestanden." Seit Mai 2015 hatte der hessische Verfassungsschutz die Gruppe beobachtet.

Das Verbot sei auch ein Verdienst der "tüchtigen hessischen Polizistinnen und Polizisten", die mit ihren Razzien und ihrem Kontrolldruck die Gruppierung nachhaltig geschwächt hätten, sagte Beuth. Zudem sei das Ermittlungsverfahren auf hessische Initiative erfolgt.

Das Verbot sei gut, aber keinesfalls ein Verdienst des Innenministers. sagte Nancy Faeser, innenpolitische Sprecherin der SPD. Die FDP-Fraktion im Landtag fordert in der Durchsetzung des Verbots eine "aktivere Rolle als bisher" von der hessischen Regierung. Die Fraktionsvorsitzende der Linken Janine Wissler bezeichnete das Verbot als überfällig.