Landgestüt Dillenburg
Stallungen des Landgestüts Dillenburg Bild © picture-alliance/dpa

Im Streit um den Erhalt des Landgestüts in Dillenburg mit der Landesregierung hat die Stadt nun Gutachter befragt. Sie meinen, dass auf dem Gelände leicht neue Auslaufflächen für Pferde geschaffen werden könnten.

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"Das Landesgestüt ist kein Hinterzimmerstall". Mit klaren Worten verteidigte Dillenburgs Bürgermeister Michael Lotz (CDU) am Dienstag erneut das Gestüt. Die Gesamtanlage des Gestüts mit allen Flächen und Gebäuden habe eine Gesamtausdehnung von 35.500 Quadratmetern. Mehr Bewegungsraum für die Pferde sei möglich.

Bei der Pressekonferenz in Dillenburg kamen auch Gutachter zu Wort, mit deren Hilfe die Stadt die angekündigte Schließung des Gestüts noch abwenden will. Schon jetzt erhielten die Pferde täglich ausreichend Bewegung, etwa beim Training, sagte die Sachverständige für Pferdehaltung, Christiane Müller. Das Angebot für freie Bewegungsmöglichkeiten müsse aber weiter verbessert werden, um auf dem "guten Weg" zu bleiben. Es könnten beispielsweise Auslaufflächen hinter den Ställen eingerichtet werden oder auf dem Hof.

Geschätzte Gesamtkosten von 430.000 Euro

Aus Sicht eines weiteren Experten gibt es sowohl auf dem Gelände des Gestüts als auch in der Nachbarschaft mehrere Möglichkeiten, den Pferden zusätzlichen Auslauf zu bieten. Die Flächen seien vorhanden und könnten auch in den Betrieb gut eingebunden werden, sagte der Architekt und Sachverständige bei der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftskammer, Eckhard Hilker. Als Beispiele nannte er Areale am Hofgarten der Stadt sowie an einem Paradeplatz.

Alle Maßnahmen zusammen würden etwa 430.000 Euro kosten. Aber schon eines der Areale würde den Bedarf decken. Die Gutachten hatte der Förderverein Hessisches Landgestüt in Auftrag gegeben. Vorsitzender ist Bürgermeister Lotz.

Wirtschaftsminister signalisiert Gesprächsbereitschaft

Die Landesregierung hatte im Juli angekündigt, das Gestüt schließen zu wollen. Seitdem kämpft die 34.000-Einwohner-Stadt für den Erhalt der Anlage mit ihren aktuell 24 Mitarbeitern und 41 Pferden. Der Protest in Stadt und Region ist groß, mittlerweile unterstützen fast 60.000 Menschen eine Online-Petition gegen die Schließung. Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) hatte das geplante Aus mit der Sorge um das Tierwohl begründet.

Die vorgestellten Gutachten liegen dem Ministerium nach eigenen Angaben bislang nicht vor, weshalb sie noch nicht kommentiert werden könnten. "Wir werden das Gutachten, wenn es uns vorliegt, selbstverständlich sorgfältig prüfen und bewerten. Zudem halten wir unser Gesprächsangebot, das Ministerin Priska Hinz bereits vor Wochen an die Stadt gegeben hat, aufrecht", erklärte Staatssekretärin Beatrix Tappeser.

Inzwischen hat sich auch Vize-Ministerpräsident Tarek Al-Wazir (Grüne) eingeschaltet. Im hr-Sommerinterview am Sonntag signalisierte auch er Gesprächsbereitschaft über die Zukunft des Landgestüts - unter der Bedingung, dass die Stadt den nötigen Auslauf für die Pferde schafft. Bürgermeister Lotz deutete das als Trendwende: "Zumindest insofern, dass wir jetzt mit dem Land Hessen in eine inhaltliche Diskussion über den Erhalt des Gestüts einsteigen können."

Sendung: readitnow, 08.08.2017, 19.30 Uhr

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