Das Plenum des hessischen Landtags in Wiesbaden.
Das Plenum des hessischen Landtags in Wiesbaden. Bild © picture-alliance/dpa

Bis zur Landtagswahl Ende Oktober wird der Landtag so manches Schauspiel bieten. Eine erste Kostprobe gaben die Akteure am Mittwoch. Wovon das Stück handelte, wie es besetzt war, wie es ausging: Hier alles zur leidenschaftlichen Premiere.

Videobeitrag

Video

zum Video Unterrichtsausfall beschäftigt Landtag

Ende des Videobeitrags

Auf der Zuschauertribüne in Wiesbaden saßen am Mittwochmorgen auch viele Schülerinnen und Schüler. Ernsthafte Landtagsdebatte. Vielleicht erinnerte sich der ein oder andere Zuhörer zwischenzeitlich aber auch ans eigene Schultheater. Das könnte an der bevorstehenden Hessenwahl liegen. Bis zum 28. Oktober wird der Landtag noch manches Schauspiel bieten.

Weitere Informationen

Die komplette Debatte in Videos

Die Videos mit allen Rednern während der Debatte um den Unterrichtsausfall finden Sie hier.

Ende der weiteren Informationen

Hier alles Wichtige über das 90-minütige Stück, das die zum Teil heftig-erregten Akteure vor der Kulisse der hessischen Schullandschaft darboten.

Der Handlungsrahmen

Ist der Unterrichtsausfall in Hessen dramatisch? Oder erfüllt das Land die Unterrichtsgarantie? Darüber streiten Regierung und Opposition schon seit Jahren. Nun hat die Landesschülervertretung eigene Nachforschungen angestellt. Demnach fielen am 11. April 2018 an rund 100 weiterführenden Schulen insgesamt mehr als 1.600 Stunden aus. Und SPD und Linke legten im Landtag mit Anfragen und Anträgen ("Landesregierung täuscht Öffentlichkeit") nach.

Die Hauptdarsteller

Der Schwarzmaler war SPD-Schulexperte Christoph Degen - für seine Gegner. "In Hessen fallen täglich auch ohne Grippewelle tausende von Unterrichtsstunden aus", sagte er. An beruflichen Schulen mache das in manchen Bereichen sogar mehr als 30 Prozent aus.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU), den er vor Wochen schon "Minister Ahnungslos" genannt hatte, rief Degen zu: "Verkaufen Sie die Hessen doch nicht für dumm!" Lorz sei überfordert, leugne den Ernst der Lage, rede sie schön und liefere keine eindeutigen Daten. "Da lachen die Menschen nur noch drüber." Nebenbei gab er dem abwesenden Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) auch noch einen mit. Er nannte ihn spöttisch "Landesgroßvater".

debatte-unterrichtsausfall-degen
Christoph Degen (SPD) Bild © hr

Als der Unverstandene fühlt sich Minister Lorz selbst. Der Opposition sei da wohl einiges durcheinander geraten. Sie versuche, "aus nichts ein Wahlkampfthema zu machen". Denn anders als zu Zeiten seiner SPD-Vorgänger sei die Erfüllung des Pflichtunterrichts in Hessen sehr wohl gewährleistet.

debatte-unterrichtsausfall-lorz
Kultusminister Alexander Lorz (CDU) Bild © hr

Unterrichtsausfall? Diese irreführende Kritik beziehe sich offenbar auf den "Ausnahmefall Vertretung". Der sei aber wegen Krankheit, Ausflügen etc. unvermeidlich; er werde mit 225 Millionen Euro jährlich und einer mobilen Lehrerreserve bekämpft. "Man kann nicht für jede Lehrkraft eine zweite bereit halten, ein Schattenkollegium sozusagen."

In weiteren Rollen:

Der Bodyguard war CDU-Bildungsprecher Armin Schwarz - für Lorz. Eine einzigartige Lehrerversorgung, viel mehr Stellen als für die Unterrichtsabdeckung nötig, die höchsten Bildungsausgaben in Deutschland usw. – die Lage in Hessen sei deutlich besser als in jedem anderen Bundesland. Und warum greift die SPD dann an? "Weil Sie mit Neid auf unsere Bildungspolitik schauen." Hinter den aktuellen Zahlen der Schülervertretung witterte Schwarz abgekartetes Spiel, weil der Landesschulsprecher SPD-Mitglied und Juso sei.

Der Mahner Mathias Wagner, als Grüner Koalitionspartner von Lorz und Schwarz, gab aber zu: Ja, es gebe "Engpässe bei der Lehrerversorgung". Hauptursache sei aber das bundesweite Problem des Lehrermangels. Hessens stehe mit der einzigartigen 105-prozentigen Zuweisung an Lehrerstellen aber besser da als andere Länder. "Es gibt gar keinen Anlass, die Situation in Grund und Boden zu reden."

Die Besorgte weitete die SPD-Vorwürfe noch aus. Gabi Faulhaber (Linke) befand: Minister Lorz mit seinen "rosaroten Darstellungen" ignoriere Überlastungsanzeigen von Lehrern, ungerechte Bezahlung an Grundschulen und Investitionsbedarf an Schulgebäuden. Er gebe "ein Paradebeispiel, wie Politikverdrossenheit entsteht".

Der Tanzlehrer gab der SPD ebenfalls recht und dem Kultusminister einen Rat: "Die Gefahr des Zerbrechens von Eiern wird größer, je länger der Eiertanz dauert", sagte Wolfgang Greilich (FDP). Die Ankündigung des Ministers, er wolle nun die Vertretungspläne der Schulen analysieren, begrüßte der Liberale so: "Sie haben Ihre jahrelange Arbeits- und Auskunftsverweigerung offenbar eingestellt."

Wie das Stück ausgeht

Fortsetzungen mit Handlungsfortschritten, überraschende Wendungen, gar ein versöhnliches Happy End? Das ist im Genre "Landtagsdebatte" nicht unbedingt zu erwarten. Dialoge gab es nicht. Kein Redner ließ Zwischenfragen zu. Auch nicht Janine Wissler (Linke) im Fall des CDU-Abgeordneten Schwarz. Ihren Monolog begründete sie nicht nur mit der begrenzten Redezeit: "Ich glaube nicht, dass ich Herrn Schwarz überzeugen kann."