Helge Braun mit Angela Merkel im Bundestag
Helge Braun mit Angela Merkel im Bundestag Bild © Imago

Er ist der Hesse, der künftig noch näher an Angela Merkel ist: Der Gießener CDU-Politiker Helge Braun soll Chef des Kanzleramts werden. Doch wer ist dieser Mann, der so nah an der Macht so unsichtbar ist? Ein Portrait.

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Wer Helge Braun vor der Bundestagswahl nach einem großen Erfolg fragte, dem antwortete der CDU-Politiker aus Gießen: dass sich der G20-Gipfel mit Antibiotika-Resistenzen befasst hat. Kein Thema für Schlagzeilen und rasche Profilierung, sondern eine naturwissenschaftliche Herausforderung.

Da konnte man sich gut vorstellen, dass sich der Arzt Helge Braun mit der Physikerin Angela Merkel versteht. Die vergangenen vier Jahre war der heute 45 Jahre alte Staatsminister im Kanzleramt. Nun hat Merkel angekündigt: Braun soll - falls es zu einer Großen Koalition kommt - Kanzleramtschef werden. Damit soll er Peter Altmaier ablösen, der nächster Wirtschaftsminister werden soll.

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"Helge Braun wird in die Fußstapfen von Peter Altmaier treten", sagte Merkel am Sonntagabend. Eine der besonderen Aufgaben von Braun werde sein, einen Kabinettsausschuss zu koordinieren, der sich mit Fragen der Digitalisierung befasst.

Besonnen und ruhig

Kanzleramtschef, das wäre für Braun noch einmal eine Position höher als bisher. Doch hinter den Kulissen spielt der 45-Jährige schon längst eine wichtige Rolle für Merkels Regierung: bei der Neuordnung der Bund-Länder-Finanzen und bei der Flüchtlingskrise. Dabei gab sich Braun wie seine Chefin stets optimistisch.

Sei es die Unterbringung, die Asylverfahren oder die Rückführung von Flüchtlingen: Braun nahm als stellvertretender Flüchtlingskoordinator die Herausforderungen an. Mit seiner besonnen und ruhigen Art soll er das Vertrauen der Kanzlerin gewonnen haben. Dabei stand Braun weder in der Medizin noch auf der politischen Bühne in der ersten Reihe, selbst als er die hessische CDU als Landes-Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf führte.

"Es geht nicht um den Ruhm"

"Im Endeffekt geht es ja nicht um den Ruhm. Wenn man zurückschaut und sagt, es ist etwas gelungen. Wenn man nach einem Jahr Flüchtlingskrise sagt, wir haben versprochen, dass wir das schaffen, dann finde ich, ist das auch eine Erfolgsgeschichte", sagte Braun in der vergangenen Wahlperiode.

Angela Merkel hat mich heute als Chef des Bundeskanzleramtes vorgeschlagen. Über dieses Vertrauen freue ich mich sehr!

Braun trat bereits mit 17 Jahren der Jungen Union bei und studierte in Gießen Medizin. 2002 zog er zum ersten Mal in den Bundestag ein, 2009 das zweite Mal. Im selben Jahr wurde er Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung.

14 bis 16 Stunden Arbeit am Tag

Bildung ist für Braun ein wichtiges Thema. Er kümmert sich um die Digitalisierung. "Der Vorsatz, den ich habe, ist, dass wir in der Digitalisierung in den nächsten Jahren schneller werden, damit wir am Ende ein großes Ziel erreichen", sagt er. "Damit wir am Ende in Deutschland mehr Arbeitsplätze schaffen, als wir am Ende in Deutschland verlieren."

14 bis 16 Stunden am Tag arbeitet Braun nach eigenen Angaben. Zeit für Hobbies habe er da nicht: Politik sei gleichermaßen Arbeit und Hobby. Privat arbeite er mit seiner Frau Katja aber im Garten oder treffe sich mit Freunden.

Lob für die Kanzlerin

Helge Braun gilt als bodenständig und optimistisch. Und er gehört zu den Unterstützern der Kanzlerin in der CDU: "Ich glaube, Sie haben eine Bundeskanzlerin erlebt, die ihren Job mit Liebe, mit Hingabe, besonnen und klug macht", sagte er vor der Bundestagswahl im vergangenen September. Bald könnte er nun noch enger mit ihr zusammenarbeiten als bisher.