Das alte Sozialministerium in Wiesbaden
Der Eingang des alten Sozialministeriums in Wiesbaden Bild © Volker Siefert (hr)

Mit Millionenaufwand richtet das Land das leer stehende Sozialministerium in Wiesbaden für das Landeskriminalamt her. Doch Polizeigewerkschafter fürchten um die Gesundheit ihrer Kollegen. Und auch die Zuständigkeit für die Kosten wirft Fragen auf.

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Eine Wärmebildkamera zeigt die Wärmeabstrahlung eines Gebäudes

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Experte: "Innendämmung ist ganz selten das Mittel der Wahl"

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19 Millionen Euro soll die Sanierung des alten Sozialministeriums in Wiesbaden kosten, das künftig vom Landeskriminalamt genutzt werden soll. Doch Polizeibeamte haben gesundheitliche Bedenken.

Sorgen bereitet ihnen die Art der Wärmedämmung: Wie der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) auf Anfrage von hr-iNFO bestätigte, soll das rund 40 Jahre alte Haus auf der Innenseite der Fassade gedämmt werden.

"Nur in ganz seltenen Fällen das Mittel der Wahl“

Das kann nach Ansicht von Bauexperten zu Feuchtigkeitsbildung führen. "Eine Innendämmung ist nur in ganz seltenen Fällen das Mittel der Wahl“, sagt Professor Ludger Bergrath von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Nachteile seien neben höheren Kosten mögliche Atemwegs-Erkrankungen durch Schimmel. Für die Mitarbeiter könne es eventuell zu Atemluftproblemen kommen. Es könne sogar der Fall eintreten, dass Räume gar nicht mehr benutzbar seien.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Hessen, Lars Maruhn, warnt vor möglichen gesundheitlichen Folgen. Es gebe Gespräche mit der Polizeiführung, in der diese auf Risiken hingewiesen werde. "Wenn hier gesundheitliche Schäden eintreten, dann muss man sich beim Dienstherren gewahr sein, dass das absehbar war. Das wollen wir nicht“, so Maruhn zu hr-iNFO. Der LBIH hält dagegen, dass bei einer "sachverständig ausgeführten Innendämmung“ keine gesundheitlichen Risiken zu erwarten seien.

Vermieter in der Pflicht?

Darüber hinaus gibt es Zweifel, ob das Land überhaupt für die Dämmung bezahlen muss. Im Jahr 2005 hat die Landesregierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) das Gebäude im sogenannten "Leo I Paket" mit knapp 20 weiteren Immobilien an einen privaten Investor verkauft und angemietet. Dabei hat sich das Land verpflichtet, die Innensanierung selbst zu bezahlen. 

Der Sachverständige Bergrath sieht dennoch den Vermieter in der Pflicht. "Schließlich gehört die Dämmung zur Funktion der Außenwand, die das Gebäude nach außen abschließt“, sagt er. Und das Land hat offenbar gar nicht versucht, den Eigentümer in die Pflicht zu nehmen: "Mit dem Vermieter wurde über eine Außensanierung nicht gesprochen", teilte der LBIH mit.

Thema im Haushaltsausschuss

Der Haushaltsausschuss des Landtags beschäftigte sich am Mittwochabend mit dem Sanierungsprojekt und kam zu der Erkenntnis, dass das Land für die Wärmedämmung selbst aufkommen muss. Die Verträge mit dem Vermieter sehen keine flexiblen Dämmwerte vor.

Um sich an heutige Energieeffizienz-Vorgaben zu halten, müsse das Land selbst dämmen, hieß es in dem Ausschuss. Und weil es nur für die Innensanierung zuständig sei, geschehe dies an den Innenwänden.

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Norbert Schmitt, sieht in den Verträgen ein großes Versäumnis, das für das Land noch teuer werden würde, weil auch andere Gebäude betroffen seien. Der FDP-Abgeordnete Frank Blechschmidt ist für eine Rückabwicklung der Verträge, wo dies möglich ist. Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) hält das nicht für notwendig. Der Verkauf rechne sich für das Land bis heute, sagte er. Gemietete Immobilien stünden weniger leer als eigene.