SPD-Landeschef Schäfer-Gümbel (r.) in der Reihe der Führungsriege auf dem Sonderparteitag
SPD-Landeschef Schäfer-Gümbel (r.) in der Reihe der Führungsriege auf dem Sonderparteitag Bild © picture-alliance/dpa

Ein blasser Parteichef, klare Worte gegen einen neuerliche GroKo und viel Jubel in der Frage nach Thorsten Schäfer-Gümbels Zukunft: hr-Korrespondent Christopher Plass über den Sonderparteitag der SPD.

Porträt Christopher Plass
hr-Landtagskorrespondent Christopher Plass Bild © hr, Christian Christes

Auch in Hessen hatten vor allem die Jusos Front gegen die Große Koalition gemacht, aber es gab auf diesem Sonderparteitag am Sonntag auch Jungsozialisten, die für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union waren. Tracy Risch aus Fritzlar gehörte dazu. Die 22 Jahre alte Studentin wusste schon bei ihrer Ankunft in Bonn, dass sie der Parteispitze den Rücken stärken würde.

Applaus für GroKo-Gegner Grüger

"Ich finde, wir sollten uns nicht drücken, sollten in die Verhandlungen gehen und ein gutes Ergebnis herausholen", sagte Risch zu hr-iNFO. Die mit Spannung erwartete Rede von Parteichef Martin Schulz, die dann allerdings kaum Spannung bot, konnte auch Tracy Risch nicht mitreißen. Aber ihr Abstimmungsverhalten änderte das nicht.

Ganz anders der Landtagsabgeordnete Stephan Grüger aus dem Lahn-Dill-Kreis: Er erlebte am Rednerpult, was ihm im Landtag in Wiesbaden selten entgegenschallt: tosenden Beifall. Grüger sprach sich vor den 600 Delegierten klar gegen GroKo-Verhandlungen aus. Die SPD müsse keine Angst haben vor Neuwahlen und ein Gegenpart zur Union sein, "kein Wurmfortsatz".

Hessens Delegierte gespalten

Die heftige innerparteiliche Debatte über den richtigen Weg spiegelte sich schon lange auch in der Hessen-SPD und damit auch auf dem Bonner Parteitag wider. Gernot Grumbach, der Chef des Bezirks Hessen-Süd, unterstrich offen sein "Nein" zur Großen Koalition: "Die Partei brennt darauf, dass sich die Gesellschaft verändert. Es tut ihr nicht gut, wenn man sie mit kleinen Bröckchen abspeist." 

SPD Parteitag Bonn Nahles Schulz
SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles hielt eine kämpferische Rede, der Applaus für Martin Schulz war verhalten. Bild © picture-alliance/dpa

Manfred Schaub, sein Pendant aus Nordhessen, hielt dagegen: "Wir haben eine Menge im Sondierungspapier erreicht". Aber, so Schaubs Mahnung mit Blick auf die nun anstehenden Verhandlungen mit CDU/CSU: "Die Angriffslust des Parteivorstands ist noch zu wecken."

Schulz kann wenige begeistern

Als Parteichef Martin Schulz sprach, hielt sich die Begeisterung im Saal deutlich in Grenzen. Die Partei haderte hörbar: Selten tosender Applaus, oft allenfalls verhaltene Zustimmung für Schulz - auch in den hessischen Reihen. "Es liegt eine Last auf ihm", beschrieb es Generalsekretärin Nancy Faeser.

Martin Schulz bewies einmal mehr, dass er kein großer Redner ist, als er um das Vertrauen der Delegierten warb. Dennis Volk-Borowski, Unterbezirks-Vorsitzender in Wiesbaden und schon vor dem Parteitag erklärter GroKo-Gegner, hatte genau damit ein Problem: "Wir hatten zweimal keinen Erfolg mit einem guten Koalitionsvertrag. Ich weiss nicht, warum es beim dritten Mal besser gehen soll." Volk-Borowski betonte zugleich, niemand mache sich die Entscheidung leicht. In der hessischen SPD würden die Meinungsunterschiede fair ausgetragen.

Thorsten Schäfer-Gümbel beim SPD-Sonderparteitag
Thorsten Schäfer-Gümbel beim SPD-Sonderparteitag Bild © Screenshot Livestream phönix

Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel hatte sich in den letzten Tagen um einen Schulterschluss mit dem Landesverband NRW bemüht, um in den Leitantrag Nachforderungen für die Koalitionsverhandlungen einzubringen: Schritte gegen die Zwei-Klassen-Medizin und bessere Regelungen für befristete Arbeitsverhältnisse und im Familiennachzug für Flüchtlinge.

Jubel für TSG als Ministerpräsident

Schäfer-Gümbel schaltete sich am Sonntag als letzter Redner in die Debatte ein: "Es ist eine Frage zwischen schwierig und ganz schwierig. Ich bin dafür, den schwierigen Weg zu gehen“, warb er vor der Abstimmung.. Die erste Abstimmung per Handzeichen fiel so uneindeutig aus, dass Sitzungsleiter Heiko Maas das Prozedere wiederholen und die Stimmen auszählen ließ.

Thorsten Schäfer-Gümbel sorgte übrigens für einen der wenigen Momente, in denen der Parteitag geschlossen in Jubel ausbrach. Als ihm NRW-Landeschef Groschek zurief: "Wir wollen, dass Du, Thorsten, der nächste hessische Ministerpräsident wirst. Und dieser Parteitag entscheidet mit darüber." Soviel Einigkeit war selten in Bonn.  

Sendung: hr-fernsehen, readitnow, 21.1.2018, 19.30 Uhr