Böhse-Onkelz-Coverband "Stainless Steel"
Böhse-Onkelz-Coverband "Stainless Steel" mit Ex-Halunken-Frontmann Marco Voigt (2.v.l.) Bild © Stainless Steel

Eine Böhse-Onkelz-Coverband darf nicht in Darmstadt auftreten. Obwohl sie sich gegen Rassismus sowie rechte und linke Gewalt ausspricht, sorgte ein junger Grünen-Politiker mit einer Neonazi-Warnung für den entscheidenden Anruf aus dem Büro des grünen Oberbürgermeisters.

Eigentlich wollte die Böhse-Onkelz-Coverband "Stainless Steel" an diesem Freitag in der Darmstädter Böllenfalltorhalle ein Konzert spielen. Rund 600 Karten waren schon verkauft, berichtete Ralf Wanka vom Veranstalter "The Fun Company". Mit Kurzentschlossenen und der Abendkasse hatte er gehofft, auf 1.000 Besucher zu kommen. Unter den Onkelz-Coverbands ist "Stainless Steel" immerhin eine der ältesten und bekanntesten, die die Stücke der Original-Onkelz nachspielen.

Grünen-Politiker bringt Stein ins Rollen

Dass es nun doch nicht zu dem geplanten Konzert kommt, liegt unter anderem an einem (inzwischen gelöschten) Facebook-Beitrag des Sprechers der Grünen Jugend Hessen, Philip Krämer. Der Student, der auch Stadtverordneter in Darmstadt ist, warnte am vergangenen Freitag davor, dass möglicherweise "krude rechte Personen" zu dem Konzert kommen könnten.

Krämer begründete das unter anderem mit dem "immer noch andauernden rechten Image der Böhsen Onkelz". Außerdem schrieb der junge Grünen-Politiker, der Sänger der ehemaligen Onkelz-Coverband "Die Glorreichen Halunken" werde auch auftreten, Konzerte der Halunken "wurden offenbar schon mal von rechten Parolen begleitet". Zudem sei "Stainless Steel" bis 2009 gemeinsam "mit der Rechtsrock-Band Frei.Wild" aufgetreten.

Facebook-Post von Philip Krämer.
Facebook-Post von Philip Krämer. Bild © Screenshot: Facebook

Bereits zuvor, am Mittwoch vergangener Woche, hatte Krämer nach eigenen Angaben die Darmstädter Sportstätten GmbH, der die Böllenfalltorhalle gehört, darauf hingewiesen. Er schlug vor, bei der Sicherheitsbesprechung auf das Klientel hinzuweisen.

Nicht alle Warnungen zutreffend

Allerdings waren offenbar nicht alle Facebook-Warnungen des jungen Grünen-Politikers zutreffend. Anders als von Krämer behauptet, sollte Halunken-Sänger Marco Voigt am Freitag in Darmstadt nicht zusammen mit "Stainless Steel" auftreten. Bei der Konzertankündigung war er allerdings mit abgebildet und nimmt laut Band "von Zeit zu Zeit" durchaus an "Stainless Steel"-Auftritten teil.

Zudem, so stellte Joachim Wawra, Manager von "Stainless Steel" und Ex-Manager der Halunken, klar: Die in dem von Krämer genannten "rechtsextremen Parolen" seien wenn, dann bei einer anderen Onkelz-Coverband skandiert worden, nicht bei den "Glorreichen Halunken". Der verlinkte Bericht selbst ist in dieser Hinsicht nicht eindeutig.

Die von Krämer angesprochene Südtiroler Band Frei.Wild ist umstritten. Zwar hat sich die Band klar gegen Fremdenhass und Rassismus , wird aber dennoch weiterhin verschiedentlich dem Rechtsrock zugeordnet.

Stadt Darmstadt: Nur Bedenken mitgeteilt

Krämers Bedenken landeten im Büro seines Parteifreundes, des Darmstädter Oberbürgermeisters Jochen Partsch (Grüne) - möglicherweise mit Hilfe von Rainer Burhenne, Geschäftsführer der Sportstätten GmbH und Büroleiter des OB. Genaue Infos dazu lägen nicht vor, sagte ein Sprecher der Stadt Darmstadt. Vom OB-Büro aus erging schließlich ein Anruf an den Konzertveranstalter, die "Fun Company" von Ralf Wanka.

Man habe lediglich die Bedenken mitgeteilt und gebeten, "dass sich der Veranstalter das noch mal anschaut", sagte der Stadt-Sprecher. Die Stadt habe keine Empfehlung für eine Absage ausgesprochen. "Es war eine reine Vorsichtsmaßnahme, das weiterzureichen."

Die Böllenfalltorhalle und ein Konzertbild von Stainless Steel.
Die Band "Stainless Steel" wird nun nicht in der Böllenfalltorhalle auftreten. Bild © Stainless Steel, Stadt Darmstadt

Konzert-Veranstalter will keinen Konflikt

Der von der Stadt angesprochene Veranstalter Wanka sagte, er habe sich natürlich vorher schlau gemacht, was es mit der Band auf sich hat, und sie für unproblematisch gehalten. Aber als der Anruf aus dem Büro des OB kam, habe er "nicht auf Konfrontation zur Stadt" gehen wollen. Er sei auf ein gutes Verhältnis zur Stadt angewiesen. Immerhin betreibe seine Firma die "Skihütte Darmstadt" am Luisenplatz, wo regelmäßig Partys stattfinden. "Ich denke da ja auch an meine Konzession."

Daher habe er sich mit seinem Partner entschieden, das Konzert abzusagen - und damit auch auf erheblichen Kosten sitzen zu bleiben. Seit Monaten hatte die Firma Werbung geschaltet, außerdem muss sie jetzt hunderte Tickets im Wert von jeweils zwölf Euro zurückerstatten. Und eine Vertragsstrafe an die Band wird wohl ebenfalls fällig. Zuerst hatte das über die Absage berichtet.

Cover-Band: "extrem schade"

Die Böhse-Onkelz-Cover-Band "Stainless Steel" reagierte mit Unverständnis auf die Absage. "Extrem schade" sei das, sagte Sebastian Mader, Gitarrist und Bandgründer. Es habe bei Konzerten nie Vorfälle mit Rechtsextremen gegeben. "Es kann sein, dass der Mann, der im Bus neben einem sitzt, solche Einstellungen hat. Ebenso könnte es sein, dass manchmal Leute mit solchen Einstellungen im Publikum sind, ich kann ihnen ja nicht in den Kopf schauen", sagte er. "Aber unsere Fans sind eigentlich einfach Rockfans."

Auf ihrer Website distanziert sich die Band klar von Rassismus, Intoleranz sowie rechter und linker Gewalt, Mader selbst trägt auf den Pressebildern ein "Against Racism & Hate"-T-Shirt. "Und selbst das finde ich schon schwachsinnig", sagte Mader. "Es ist doch kein normaler Mensch Rassist."

Grünen-Politiker fühlt sich bestätigt

Grünen-Politiker Krämer, der die Diskussion ins Rollen brachte, hat die Absage des Konzerts am Ende überrascht, wie er sagte. Er finde den Schritt aber "mutig und richtig", auch wenn er ihn nie gefordert habe. Dennoch habe er in der Zwischenzeit etliche Hass-Nachrichten bekommen und sei offen angefeindet worden.

Grünen-Politiker Krämer
Grünen-Politiker Krämer Bild © privat

Einige der Absender stammten Krämer zufolge offenbar aus dem rechten Spektrum - weshalb er sich bestätigt fühle. Die Polizei in Darmstadt sagte auf readitnow.info-Anfrage, es gebe "keine Erkenntnisse" zu der Band. Man sei auch in den gesamten Vorgang nicht involviert gewesen.

Ein Trost für die Fans der Böhsen Onkelz ist das Konzert der Band in der Frankfurter Commerzbank-Arena im August, zumindest für diejenigen, die ein Ticket ergattern konnten. Es war schon eine Stunde nach Vorverkaufsbeginn ausverkauft. Eine Live-Alternative bleiben Cover-Bands wie "Stainless Steel" - sofern sie denn auftreten dürfen.