Hier bekommt man noch was für die D-Mark: AfD-Parteitag in Neu-Isenburg
Hier bekommt man noch was für die D-Mark: AfD-Parteitag in Neu-Isenburg. Bild © picture-alliance/dpa

D-Mark, Pflastersteine, Goethe - und natürlich die Flüchtlingspolitik: Die Delegiertenversammlung der AfD in Neu-Isenburg hat einen Vorgeschmack auf die Zeit nach der Landtagswahl gegeben. Spitzenkandidat Rainer Rahn nannte zwei zentrale Themen für den Wahlkampf.

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An Selbstbewusstsein mangelt es der hessischen AfD derzeit nicht: 15 Prozent der Stimmen will sie bei der anstehenden Landtagswahl im Oktober erringen – "weniger schließe ich derzeit aus", sagte Versammlungsleiter Albrecht Glaser voller Überzeugung.

Rainer Rahn soll die AfD in den Landtagswahlkampf im Herbst führen.
Rainer Rahn soll die AfD in den Landtagswahlkampf im Herbst führen. Bild © picture-alliance/dpa

Angeführt werden die AfD-Kandidaten auf ihrem Weg in den Landtag von dem 66 Jahre alten Mediziner Rainer Rahn: ein Frankfurter Kommunalpolitiker mit durchaus schillernder Karriere im Stadtparlament. Dort kämpfte er zunächst als Flughafenausbaugegner, wechselte dann zur Flughafen-freundlichen FDP-Fraktion, bevor er sich schließlich der AfD anschloss.

In seiner Bewerbungsrede bezog er sich zunächst auf Schiller und Goethe. Dann konzentrierte er sich allerdings darauf, die Flüchtlingspolitik zu geißeln: Bundeskanzlerin Merkel habe mit ihrer Politik die Grundlagen der Demokratie zerstört. Es müsse nicht akzeptiert werden, dass der Anteil der Muslime in der deutschen Bevölkerung wachse. Wer die Regeln in Deutschland nicht akzeptiere, müsse das Land verlassen. Nun will er vor allem die Bildungspolitik und die innere Sicherheit in den Mittelpunkt des Landtagswahlkampfes stellen, sagte er nach seiner Wahl zum Spitzenkandidaten.

Erbsensuppe für neun D-Mark

Die AfD sieht sich als Partei für die Bürger, die den "gesunden Menschenverstand nicht verloren haben", sagte Landessprecher Robert Lambrou, der auf Platz zwei der Liste steht. Man wolle "zurück in die Zukunft" in der Schulpolitik, ergänzte sein Sprecherkollege Klaus Herrmann (Listenplatz 3) und forderte ein System aus Haupt- und Realschule, Gymnasium und Förderschulen.

"Zurück in die Zukunft" galt auch im Foyer der Neu-Isenburger Hugenottenhalle, wo Erbsensuppe und Bockwurst auf Wunsch der AfD in D-Mark ausgezeichnet waren. Auch sonst ging es bei diesem AfD-Parteitag anders zu als bei den Versammlungen anderen Parteien: ein Bewerber biss zur Demonstration seiner Standhaftigkeit in einen Pflasterstein aus Granit. Und der erste Wahlgang startete erst nach eineinhalb Stunden, weil zuvor ausdiskutiert werden musste, ob jeder Bewerber siebeneinhalb, acht oder zehn Minuten Zeit zur Vorstellung haben muss – man einigte sich auf acht Minuten zwei Nachfragen.

Flüchtlingspolitik bleibt zentrales Wahlkampfthema

Heftige Kritik an der Flüchtlingspolitik wurde von fast allen Bewerbern in den Mittelpunkt ihrer Reden gestellt, Bildung war ein anderes Schwerpunktthema. Landessprecher Robert Lambrou nannte die Bildungspolitik in Hessen eine "durchideologisierte Verblödungsindustrie", in der es für Schüler wichtiger sei, "einen Text durchzugendern statt das Ein-Mal-Eins zu beherrschen".

Rainer Hofsommer, ehemaliger Schulleiter und früherer CDU-Landtagsabgeordneter, fasste seine Kritik an der Landesregierung so zusammen: "Dass sich Ministerpräsident Bouffier als reflexionsloser Vasall dieser Merkel mit den versifften Grünen ins gemeinsame Koalitionslotterbett gelegt hat, werden wir ihm am 28. Oktober heimzahlen."

Der Ton dürfte sich im hessischen Landtag also spürbar verändern, falls die AfD im Oktober wie derzeit erwartet in den Landtag einzieht. Vermutlich aber weniger in Richtung Schiller und Goethe und mehr in Richtung AfD-Sprech.

Sendung: hr-fernsehen, readitnow, 7.4.2018, 19.30 Uhr