Stimmzettel auf dem AfD-Parteitag in Gießen
Stimmzettel auf dem AfD-Parteitag in Gießen Bild © picture-alliance/dpa

Ist der hessische AfD-Vorstand Peter Münch nicht ganz freiwillig zurückgetreten? Ein Abwahlantrag sollte offenbar seine Parteikarriere beenden. Münch selbst will von dieser Variante nichts wissen.

In der Hessen-AfD knirscht es hinter den Kulissen gewaltig. Am Sonntag trat AfD-Vorstand Peter Münch von seinem Posten als einer von drei Landessprechern zurück. Seine Begründung: Die Ergebnisse des AfD-Bundesparteitags und die Wahl seines Vorstandskollegen Albrecht Glaser zum Vize-Chef der Bundes-AfD. Mit diesem liegt Münch schon seit geraumer Zeit im Clinch.

War Abwahlantrag Auslöser für Rücktritt?

Doch ganz so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint, war die Entscheidung Münchs offenbar nicht. Am Dienstag wurde bekannt, dass 27 AfD-Delegierte einen Abwahlantrag gegen Münch gestellt haben - und zwar deutlich vor dessen Rücktrittsankündigung. Die berichtete zuerst darüber.

Fristgerecht, acht Tage vor dem Landesdelegiertenparteitag am 16. und 17. Dezember in Gießen, sei der Abwahlantrag auf die Tagesordnung gesetzt worden, erklärte AfD-Landessprecher Rolf Kahnt gegenüber readitnow.info. "Der Landesvorstand hat darüber eine Mitteilung bekommen." Somit müsste Münch zum Zeitpunkt seines Rücktritts gewusst haben, dass seine Parteifreunde ihn abwählen wollen.

War der Rücktritt also nicht ganz freiwillig, sondern eine Notbremse, um das Gesicht zu wahren? "Diese Vermutung liegt nahe", so die Einschätzung von Kahnt.

Münch: Rücktritt war spontane Entscheidung

Dem widerspricht Peter Münch entschieden. "Ich habe mir meinen Rücktritt am Sonntag spontan überlegt." Von dem Abwahlantrag habe er erst später per Mail erfahren. Es könne zwar sein, dass die Nachricht bereits zuvor in seinem Postfach gelandet sei, doch als "unsystematischer Mail-Leser - gerade am Wochenende -" habe er die Information erst im Laufe des Tages gelesen.

Zudem sei ein solcher Antrag eigentlich überflüssig, so Münch. "Ich habe doch im Vorfeld bereits angekündigt, nicht als Landessprecher kandidieren zu wollen." Da noch einen Abwahlantrag zu stellen, könne er nur als "Rachefeldzug" werten.

Kandidatur auf alle Fälle unterbinden

AfD-Landessprecher Kahnt erklärte dazu, dass Münch vorher lediglich angekündigt habe, nicht mehr antreten zu wollen. Dies schließe einen Rücktritt ja nicht ein. Noch am Tag der Konferenz selbst hätte er sich auf die Kandidatenliste setzen lassen können. Mit dem Abwahlantrag sollte sichergestellt werden, dass das nicht passiert.

"Wir müssen unsere Energien jetzt in Inhalte und Themen stecken, nicht in personelle Dinge", resümiert Kahnt. Dafür habe Münch mit seinem Rücktritt den Weg geebnet. "Die sollen jetzt mal zusehen, wie sie den Vorstand zusammenkriegen", schreibt Münch seinen Parteikollegen einstweilen ins Aufgabenheft. Beim AfD-Parteitag Mitte November in Gießen hatte eine technische Panne die Wahl eines neuen Vorstandes verhindert.