Kamele im Odenwald
Kamele im Odenwald Bild © picture-alliance/dpa

Keine Fata Morgana: Im Odenwald stehen tatsächlich Kamele auf einer Wiese. Wie "King Lu" und Divess" dort hinkamen, erklärt ihre Besitzerin aus Ober-Ramstadt.

Der Odenwald bietet nicht nur eine Menge Natur, sondern auch handfeste Überraschungen: Zwei Wüstenschiffe stehen nur ein paar Kilometer von Darmstadt entfernt in Ober-Ramstadt im vorderen Odenwald. "Divess" heißt die Kameldame, "King Lu" der Herr, ein Wallach, beide vier Jahre alt.

Ihre Besitzerin ist Marion Boehm, Schauspielerin und Gründerin des mobilen Kindertheaters "Chamäleon". Die zwei Wüstenschiffe will sie für Touristen-Touren ausbilden und daraus kommendes Jahr ein ganz spezielles Freizeitangebot machen. "Bis ihre Erziehung rund ist, dauert es noch vielleicht ein bis zwei Jahre", sagt die 52-Jährige auf der Weide im Ortsteil Rohrbach. Ihre Idee für sich persönlich: Ein Ritt nach Frankfurt, die beiden Dromedare vor der Banken-Skyline.

"Sie fressen nicht viel, saufen nicht viel"

Kamele im Odenwald
Besitzerin Marion Boehm mit ihren Haustieren. Bild © picture-alliance/dpa

Für die Dromedare ist die Weide anscheinend ein Stück Paradies. "Sie sind genügsam", sagt Boehm. "Fressen nicht viel, saufen nicht viel. Sie sind unglaublich robuste Tiere". Selbst das Wetter mache ihnen nicht wirklich was aus. "Schnee ist okay. Regen aber nicht, da rutschen sie schnell aus. Dann sind sie lieber in ihrer Hütte."

Ausflüge mit den Dromedaren in die Gegend hat Boehm schon unternommen. "Ich reite auf "Divess", bei "King Lu" habe ich das Gepäck drauf." Erfahrungen mit Kamelen habe sie gesammelt in der Wüste Thar in Indien.

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Dromedare haben einen Höcker

Dromedare gehören zu den Kamelen ebenso wie die Trampeltiere. Der Unterschied: Ein Dromedar hat einen Höcker, ein Trampeltier zwei.

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Wie kommt man auf die Idee, Kamele zu halten? "Das fragt mich jeder", sagt Boehm. "Ich weiß es nicht. Ich habe das Pippi-Langstrumpf-Gen." Es gehe um Spaß und Abwechslung. Die Dromedare habe sie ohne große Probleme gefunden. "Im Internet gegoogelt und gekauft, aus der Lüneburger Heide." Sechs Jahre habe sie nach einer Weide gesucht, meint die 52-Jährige. Das mit den Dromedaren, das habe innerhalb von drei Wochen geklappt. "Es ist schwieriger, im Odenwald eine Weide zu pachten als zwei Dromedare zu kaufen." 

Tierschutzbund findet Kamele als Haustiere okay

Für den Deutschen Tierschutzbund in Bonn ist es "eigentlich nicht ungewöhnlich", dass Kamele gehalten werden, wie Sprecherin Lea Schmitz sagt. "Wenn es artgerecht ist, kann man das machen." Wer ein Kamel als Haustier halten will, braucht dafür keine Erlaubnis oder Prüfung.

Laut Schätzung von Gabriele Heidicke, der Vorsitzenden des Vereins Altweltkamele aus Löwenberger Land in Brandenburg, gibt es in Deutschland rund 2.000 Kamele. "Es sind deutlich über 1.000, aber auch deutlich unter 10.000." Registriert seien die Tiere nicht. Ein Großteil der Kamele in Deutschland sei hier geboren worden, dazu kämen Importe aus den Ländern der früheren Sowjetunion.

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Marion Boehm reitet auf Dromedar-Dame "Divess". Bild © picture-alliance/dpa