Dieser Freitag ist der letzte Diensttag für Frankfurts langjährigen Feuerwehrchef Reinhard Ries. Er formte seine Organisation zu einer der modernsten in ganz Europa, verbesserte entscheidend den Brandschutz und half bei der gelungenen Bombenentschärfung.

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Frankfurts Feuerwehrchef Reinhard Ries sitzt im weißen Hemd mit Schulterklappen in seinem Büro. Das Wort Ruhestand scheint er noch nicht so ganz verinnerlicht zu haben. Der 61-Jährige hängt zwar an diesem Freitag die Uniform an den Nagel - sein Terminkalender sei dennoch über diesen Termin hinaus voll, sagt er.

Doch nun ist es Zeit für einen Blick zurück. Die Kür seiner Karriere sei die Bombenentschärfung im Frankfurter Westend und die damit verbundene Evakuierung, die fast 70.000 Menschen betraf, im September vorigen Jahres gewesen, erzählt Ries voller Stolz. Eine rundum gelungene Kür. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagte damals: "Für mich ist das bewundernswert, mit welcher Professionalität die Einsatzkräfte perfekt zusammen arbeiten."

Erster großer Einsatz beim gelben Regen

Bereits 1993 - nur wenige Tage nachdem Reinhard Ries den Chefposten der Frankfurter Feuerwehr übernommen hatte - gab es die erste große Herausforderung für ihn: Chemie-Unfall in Höchst, gelber Regen in drei Stadtteilen. "Das war natürlich eine Einsatzherausforderung, die ist bundesweit einmalig geblieben bis zum heutigen Tag", sagt Ries: "Es war nicht klar, ob die Menschen den Bereich verlassen müssen oder ob es reicht, wenn die Autos gewaschen werden." Letztlich habe er den richtigen Weg eingeschlagen.

Ries entschied sich gegen eine Evakuierung. Damals seien Wetten gegen ihn gelaufen, erinnert er sich mit einem Lächeln. Doch mit diesem Erfolg war der Feuerwehrchef in Frankfurt akzeptiert. Und auch außerhalb.

Experte für Brandschutz bei Hochhäusern

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Frankfurts Feuerwehrchef Reinhard Ries

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Reinhard Ries brachte die Frankfurter Feuerwehr voran

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Ries half in der Türkei, den Großbrand einer Raffinerie zu löschen. Die Stadt Düsseldorf holte ihn in eine Expertenkommission, die den Flughafenbrand von 1996 untersuchte. Die Ergebnisse der Kommission haben den Brandschutz geprägt. Ries gilt dabei auch als kritischer Experte für Hochhaus- und Sonderbauten.

"Das ist ein weltweites Problem, dass an großen Fassaden brennbare Materialien verbaut werden, die gefährlich werden können. Da ist einfach zu spüren, dass die Industrie sich nicht hat beraten lassen von Brandexperten." Einige Hochhausbrände wären sonst vermieden worden, schiebt der scheidende Feuerwehrchef ärgerlich hinterher. Erst im vergangenen Sommer gab der verheerende Brand des Londoner Grenfell Tower mit 71 Toten ihm wieder Recht - und machte ihn wieder einmal zum gefragten Experten.

Reinhard Ries hat in 25 Jahren die Frankfurter Feuerwehr umgebaut und zu einer der modernsten in ganz Europa gemacht. Aus sieben Wachen machte er zwölf, um schneller helfen zu können. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York im September 2001 entstand in Frankfurt ein Trainings- und Ausbildungszentrum für Feuerwehrleute. Mit eigener U-Bahnstation und einer Halle mit verschiedenen Gebäuden. Üben für den Ernstfall, erklärt Ries: "Der Drill muss passen, damit jede schwierige Einsatzlage auch beherrscht wird."

Sein Wutausbruch bei der Bombenentschärfung? Alles Taktik, sagt er

Reinhard Ries ist ein Mann klarer Worte. Als sich vor der Bombenentschärfung im September 2017 noch Menschen im Sperrbereich aufhielten, gab er wütende Interviews. Alles Taktik, damit die Entschärfung pünktlich beginnen konnte, schmunzelt er heute: "Ich wusste ja genau, es kann Worst-Case-Szenarien geben, dass der Bomben-Entschärfer sagt: Ich krieg' die Zünder nicht raus, ich brauch' länger. Und je mehr Zeit vorher verrinnt, umso weniger Zeit hat er zum Entschärfen."

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Mehr Zeit für private Dinge hat Feuerwehrchef Reinhard Ries jetzt im Ruhestand. Seine Frau kann darüber nur lachen, gibt Ries zu. Denn da ist ja sein voller Terminkalender. Der 61-Jährige wird weiterhin die Gesellschaft leiten, die Feuerwehr- und Rettungsdienstgebäude baut und betreibt.